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Fahrt in der Geisterbahn

Brosmete
Paul Gisi

Skelette klappern nach der jähen Kurve, mich erinnern sie an Politiker, Putzfäden streichen über die Stirn, mir erscheinen sie wie Sätze des Katechismus, Kobolde mit glühenden Augen fuchteln dilettantisch wie die Darbietungen eines Dorfturnvereins. Mich vergnügt zu wissen, dass wir auf einem Pulverfass sitzen und rauchen und so tun, als könnte unser Planet nicht explodieren.

Teufelsrochen schwadern vorbei, ein Ichthyosaurier rekelt sich, ein Tigerpython züngelt lüstern, eine Diamantklapperschlange reisst ihr bezahntes Maul auf, es ist so herrlich gruslig, Dämonen tanzen wie Irrlichter, zuweilen steigen Nebelrauchwolken auf und es wimmert und wummert albtraumartig höhlenhohl wie von einer Kanzel herunter, das Fürchten nimmt kein Ende, die Fahrt geht rüttelnd und stockend weiter, Hokuspokus, ein rotglühender Greif spreizt seine Krallen, holterdiepolter ruckelt und zuckelt die Geisterbahnfahrt weiter, Paukenschläge poltern, es wird lustiger und lustiger, ein schlappig gekleideter Pirat fuchtelt mit seinem Krummsäbel, wir umarmen uns in unserm Gefährt, am liebsten hätten wir einen Tarnmantel, doch wir sind den Gruseleien mit ihren Blitzen ausgeliefert, als wären sie ein ausserirdisches Toxikum, derweilen sie ja nicht viel anderes sind als die leicht aus den Fugen geratenen Abbilder unserer Gegenwart, die mit ihren Managerboni, Privatjets abgehalfterter Präsidenten, Exkommunikationen seltsamer Glaubensgurus und den verlogenen Prognosen der Wirtschaftshyänen auch nicht schauerlicher als eine Vorstadtgeisterbahn sind. Es ist gehupft wie gesprungen, alles ist im Eimer, nichts zählt mehr, ich lache mich schier kaputt, Flügelkiemer sausen durch die Lüfte, eine Sirene heult, ein Moloch wackelt mit seinem zerfressenen Gesicht, die Geisterbahnfahrt will nicht mehr enden, da bemerke ich, dass ich längst wieder im Freien bin, doch die geröteten und maskenstarren Gesichter der Messebesucher mit ihren plumpen Bäuchen machen mir mehr Angst als zuvor.

Die angebliche Vernunft ist ein straubiger Schauerroman, furchterregender als jede Geisterbahn. Doch wie lustig ist das Unheildrohende, wenn Blinde Blinde führen. Machen wir nur so weiter, das Granulom ist überall. Es könnte ja sein, dass die Geisterbahnfahrt wirklich niemals endete, doch wie lustig wäre das. (Du, schlaf ruhig weiter.)

Paul Gisi

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