Familienbetrieb nimmt Abschied

Auf dem Grundstück der Gärtnerei Wiederkehr entstehen bald Mehrfamilienhäuser. Die Gärtnerei wird aufgegeben und damit das Lebenswerk der Wiederkehrs.

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Das Team der Gärtnerei Wiederkehr verabschiedet sich (von links) Heidi Guyer, Luca Nef, Erika Wiederkehr, Barbara Roth, Balz Wiederkehr und Erika Tschumper. (Bild: pd)

Das Team der Gärtnerei Wiederkehr verabschiedet sich (von links) Heidi Guyer, Luca Nef, Erika Wiederkehr, Barbara Roth, Balz Wiederkehr und Erika Tschumper. (Bild: pd)

NESSLAU. Rund sechzig Jahre ist es her, seit die Gärtnerei Wiederkehr von Jules Wiederkehr gegründet wurde. Unterdessen ist viel passiert auf dem Stück Land zwischen Thur und Löchlibach. Sohn Balz Wiederkehr und seine Frau Erika übernahmen 1983 zusammen die Gärtnerei und den Blumenladen. Sie bauten neue Gewächshäuser, verbesserten die alten und renovierten den Laden.

Innovation und Vielfalt

Erika Wiederkehr dekorierte mit ihren innovativen Blumenkreationen unzählige Hochzeiten, Feste und Anlässe aller Art in Nesslau und im ganzen Toggenburg, vom Säntisgipfel bis an den Zürichsee. Die Pflanzen dafür und das grosse Sortiment ihres Blumenladens konnte sie zu einem Grossteil aus der Gärtnerei beziehen. Dort kultivierte und hegte Balz Wiederkehr eine grosse Vielfalt von Pflanzen: das gesamte Spektrum des Sommer- und Herbstflors, dazu unzählige Spezialitäten und Neuheiten wie Thunbergien, Solanum und Amaryllis. Vieles lieferte er an die Ostschweizer Blumenbörse in Mörschwil.

Nicht nur die hohe Qualität ihrer Produkte war Balz und Erika Wiederkehr wichtig, sondern auch die Ausbildung junger Gärtner und Gärtnerinnen. Sie boten über 36 jungen Leuten eine Lehrstelle und begleiteten sie durch ihre dreijährige Ausbildung.

Auch in widrigen Zeiten

In den dreissig Jahren, in denen das Ehepaar das Geschäft führte, erlebte es viele Hochs und Tiefs. Schnee, Hagel, Sturm und immer wieder Hochwasser beschädigten die Gärtnerei und erforderten besonders viel Kraft. Gerade in solchen Momenten und über all die Jahre wurden Balz und Erika Wiederkehr immer von guten Freunden unterstützt, durften sich einer treuen Kundschaft erfreuen und konnten sich stets auf langjährige Mitarbeitende verlassen. Jeder Schwatz im Laden, die vielen kleinen Gesten, Überstunden, wenn's mal hoch her ging und jedes Paar helfende Hände haben zum Gelingen der Firma beigetragen.

Nun geht eine Ära zu Ende, schliesslich schreitet die Zeit auch für Gärtner voran. Da es keine Nachfolger aus der grünen Branche gibt, suchten Wiederkehrs nach einer anderen Möglichkeit. Der Projektvorschlag der Meierpartner Architekten erwies sich als Glücksfall, weil sich so nicht nur für Wiederkehrs eine gute Lösung ergibt, sondern auch für die Gemeinde neue Wohneinheiten geschaffen werden. Bis im Jahr 2014 werden zwei moderne Mehrfamilienhäuser mit 20 Wohnungen errichtet.

Wehmütig, aber zuversichtlich

«Es ist nicht leicht, ein Lebenswerk aufzugeben», sagt Erika Wiederkehr, «wäre auch seltsam, wenn ein solcher Umbruch ohne Wehmut über die Bühne ginge.» Trotzdem freuen sich alle über die Entscheidung und schauen zuversichtlich in die Zukunft.

Bevor aber der Vorhang fällt, möchte die Firma Wiederkehr ihre Kunden und Freunde zur Ladenschluss-Woche vom 1. bis 6. Juli einladen. Alle Pflanzen werden zum halben Preis angeboten. Und zum Lichterlöschen am Samstag heisst das Team alle herzlich willkommen zum gemütlichem Schwatzen und Gläser heben. (pd)