Falscher Alarm
«Wölfe» auf dem Hohen Kasten: Verunsicherte Leute alarmieren wegen lustig gemeintem Bild den Wildhüter

Die Meldung hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer: Auf dem Hohen Kasten sollen zwei Wölfe gesichtet worden sein. Während verunsicherte Menschen beim Wildhüter Alarm schlagen, schmunzelt der Geschäftsführer der Kastenbahn über die Posse. Der Jagd- und Fischereiverwalter Ueli Nef war hingegen leicht genervt.

Raphael Rohner/Christa Kamm-Sager
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«Die Wölfe kommen schon auf den Hohen Kasten, um nach Beute zu suchen», schreiben sich besorgte Appenzellerinnen in einer Whatsapp-Gruppe und teilen ein Bild, welches derzeit die Runde macht. Das Bild dieser «Wolfssichtung» hat allerdings einen lustig gemeinten Hintergrund: Eine Mitarbeiterin der Hohen Kasten Seilbahn und Restaurant hat zwei tschechische Wolfshunde eines Gastes fotografiert, der sich mit seinen beiden Tieren auf dem Hohen Kasten einen schönen Tag machte.

Sie und andere Mitarbeiter haben das Bild in ihrem Status geteilt und darunter geschrieben: «Zum Glück sind die Schafe schon alle unten.» Das Statusbild wurde mit Smileys versehen. Auf dem Foto waren denn auch zwei täuschend echt aussehende «Wölfe» zu sehen, die im Nebel über die Aussichtsplattform des Drehrestaurants schleichen.

Täuschend echt: Zwei tschechische Wolfshunde wurden scherzeshalber als echte Wölfe bezeichnet.

Täuschend echt: Zwei tschechische Wolfshunde wurden scherzeshalber als echte Wölfe bezeichnet.

Bild: Hoher Kasten/Facebook

Foto wurde fleissig geteilt

Martin Ebneter, Geschäftsführer der Seilbahn, hat den Besitzer der tschechischen Wolfshunde bereits beim Billettkauf getroffen und noch mit ihm gescherzt: «So, jetzt kommen auch noch Wölfe zu uns auf den Berg.»

Die Smileys unter dem Statusbild, die besagen sollen: «Achtung, nicht ganz ernst gemeint», wurden allerdings nicht von allen wahrgenommen, die das Bild gesehen haben. Es kam, wie es kommen musste: Das Foto wurde unterdessen von unzähligen Leuten weitergeleitet und zog seine Kreise. Allerdings bald nicht mehr als Scherzbild, so wie es ursprünglich gemeint war.

Wolfsbefürworter und -gegner streiten auf Facebook

Das Foto, das die Mitarbeiterin und Hundeliebhaberin von den beiden Hunden gemacht hat, wurde auch auf der Facebook-Seite des Hohen Kasten Seilbahn und Restaurant geteilt. «Wir hatten noch nie einen so erfolgreichen Post», sagt Ebneter leicht verblüfft und auch etwas amüsiert. Das Bild habe 22'000 Personen erreicht und wurde 218 Mal geteilt. Allerdings hätten sie nach einer Weile die Kommentarfunktion beim Eintrag sperren müssen.

«Wolfsbefürworter und -gegner sind richtiggehend aufeinander losgegangen.»

Mit einem zweiten Bild der Hunde hätten sie dann später klargestellt, dass auf dem Hohen Kasten keine Wölfe gesichtet worden seien. Zum Foto schrieben die Verantwortlichen: «Es kursieren Gerüchte über Wölfe auf dem Hohen Kasten. Dies ist nicht korrekt. Bei den Tieren handelt es sich um tschechische Wolfshunde, welche mit ihrem Herrchen einen Ausflug auf den Hohen Kasten machen durften. Wir bitten auf Verbreitung von Falschnachrichten zu verzichten.»

Einer der tschechischen Wolfshunde. Mit diesem Bild wurde das Rätsel um die vermeintlichen Wölfe aufgelöst.

Einer der tschechischen Wolfshunde. Mit diesem Bild wurde das Rätsel um die vermeintlichen Wölfe aufgelöst.

Bild: Facebook

«Thema Wolf polarisiert zu stark»

Dass einige Leute etwas in Aufregung geraten sind ob der vermeintlichen Wolfssichtung auf dem Hohen Kasten, hat auch der Innerrhoder Jagd- und Fischereiverwalter Ueli Nef am Mittwoch zu spüren bekommen. «Mich haben viele Nachrichten auf allen Kanälen erreicht», sagt er. Er selber habe umgehend erkannt, dass es sich bei den Tieren auf dem Bild nicht um Wölfe handle. Insbesondere das Tier auf der linken Bildseite schien ihm sehr wohlgenährt. Die Statur passe nicht und die Ohren seien zu «spitzig». Doch der Unterschied sei tatsächlich nicht so einfach zu sehen. Ebenfalls erschien es Nef seltsam, dass der Urheber das Foto nicht direkt der Jagdverwaltung zugestellt habe und dass es offenbar nur ein einziges Foto aus nächster Nähe gibt. «Das Gesamtbild passte nicht wirklich zu einer glaubhaften Wolfsmeldung», sagt er.

Jagd- und Fischereiverwalter Ueli Nef

Jagd- und Fischereiverwalter Ueli Nef

Bild: pd

Er habe umgehend den Vorsteher des Bau- und Umweltdepartements informiert, dass so ein Bild im Umlauf sei. Das Scherzbild habe ihn einige Zeit gekostet und unnötige Aufregung verursacht.

«Das Thema Wolf polarisiert zu stark, als dass man damit scherzen sollte.»

Gerade für Landwirte sei der Wolf eine grosse Herausforderung und es sei noch nicht überall klar, wie die Gesellschaft mit der steigenden Wolfspräsenz umgehen solle. Teilweise sei bereits kritisiert worden, dass er nicht schneller kommuniziere, dass Wölfe am Hohen Kasten gesichtet worden seien.

Martin Ebneter kann aber auch am Tag nach diesem Sturm im Wasserglas noch leise über das Bild schmunzeln, das ungewollt seine Kreise zog: «Wir haben einen Tag lang mal für etwas andere Schlagzeilen gesorgt.»

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