Familiäres Umfeld als Stärke

Mea Mc Ghee
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Ausserrhoden Ab 2026 sollen alle auf der Pflegeheimliste Appenzell Ausserrhoden zugelassenen Leistungserbringer die Pflege über alle Pflegestufen gewährleisten. Diese Vorgabe seitens des Kantons stellt jene fünf Alters- und Pflegeheime, die eine Zulassung nur bis zur Pflegestufe 7 aufweisen, vor grosse Herausforderungen. Die Verantwortlichen beurteilen die Probleme unterschiedlich, sehen in ihren Häusern aber ähnliche Stärken.

«Es ist nicht einfach, qualifiziertes Personal zu finden, das die Bewohnerinnen und Bewohner mit Herzblut betreut», sagen Max Rüber, Heimleiter des Alterswohnheims Dreilinden, und Heidi Buttignol, Heimleiterin des Altersheims Johannesbad. Diese zwei Häuser in Heris­au stehen unter privater Trägerschaft. Im Dreilinden sind aktuell 22 von 23 Plätzen belegt, im Johannesbad sind zurzeit fünf von 22 Betten leer. Das Angebot von Kleinheimen sei momentan aber nach wie vor gefragt, als Alternative zu Grossheimen, so Rüber.

Klein und familiär, aber veraltet

Nebst den zwei genannten privaten Institutionen führen die Gemeinden Trogen/Speicher, Wald und Lutzenberg Alters- und Pflegeheime mit Zulassung Stufe 7. Im Altersheim Boden in Trogen wäre die Infrastruktur zur Zulassung mit Pflegestufe 12 vorhanden, so Katrin Signer. Dies strebe man aber nicht an, so die Heimleiterin, nicht zuletzt, weil man den Spitalcharakter vermeiden wolle. Sie nennt ihr Haus eine «Ferienpension», in der die Gäste Mensch sein dürfen. Eine stärke ihres Kleinheims sei die flexible Tagesstruktur. «Ich kenne die Bewohner vom Fussnagel bis zur Haarspitze», sagt Signer. «Ich kann auf ihre Bedürfnisse eingehen und weiss, wie ich den Einzelnen abholen kann. Doch um langfristig bestehen zu können, müssen wir neue Strategien entwickeln», sagt Katrin Signer. Überall entstehen neue Wohnformen für Senioren, auch Alters- und Pflegeheime müssen sich neu ausrichten. Problematisch findet sie die Vorschrift, dass ab 2018 alle Heime auch über Nacht Pflegefachpersonal gewährleisten müssen. Dieses Personal zu finden, sei auf dem ausgetrockneten Markt schwierig. «Für die Thematik mehr Pflegefachpersonal in Alters- und Pflegeheimen muss eine ­Lösung gefunden werden», so Katrin Signer.

Im Seniorenwohnheim Brenden in Lutzenberg leben aktuell 16 Menschen. Die zuständige Gemeinderätin Maria Heine Zellweger nennt die Athmosphäre im Haus heimelig und alltagsnah. Bewohner könnten in Kochtöpfe schauen, den Duft der Wäscherei riechen oder gar kleine Arbeiten verrichten. Das werde geschätzt. «Die veraltete Infrastruktur und das wirtschaftliche Führen eines 19-Zimmer-Hauses sind grosse Herausforderungen und zwingen, irgendwann dazu zu handeln», so Heine Zellweger. Auch sei es oft schwierig, Stellen entsprechend den personellen Anforderungen zu besetzen. Trotz der zum Teil erschwerenden Umstände sei die Fluktuation im Team gering und es werde gute Pflegearbeit geleistet. Die Gemeinderätin sagt, dass intensiv an Zukunftsperspektiven für das Seniorenwohnheim Brenden gearbeitet werde. «Es gibt diskutierte Optionen, Veränderungen sind angedacht. Es ist jedoch zu früh, diese zu kommunizieren», so Heine Zellweger. «Wichtig ist, dass die Menschen im Seniorenwohnheim Brenden wohl sein können.»

Das Altersheim Obergaden in Wald ist die kleinste Pflege­einrichtung in Appenzell Ausserrhoden. Die Institution bietet 16 betagten, betreuungs- und pflegebedürftigen Personen ein Zuhause. Weder die Heimleiterin noch jemand vom Gemeinderat waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

Mea Mc Ghee

mea.mcghee@appenzellerzeitung.ch