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Speicher plant ein Facelifting für die Volksversammlungen

Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an den Volksversammlungen ist gering. Nur wenige besuchen sie. Die Gemeinde Speicher will nun Gegensteuer geben und die Veranstaltung attraktiver machen.
Astrid Zysset
Nur wenige Besucherinnen und Besucher werden an den Volksversammlungen gezählt, wenn kein kontroverses Thema besprochen wird. Bild: APZ

Nur wenige Besucherinnen und Besucher werden an den Volksversammlungen gezählt, wenn kein kontroverses Thema besprochen wird. Bild: APZ

Die Volksversammlungen im Buchensaal seien eine «wunderbare Plattform, um politische Informationen auszutauschen», findet Gemeinderätin Nathalia Bezzola Rausch, Ressort Kultur. So zumindest sollte es sein. Die Realität sieht anders aus. Steht kein politisch brisantes Thema auf der Traktandenliste oder es gab keine Unstimmigkeiten im Vorfeld einer Abstimmung beziehungsweise eines gemeinderätlichen Entscheids, hält sich das Interesse an den Volksversammlungen in Grenzen. Höchstens zwei Tischreihen seien jeweils besetzt. Und: «Man sieht immer die gleichen Gesichter, die der Einladung folgen», so Bezzola Rausch.

Die Parteipräsidienkonferenz, welche die Volksversammlungen organisiert, will diese nun attraktiver machen. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern des Gewerbevereins, der SVP, des Einwohnervereins und der Kulturkommission der Gemeinde, versucht herauszufinden, warum die Versammlungen nur auf geringes Interesse stossen und welche Massnahmen getroffen werden müssten, um wieder mehr Bürgerinnen und Bürger in den Buchensaal zu locken. Erster Schritt: Eine Umfrage. Im vergangenen Gemeindeblatt lag sie bei. Und eine Rückmeldung sei schon eingetroffen, sagt Bezzola Rausch. «Jener Bürger schrieb jedoch, wir sollen alles so belassen wie es jetzt ist.» Eines stellt die Gemeinderätin klar: Ein Absetzen der Volksversammlung werde es nicht geben. Das steht ausser Frage. Die Veranstaltung soll nur attraktiver gemacht respektive auch für ein jüngeres Publikum ansprechend gestaltet werden, damit sich jene mehr einbezogen fühlen.

Wie genau das vonstatten gehen soll, ist allerdings noch ungewiss. Möglicherweise wird der Beginn von 20 Uhr vorverlegt. Zur Diskussion steht auch eine kulinarische Verpflegung, oder Referate. Oder auch schlicht eine Umbenennung der Veranstaltung. «Volksversammlung klingt schon sehr altbacken», findet Bezzola Rausch. Kurzum: Alles soll frischer und ansprechender werden. Ebenso die Gestaltung des Einladungsflyers. Grundsätzlich sei man für jeden Änderungsvorschlag offen, so die Gemeinderätin. Auch der Kostenrahmen ist nicht definiert. Gegebenenfalls werde ein entsprechender Betrag ins nächste Budget aufgenommen.

Erste Massnahmen bereits auf den Herbst umgesetzt

Die Debatte im Dorf ist angeregt. Auf der Strasse werden Passantinnen und Passanten angesprochen wie auch im Informationslokal «Buchen 5». An einer der kommenden Volksversammlungen soll vor Ort die Frage nach der Neugestaltung aufgeworfen werden. Auf wann diese umgesetzt würde, ist aber offen. Möglich wäre, dass eine Einzelmassnahme als Pilotversuch auf den kommenden Herbst eingeführt wird.

Die Besucherzahlen schwanken zwischen 5 und 100

Einen Besucheransturm erleben die übrigen Gemeinden an ihren öffentlichen Orientierungen auch nicht. Das zeigt eine Umfrage. Lina Graf, Gemeindeschreiberin von Wald, bringt es folgendermassen auf den Punkt: «Wenn kein kontroverses Thema zur Diskussion steht, dann bleiben die Bürgerinnen und Bürger lieber zu Hause.» Vor fünf, sechs Jahren sei dies augenscheinlich gewesen. Finanziell ging es Wald gut. An die Budgetversammlung kamen damals gerade einmal fünf (!) Besucherinnen und Besucher. Heute ist die Situation anders. In der Gemeinde steht die Dorfzentrumsgestaltung zur Diskussion. Und seit vergangenem Jahr sind neue Gemeinderatsmitglieder im Amt. Genug, um ausreichend Interesse zu wecken. Die Versammlungen sind aktuell gut besucht. Ähnlich klingt es in Wolfhalden: Der Zulauf bei den Budgetvorstellungen sei gering, so Gemeindeschreiber Marco Stübi. 20 bis 30 Personen werden jeweils gezählt. «Für viele sind Informationsveranstaltungen keine Pflichttermine mehr.» Ausser es geht um etwas, das die Bürgerinnen und Bürger direkt betreffe wie etwa die Ortsplanung. Dann sei das Interesse gross. In der Gemeinde Gais kennt man dieses Verhalten. In den letzten Jahren stand nichts Kontroverses zur Diskussion. Dementsprechend wenig Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladungen zu den öffentlichen Versammlungen. Vor drei Jahren wurde über eine neue Strassenführung debattiert. Ein «emotionales Thema», wie sich Walter Schiess, stellvertretender Gemeindeschreiber, erinnert. Damals kamen rund 60 Leute. Wird nur über das Budget gesprochen, kommen etwa 30. Ähnliches Szenario in Stein: Als es um die Altersheimplanung oder die Zukunft der Poststelle ging, besuchten die Versammlung bis zu 100 Personen. Ende 2016 wurde die Rechnung präsentiert. In den Rängen zählte Gemeindeschreiber Fabian Hüni lediglich zehn Besucherinnen und Besucher. Die Gemeinde hat reagiert: Sie fügt seitdem zusätzliche Themen in die Traktandenliste ein. Themen, die ausserhalb der unmittelbaren Politagenda anzusiedeln sind. So wurde in den vergangenen Monaten über eine anstehende Überbauung oder die Sanierung des Schulhauses informiert. Mit Erfolg. «Wir zählen mittlerweile wieder mehr Besucherinnen und Besucher», so Hüni. Einen anderen Ansatz wählte Waldstatt. Die Gemeinde lädt die Bevölkerung nur zu Informationen ein, wenn etwas Ausserordentliches ansteht. Für reguläre Budgetvorstellungen werden keine Versammlungen einberufen.

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