Fahrende campieren in Stein

16 Wohnwagen stehen im Gebiet Sonder in Stein auf der Wiese von Landwirt Fritz Ramsauer. Es sind Fahrende aus Strassburg. Behörden und Polizei in Ausserrhoden werden hier mit einem nicht alltäglichen Thema konfrontiert.

Roger Fuchs
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An der Strasse von Hundwil nach Appenzell schräg vis-à-vis einer Schweinemästerei haben sich Fahrende aus Frankreich niedergelassen. Sie wollen zwei Wochen lang bleiben. (Bilder: Roger Fuchs)

An der Strasse von Hundwil nach Appenzell schräg vis-à-vis einer Schweinemästerei haben sich Fahrende aus Frankreich niedergelassen. Sie wollen zwei Wochen lang bleiben. (Bilder: Roger Fuchs)

STEIN. Die Szenerie auf einer Wiese an der Verbindungsstrasse von Hundwil nach Appenzell gleicht einem Sommerlager. Vor Ort zeigt sich: Hier leben Fahrende. Die Fotokamera des Reporters wirkt abschreckend, alle Personen ziehen sich zurück. Ein Mann, der in einem Auto sitzt und losfahren will, winkt. «Warum Foto?», fragt er. Und ja, sie seien Fahrende, mehrere Dutzend und sie kämen aus Strassburg. Die französischen Kennzeichen an Autos und Wohnwagen untermauern diese Aussage.

Am Abend die Überraschung

Niedergelassen haben sich die Fahrenden auf frisch gemähtem Privatland von Fritz Ramsauer. Dessen Vater, Fritz Ramsauer senior, ist gestern kurz vor Mittag dabei, für die Kühe Wasser in Milchkannen abzufüllen. Er erinnert sich an eine Person, von der sie am Montagnachmittag angesprochen worden seien. Ramsauer junior präzisiert: Besagte Person habe sich als Kameramann ausgegeben und gesagt, man wolle einen Film über Fahrende drehen. Selbstkritisch sagt Ramsauer senior, dass sie wohl zu wenig exakt gefragt hätten, wie viele Fahrende kommen würden. Am Abend dann die Überraschung. «Als es dunkelte, fuhren um circa 21 Uhr 16 Wohnwagen an», sagt der Senior. «Da waren wir überrumpelt.»

Seit vier Tagen nun campieren die Fahrenden auf dem Land von Ramsauers. Junior und Senior halten fest, dass sie sich anständig verhalten würden. Zwei Wochen würden sie bleiben wollen, sei ihnen gesagt worden. Die dazu vereinbarte «Standgebühr» von 1500 Franken hätten sie gleich zu Beginn bezahlt. Das Wasser, welches die Fahrenden vom Hof beziehen, würden sie separat begleichen. Die Abfallsäcke, die gestern Mittag vor den Wohnwagen standen, sammelt Ramsauer junior später ein. Die Gebühr zahlen die Fahrenden.

Bewilligungen kontrolliert

Wie Mediensprecher Hanspeter Saxer von der Ausserrhoder Kantonspolizei festhält, ist der Kanton hier mit einem nicht alltäglichen Thema konfrontiert. Seitens der Polizei habe man den Kontakt zu den Fahrenden und zum Landwirten hergestellt. Sie hätten die Bewilligungen all jener kontrolliert und erfasst, welche einem Gewerbe nachgehen würden. Zudem seien die Fahrzeuge registriert worden, sagt Saxer.

Seitens der Gemeinde Stein gibt sich Gemeindepräsident Siegfried Dörig pragmatisch. Er wisse von den Fahrenden, doch solange er nichts Negatives – beispielsweise bezüglich Lärm oder Abfall – höre, bestehe kein Grund zu handeln. Eine Registrierungspflicht im Kanton haben die Fahrenden gemäss Andreas Disch von der Kommunikationsabteilung des Kantons nicht.

Auf die Frage, welche Reaktionen sie auf die Fahrenden erhalten würden, spricht der Bauer Fritz Ramsauer junior von gemischten Reaktionen. Die Wahrnehmung seines Vaters hingegen ist, dass «alle gegen diese Leute» seien. Er selbst könne aber nichts Schlechtes sagen.

Die Fotokamera schreckt ab, sofort gehen alle in ihre Wohnwagen.

Die Fotokamera schreckt ab, sofort gehen alle in ihre Wohnwagen.