Fahrverbot ohne Fahrverbot

Die Alpsteinbiker dürfen das Teilstück am Rotenstein vorbei in diesem Jahr wieder nicht befahren. Auch nach einem Gespräch bei Regierungsrat Benedikt Würth leuchtet die Ampel im Grünen für die Teilnehmer des Alpsteinbikes rot.

Urs Huwyler
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Als Individualisten und nicht Alpstein-Biker hätte das Trio über die Neuenalp zum Risipass aufsteigen dürfen. (Bild: Urs Huwyler)

Als Individualisten und nicht Alpstein-Biker hätte das Trio über die Neuenalp zum Risipass aufsteigen dürfen. (Bild: Urs Huwyler)

STEIN. Es sah alles relativ gut aus, doch die relativ positiven Rückmeldungen während der letzten Monate haben sich relativiert. Trotz des freundlichen Empfangs bei Regierungsrat Benedikt Würth und Kantonsoberförster August Ammann oder Gesprächen an runden und eckigen Tischen: Die kurze Strecke Neuenalp – Rotenstein beziehungsweise Muggenboden – Gräppelensee bleibt für alpsteinbike.ch gesperrt. So mussten OK-Präsident Peter Mäder und seine Mitstreiter zwar mit viel Wohlwollen und Verständnis im Gepäck, aber ohne grünes Licht ins Toggenburg rollen.

Den Breitensportbikern bleibt damit am 21. September erneut nur die unattraktive Talabfahrt und der Umweg über das Schwingerdorf Stein als Alternative. Die Gründe, weshalb das Teilstück auf dem 93 Kilometer langen Rundkurs mit 3500 Höhenmetern gesperrt bleibt, lässt sich aus der Distanz nach allen «Pro und Contras» kaum mehr erkennen. Sicher scheint inzwischen jedoch, dass nicht die Auerhühner den Organisatoren ein Ei gelegt haben und auch die andern Wildtiere wegen der Alpsteinzweirädler keine Vögel bekommen.

Individualisten erhalten grün

Zonenpläne, Fristen für Einsprachen, Vor- und Zuschriften, Ruhezonen, unterschiedliche Interessen, alles dürfte eine Rolle spielen. Ob Biker, Jäger, Naturschützer, Behördenvertreter, Politiker oder Tierschützer, alle erklären den Schutz der Natur zu ihrem obersten Gebot. «Das Gespräch verlief konstruktiv. Wir sind von unserer Seite bemüht, mit einem entsprechenden Verfahren bis 2014 eine für alle Parteien akzeptable Lösung zu finden», bleibt August Ammann relativ optimistisch. Dass sich Regierungsrat Benedikt Würth aus erster Hand über die verfahrene Situation orientieren liess, dürfte dem Projekt – je nach Sichtweise – Rücken-, Gegen- oder Seitenwind verleihen.

Speziell an der Geschichte bleibt, dass es auf dem ominösen Teilstück am 21. September für manche ein Fahrverbot ohne Fahrverbot gibt, für andere jedoch nicht. Verpflegen sich ein privater Tourenfahrer und ein Alpstein-biker am Checkpoint Schwägalp und fahren danach gemeinsam weiter, trennen sich ihre Wege nach dem Risipass. Der Individualist darf über Alpwiesen und Kiesstrassen mit Blick auf die Churfirsten am Rotenstein vorbei direkt zum Gräppelensee treten, weil es kein Fahrverbot gibt. Sein organisierter Kollege muss jedoch die Betonabfahrt nach Stein wählen, weil alpsteinbike.ch als Organisator keine Bewilligung für jene Passage erhalten hat und damit unten durch muss. «Wenn schon», wundert sich Peter Mäder, «müsste es umgekehrt sein. Wir kanalisieren die Biker umweltschonend auf einer ausgeschilderten Strecke.»

Beliebter Anlass

Wie auch immer, in diesem Jahr dürfen die Alpsteinbiker ihre Teilnehmer nicht über die Route am Rotenstein führen, sondern haben die Strecke entsprechend auszuschildern. Dass sich ihr Anlass, bei dem es sich um kein Rennen (keine Rangliste) handelt, über die Region hinaus grosser Beliebtheit erfreut, zeigte die Aktion, das Startgeld beziehungsweise den Unkostenbeitrag von zwanzig Franken freiwillig einzuzahlen. Innerhalb eines Monats kamen die benötigten 5000 Franken zusammen.

In der Vergangenheit wagten sich je nach Wetter zwischen 300 und 700 Hobbysportler auf den kräfteraubenden Parcours. Denkbar, dass sie im Raum Neuenalp noch aus einem andern Grund rote und rauchende Köpfe bekommen werden.