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Handwerker gesucht: Dem Appenzellerland gehen die Fachkräfte aus

Das Appenzellerland leidet an einem Fachkräftemangel. Nicht nur hochspezialisiertes Personal fehlt.
Yann Lengacher
Maurer-Nachwuchs ist im Appenzellerland gefragt. (Bild: Michael Zanghellini)

Maurer-Nachwuchs ist im Appenzellerland gefragt. (Bild: Michael Zanghellini)

Der Juli ist die Zeit der Lehrabschlussfeiern. Im Appenzellerland feiern Betriebe aus sämtlichen Branchen ihre Schützlinge. Immer wieder hört man an diesen Anlässen einen Satz, der sich an die ehemaligen Lernenden richtet: «Wir brauchen euch.» Der Innerrhoder Landammann Roland Inauen spricht es an der Lehrabschlussfeier der Appenzeller Zimmerleute vor kurzem deutlicher aus: «Wir haben einen Fachkräftemangel, das darf man so sagen.» Das Thema, das national für Diskussionsstoff sorgt, macht sich im Appenzellerland auch bei der Rekrutierung von Lernenden bemerkbar.

Anwesend war an dieser Feier auch Andreas Manser, der das Qualifikationsverfahren (früher Lehrabschlussprüfung) der Inner- und Ausserrhoder Zimmerleute als Chefexperte überwachte. Er bestätigt die Aussagen von Inauen:

«Es werden sicher mehr Fachkräfte gesucht, als vorhanden sind.»

17 Jugendliche haben für das kommende Jahr schon einen Lehrvertrag für die Ausbildung zum Zimmermann unterschrieben. Im Vergleich zu früher seien dies weniger Lernende, aber immerhin sei die Zahl zuletzt konstant geblieben. «In unserer Branche finden wir noch Lernende, da Holz als Baustoff attraktiv ist. Da haben es Berufe, bei denen man sich die Hände schmutzig macht, viel schwieriger.»

Kaum jemand will auf den Bau

Die Berufe, die Manser anspricht, finden sich vor allem in der Baubranche. «Viele wollen am Abend nicht mit dreckigen Händen nach Hause kommen», sagt auch Josef Zimmermann, der Präsident des Baumeisterverbands beider Appenzell. Er hat dieses Jahr nach einem Strassenbau-Lernenden für seinen Betrieb gesucht – und keinen gefunden. Heute würden Jugendliche eher einen Beruf wählen, der ein besseres Ansehen geniesse als Maurer oder Strassenbauer. Gerade die Anzahl der Lernenden, die eine Maurerlehre beginnen, war in den letzten Jahren rückläufig.

Vor rund sieben Jahren waren es noch um die 15 Jugendliche, die diesen Beruf gewählt haben. Mittlerweile befindet man sich bei etwa sieben Lernenden pro Jahr. Die Zahlen des Kantons Ausserrhoden (siehe Grafik) deuten ebenfalls darauf hin, dass Zimmermann mit seinen Aussagen Recht hat. 24 offene Stellen sind für das Baugewerbe gemeldet, was im Vergleich zu den anderen Branchen ein Höchstwert ist. Für Lehrstellen besteht beim Kanton keine Meldepflicht, weshalb diese Zahl auch grösser sein könnte. Das Besetzen einer Lehrstelle ist aber ebenfalls nicht meldepflichtig. In Innerrhoden konnte dieses Jahr gar nur eine von sieben Maurerlehrstellen besetzt werden. Maurer waren schon in den letzten Jahren gesuchte Berufsleute in Innerrhoden.

