Falsch gewickelt

Brosmete

Peter Abegglen
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«Dada, da, da, da!», so tönen die ersten Laute der jüngsten unserer Enkelinnen. Mit gutem Grund vermute ich, dass es bedeutet: «Mir ist wohl beim Grosspapi!», denn wenn immer wir sie sehen, streckt sie die Arme nach mir aus, und kaum hab ich sie im Arm, zupft sie am Schnauz, krallt sich in eine Hautfalte vom Hals oder beschäftigt sich, für mich weniger schmerzhaft, mit der glänzenden Uhr oder einem Hemdenknopf. Ein Schnügel halt, so richtig zum Knuddeln.

Wir sagten denn auch freudig zu, als es zu einem unvorhergesehenen Hüteauftrag kam, wobei «wir» nicht ganz stimmt, denn die Liebste hatte schon einen Termin. «Aber klar doch, das schaffe ich auch alleine!», liess ich meine Tochter wissen. Nach den üblichen Instruktionen betreffend Grundversorgung, was wo zu finden sei, blieb ich allein mit der Kleinen, die zufrieden auf dem Boden sass und mir immer mal wieder ein Spielzeug entgegenstreckte, um es mit einem herzhaften Lachen und «Dada, da, da, da!» gleich wieder an sich zu nehmen. Die letzte Bemerkung der Mutter vor dem Weggehen war noch, dass die Kleine möglicherweise noch was in die Windeln mache, aber das würde ich dann schon merken. Und tatsächlich, sie setzte nach kurzer Zeit eine Duftmarke, die mich zum Handeln zwang. Ab auf den Wickeltisch, ausziehen und vorsichtig die Windel öffnen. Ich hielt gerade die kleinen Beinchen hoch, um mit einem Feuchttuch sauber zu machen, da vibrierte das Handy in der Hemdentasche: «Schatz, ich bin fertig, du kannst mich abholen!» Meine Antwort wurde zweimal unterbrochen. Zuerst mit «Dada, da, da, da!», dann mit «Was machst du?». Leicht gestresst legte ich die Windel schön flach, stutzte kurz, was vorne und was hinten ist, egal: kein Unterschied, alles symme­trisch. Im Gegensatz zu früher sind heutige Windeln sehr praktisch: Faltenfrei und passgenau anlegen, Klettverschluss zu und fertig!

Dann Grosi abholen und die Kleine zurückbringen. «Ich habe sogar die Windeln gewechselt!», rapportierte ich stolz.

Am Abend zu Hause surrte das Handy abermals – eine Bildnachricht. Zwei Bilder vom Schnügel, allerdings nur den Rumpf mit Windel, einmal von vorn und einmal von hinten mit der Bemerkung: «Das Wickeln ist nicht umsonst gefürchtet, wo liegt der Fehler?» Wahrheitsgetreu begründete ich den allfälligen Fehler mit der kleinen Stresssituation, hervorgerufen durch den Anruf. Ob denn die Windel nicht dicht gehalten habe? «Dicht schon, aber vorne mit hinten verwechselt!»

Die Kleine hat man leider nicht nach ihrer Meinung gefragt. Ich persönlich bin der festen Ansicht, sie hätte geantwortet: «Dada, da, da, da!»

Peter Abegglen

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