Fangaktion im Fählensee: Amerikanische Seesaiblinge fressen heimische Fische

Im Fählensee machten Fischer immer seltener einen grossen Fang. Der Grund: Amerikanische Seesaiblinge fressen die heimischen Fische. Jetzt hat die Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden reagiert und zwei Befischungsaktionen durchgeführt, um zu verhindern, dass die Räuber den Fischbestand weiter reduzieren.

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Die gefangenen Kanadischen Seeforellen wiesen eine Grösse von bis zu 74 Zentimetern auf. (Bild: Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden)

Die gefangenen Kanadischen Seeforellen wiesen eine Grösse von bis zu 74 Zentimetern auf. (Bild: Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden)

(stm) Die stetig sinkenden Fangerträge im Fählensee haben die Fischereiverwaltung des Kantons Appenzell Innerrhoden dazu bewogen, zusammen mit dem Umweltbüro AquaPlus AG den Ursachen für den Rückgang auf den Grund zu gehen. Nachdem sich herausstellte, dass die gewässerchemischen und -physikalischen Eigenschaften des Fählensees nicht für den Rückgang der Fangerträge verantwortlich sein können, ging man der wahrscheinlichsten Hypothese nach:

Demnach spielt die Anwesenheit von sehr grossen Namaycush – auch Amerikanischer Seesaiblinge oder Kanadische Seeforelle genannt – als Topprädatoren eine wichtige Rolle im Ökosystem des Fählensees. Durch ihr ausgeprägtes Jagdverhalten und enormes Wachstum vermögen bereits wenige dieser Fische den gesamten Fischbestand im See deutlich zu reduzieren.

Das Vorkommen dieser Fische im Fählensee konnte bereits im vergangenen Juni mittels Sonaraufnahmen nachgewiesen werden. Diese Woche fanden nun zwei systematisch angelegte Befischungsaktionen am Fählensee statt, wie die Fischereiverwaltung des Kantons Appenzell Innerrhoden mitteilt.

Der Fählensee im Alpstein. (Archivbild: Tagblatt)

Der Fählensee im Alpstein. (Archivbild: Tagblatt)

Hypothese bestätigt

Mit Unterstützung eines spezialisierten Teams aus dem Kanton Tessin und unter der Leitung der Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden konnten insgesamt sieben grosse Namaycush entnommen werden. Die gefangenen Fische erreichten bis 74,5 Zentimeter Länge und wurden bis zu 4,7 Kilogramm schwer.

In Anbetracht dessen, dass sich die nicht heimischen Namaycush ab etwa 30 Zentimetern nur noch von anderen Fischen ernähren und für die Produktion des eigenen Körpergewichts etwa das zehnfache an Frischfisch zu sich nehmen müssen, ist der Einfluss der entnommenen Fische beträchtlich.

Der Mageninhalt einer Kanadischen Seeforelle: Zwei gefressene Seesaiblinge in der Grösse von 26,5 Zentimetern und 20 Zentimetern. (Bild: Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden)

Der Mageninhalt einer Kanadischen Seeforelle: Zwei gefressene Seesaiblinge in der Grösse von 26,5 Zentimetern und 20 Zentimetern. (Bild: Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden)

Die gefangenen Namaycush wurden gemessen, gewogen und untersucht. Die Analyse der Mageninhalte zeigte, dass die Fische bis zu 26,5 Zentimeter grosse heimische Seesaiblinge (Salvelinus alpinus) erbeutet und bis zu drei Beutefische gleichzeitig im Magen hatten. Es erstaunt deshalb nicht, dass die für die Angelfischerei interessanten und fangbaren Fische ab 30 Zentimeter Länge kaum mehr im See vorhanden waren, heisst es in der Mitteilung weiter.

Interessant ist auch die Tatsache, dass in den letzten Jahren lediglich einzelne oder gar keine grossen Namaycush durch die Angelfischerei gefangen werden konnten. Die Vermutung, dass sich die Namaycush ab einer gewissen Grösse lediglich sehr schwer durch die Angelfischerei fangen lassen, wurde somit ebenfalls bestätigt.