Fahrberechtigung für ein «Zehnernötli»

Auf einigen Alpstrassen im Toggenburg kann trotz Verbot, allerdings gegen die Entrichtung einer Gebühr, gefahren werden. Eine Möglichkeit, die von vielen geschätzt wird, wie die Nachfrage zeigt. Dennoch werden die Strassen durch Mitglieder der Korporation kontrolliert.

Adi Lippuner
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REGION. «Alpstrassen sind in der Regel Gemeindestrassen dritter Klasse und werden von Strassenkorporationen unterhalten,» erklärt der Nesslauer Gemeindepräsident Kilian Looser auf Anfrage. Die Gemeinde sei nur für den Unterhalt von Strassen der ersten und zweiten Klasse zuständig. Beim Bau gebe es, je nach öffentlichem Interesse, Beiträge zwischen null und 25 Prozent von der Gemeinde, und für den Unterhalt der Korporationsstrassen könnten zehn Prozent ausbezahlt werden.

Soweit die Zahlen: Doch wer darf die Korporationsstrasse benutzen? Vor allem die Korporationsmitglieder, welche sich im Rahmen des Perimeters an den Bau- und Unterhaltskosten beteiligen. In Wildhaus-Alt St. Johann erklärt Ratsschreiberin Sabrina Koller, dass für Alpstrassen ein allgemeines Fahrverbot verhängt werden könne, sofern noch jemand an der Strasse wohne mit dem Zusatz «Zubringerdienst gestattet», wenn es keine Anwohner gebe mit dem Zusatz «Mit Bewilligung gestattet».

Gesetzliche Grundlagen

Ein Fahrverbot kann mit Beschluss des Gemeinderats verhängt werden, wie Georg Gübeli, Chef Dienststelle Verkehrstechnik der Kantonspolizei St. Gallen, bestätigt. Geregelt ist dies im Artikel 17 der Signalisationsverordnung und im Artikel 24 der Einführungsverordnung zum Strassengesetz. Wenn also jemand eine Strasse, die mit einem Fahrverbot belegt sei, befahre, müsse mit einer Busse rechnen, so Georg Gübeli. Dass dagegen Einsprache erhoben werden könne, wird auf entsprechende Nachfrage bestätigt. Zur Praxis der Gebührenerhebung wollte er sich nicht äussern. Allerdings kenne die Schweiz eigentlich keinen Wegzoll, und deshalb müsse die Gebühr entsprechend erklärt werden.

Fest steht: Strassen, die mit einem Fahrverbot belegt sind, werden auch entsprechend kontrolliert. In der Regel sind es Mitglieder der Korporation, und die können Fehlbare bei der Polizei anzeigen.

«Kässeli» oder Gemeinde?

Zu den Gebühren – in der Regel kostet der Ausweis für einen Tag zehn Franken – ist von Gemeindepräsident Kilian Looser zu erfahren: «Grundsätzlich ist zu sagen, dass es bisher keine Beschwerden gab, ganz im Gegenteil.» Wer einen Ausflug machen wolle und sich allenfalls kurzfristig dazu entschliesse, sei dies auf den Risipass, ins Ijental oder auf die Wolzenalp, könne den Tagesausweis vor Ort lösen. Einerseits werde das eingenommene Geld für den administrativen Aufwand und die Kontrolle benötigt, andererseits sei es auch ein Beitrag an den Strassenunterhalt. «Wo mehr gefahren wird, muss auch mehr Unterhaltsarbeit geleistet werden,» so der Nesslauer Gemeindepräsident. Zudem gelte es, Parkplätze zu schaffen, denn wer auf einer Alpstrasse fahre, müsse sein Auto auch abstellen können.

Entlastung der Verwaltung

Mit den aufgestellten Kässeli, bei denen die Tagesberechtigungen gekauft werden können, seien bisher durchwegs gute Erfahrungen gemacht worden. «Ausflüge können spontan und nicht erst nach dem Gang auf die Gemeindeverwaltung gemacht werden. Unsere Mitarbeitenden werden entlastet, sie müssen keine Tagesbewilligungen mehr ausstellen und dann das Geld an die jeweilige Strassenkorporation weiterleiten.» Je nach Strassenkorporation kann auch eine Saisonbewilligung, welche bei der Gemeinde oder bei einem Mitglied der Korporation bezogen werden kann, gekauft werden.

In Wildhaus-Alt St. Johann gibt es nur für die Zufahrt zur Sellamatt ein Kässeli, die anderen Bewilligungen müssen, sofern jemand einen Grund hat, um die entsprechende Strasse zu benutzen, auf der Gemeinde geholt werden.