Die Industrie sucht Mathematiker und Techniker

Neben dem Baugewerbe macht sich der Fachkräftemangel in der Industrie bemerkbar. Das weiss Urs Alder, Präsident der Vereinigung Industrie AR. «Am meisten spüren wir den Mangel an Fachkräften in den Berufen, die Mathematik- und Technikkenntnisse sowie einen hohen Spezialisierungsgrad erfordern.» Diese Anforderungen treffen beispielsweise auf Elektroniker, Polymechaniker oder Chemielaboranten zu. Vielfach wird moniert, dass das Fehlen von Lernenden auch darauf zurückzuführen sei, dass der gymnasiale Bildungsweg grösseren Zulauf geniesse. Urs Alder ist der Meinung, dass es Akademiker genauso wie gelernte Berufsleute brauche und sagt: «Es ist wichtig, dass wir hier wieder ein gesundes Gleichgewicht finden. In den letzten Jahren war eine Tertiärisierung spürbar.» Mehr Sorgen bereiten Alder Firmen, die zwar Fachkräfte einstellen, aber selbst keine ausbilden. «Wer keine Ausbildungsplätze anbietet, sollte keine Legitimation besitzen, Fachkräfte zu rekrutieren.»

Der Präsident des Appenzeller Baumeisterverbands Josef Zimmermann sagt ebenfalls: «Es ist schon so, dass es in den letzten Jahren einen Trend zum Gymnasium und zur Matura hin als zur Berufslehre gegeben hat.» Prüfungsexperte Andreas Manser ist der Meinung, dass man den praktischen Berufsweg stärken und keine bestimmten Maturaquote anstreben sollte. In Ausserhoden gehen dieses Jahr 18,3 Prozent der Jugendlichen im Anschluss an die Volksschule auf ein Gymnasium. Diese Zahl stellt im Vergleich zu den letzten fünf Jahren einen Ausreisser nach oben dar: Zuvor schwankte dieser Prozentsatz zwischen 14 und 16 Prozent. In Innerrhoden waren es in den letzten Jahren zwischen 17 und 22 Prozent. Der Kanton verweist darauf, dass bei den tiefen Schülerzahlen Schwankungen mehr ins Gewicht fallen.

Tiefe Geburtenzahlen verschärfen die Lage

Dass es aktuell an gutem Personal fehlt, hängt nicht zuletzt mit geburtenschwachen Jahrgängen zusammen, diesbezüglich sind sich die drei Experten einig. «Der Kampf um Nachwuchs zwischen Berufslehre und gymnasialer Matura intensiviert sich so nochmals», sagt Alder. Ob die Lage in den nächsten Jahren besser werde, sei schwierig vorherzusagen, sagt Zimmermann. Manser und Alder sind zuversichtlich, dass bald wieder geburtenstärkere Jahrgänge kommen. Der Präsident des Industrievereins ist allerdings nicht uneingeschränkt optimistisch:

«Der Fachkräftemangel wird uns noch länger beschäftigen. Ich kenne schon heute Firmen, die manche Stellen seit einem Jahr nicht besetzen können.»

Ob Baubranche oder Industrie: Die Verbände bemühen sich mit Programmen wie «tunOstschweiz» und diversen Schnupperangeboten um Nachwuchs. Doch es brauche Zeit, bis diese Massnahmen greifen. Müsste da nicht auch die Politik der Wirtschaft helfen? «Nein», ist der Tenor: «Dieses Problem müssen wir selbst in Angriff nehmen.»

Über 500 erfolgreiche Lehrabgänger

Für das diesjährige Qualifikationsverfahren wurden in Innerrhoden branchenübergreifend 152 und in Ausserrhoden 445 Lernende aufgeboten. In Innerrhoden erlangten 139 Lernende ihr eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) und 10 das eidgenössische Berufsattest (EBA), nur drei Lernende haben die Schlussprüfungen nicht bestanden. Zwei der drei höchsten EFZ-Noten in Innerrhoden erzielen mit jeweils einer 5,7 ein Strassenbauer und ein Maurer. Eine Restaurationsfachfrau hat dieselbe Note erreicht. Das Fähigkeitszeugnis erhielten in Ausserrhoden 380 der angetretenen Kandidaten. 47 Lehrabgängern wurde nach dem Qualifikationsverfahren das Berufsattest überreicht. 18 Ausserrhoder Lernende haben nicht bestanden. (yal/pd)

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