Falscher Empfänger

Ich möchte mein Mobiltelefon nicht missen. Trotzdem sehe ich im Schreiben von Briefen einige Vorteile. Postkunden müssen zwar mit einer regulären «Lieferzeit» von mindestens einem Tag rechnen, doch dafür werden verloren geglaubte Briefe manchmal noch nach Jahrzehnten nachgeliefert.

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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

Ich möchte mein Mobiltelefon nicht missen. Trotzdem sehe ich im Schreiben von Briefen einige Vorteile. Postkunden müssen zwar mit einer regulären «Lieferzeit» von mindestens einem Tag rechnen, doch dafür werden verloren geglaubte Briefe manchmal noch nach Jahrzehnten nachgeliefert.

Falsch geschriebene Namen, verkehrte Postleitzahlen, fehlende Hausnummern, alles nur ein kleines Hindernis für die Post. Sogar eine Ansichtskarte aus Sibirien mit der Aufschrift 9425 Oberegg (9413 wäre richtig) hat in einer knappen Woche ihren Empfänger gefunden. Die Post liefert sogar unzureichend frankierte Karten und Briefe aus, zwar mit einem hässlichen Kleber oder Stempel versehen und der Aufforderung, den Restbetrag nachzuzahlen, doch: Die Nachricht kommt an.

Mit diesem Service kann mein Mobiltelefonanbieter nicht mithalten. Wenn ich – eine Prepaid- Kundin – eine SMS versenden oder jemanden anrufen möchte, und ich mein Guthaben bis auf einen Rest von zehn Rappen aufgebraucht habe, versagt mein Handy seinen Dienst. Mit falschen Adressen beziehungsweise falschen Telefonnummern ist es überfordert. So bekam ich schon Nachrichten wie «Dini chind stönd vor verschlossener tür und de hund bellt«oder «Hoi markus i bi sus würkli ganz e spontani, aber am sunntig chani nöd. I wünsch dir en schöne geburtstag. Chum den nöchst wuche mol verbi.»– Alles natürlich auf höchstens 160 Zeichen zusammengefasst. Eine begrenzte Anzahl Zeichen gibt es bei Briefen übrigens auch nicht.

Wer jetzt denkt, «aber die SMS kommt halt in <Echtzeit> an», der hat nur bedingt recht: Erst kürzlich wollte ich einer Freundin mitteilen, dass ich etwas später zum vereinbarten Termin komme. Die Nachricht ist nie bei ihr angekommen. Sie hingegen wollte sich erkundigen, wo ich denn stecke. Ihre SMS empfing ich, als wir schon seit gut zwei Stunden zusammen unterwegs waren.

Greifen wir also wieder einmal zu Papier und Stift! Es gibt doch nichts Schöneres, als zwischen all den Rechnungen und Spendeaufrufen auch einmal eine persönliche Nachricht im Briefkasten zu finden.

Antonia Baumgartner

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