Extremverhältnisse im Moor

GAIS. Am dritten Biodiversitäts-Spaziergang in Ausserrhoden trotzten 38 Besucher dem nasskalten Wetter und entdeckten die natürliche Vielfalt im Flachmoor Kleckelmoos in Gais.

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Christian Eggenberger, Speicher, erläutert die speziellen Verhältnisse der Moorböden. (Bild: pd/Marc Scholl)

Christian Eggenberger, Speicher, erläutert die speziellen Verhältnisse der Moorböden. (Bild: pd/Marc Scholl)

Eigentlich passten Wind und Wetter am letzten Samstag gut zum Thema Moor; es war ausgesprochen nass und frisch. 38 Besucherinnen und Besucher des dritten Biodiversitäts-Spaziergangs liessen sich dadurch nicht abschrecken und tauchten ein in die ausserordentliche Welt der Torfböden, der fleischfressenden Pflanzen und der Schnecken- und Insektenvielfalt. Moore sind nass, nährstoffarm und sauer.

Extreme Verhältnisse also, die sowohl Vielfalt als auch Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt schufen. So können Torfmoose, die Erbauer der Hochmoore, das 30fache ihres eigenen Gewichtes an Wasser speichern oder der Sonnentau, als insektenfressende Pflanze, seine Nährstoffe nicht nur aus dem Boden, sondern auch aus tierischer Nahrung beziehen. In Streuewiesen sind auf einer Fläche von nur wenigen Quadratmetern über 40 verschiedene Pflanzenarten zu finden.

Seit Jahrhunderten genutzt

Bereits 1645 wurde das Kleckelmoos, eines der grössten und schönsten Moore in Ausserrhoden, auf die 39 Teilhaber der Korporation Rietli-Schachen aufgeteilt. Seit Jahrhunderten werden Moore in der Schweiz genutzt. Die Hochmoore mit ihren oft mehrere Meter dicken Torfschichten wurden vor allem in den Kriegs- und Krisenjahren intensiv genutzt.

Der Torf diente als Brennmaterial, und durch Entwässerung und Aufforstung wurde versucht, die Hochmoore waldbaulich besser zu nutzen. Dadurch wurden viele Hochmoorflächen zerstört.

Die Flachmoore sind geprägt durch die Streuenutzung. Die jährliche Mahd im Herbst verhindert eine Verbuschung dieser Flächen und führt zu einer ausserordentlichen Pflanzenvielfalt.

Moore sind jahrtausendealte Lebensräume. Entstanden in den wasserundurchlässigen Mulden und Becken nach dem Abschmelzen der letzten Eiszeit vor rund 12 000 Jahren und Millimeter für Millimeter aus abgestorbenem Pflanzenmaterial (Torf) gewachsen. Keine 2000 Moorflächen in der ganzen Schweiz und nur gerade 30 Moore von nationaler Bedeutung existieren heute noch im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Kein Wunder also gehören Moore zu den wertvollsten und seltensten Lebensräumen der Schweiz und des Appenzellerlandes.

Moorflächen prägen die Landschaft vor allem in den Gemeinden Urnäsch, Hundwil und Gais. Die Hochmoore, wie die Flächen im Bruggerenwald in Urnäsch, auf der Passhöhe der Schwägalp oder dem Gebiet Suruggen von Trogen und Gais machen rund 20 ha aus.

Die als Streuewiesen genutzten Flachmoore wie das Breitmoos und Burketmoos in Urnäsch oder eben das Kleckelmoos in Gais umfassen rund 200 ha.

Moore schützen und aufwerten

In Ausserrhoden sind alle Hoch- und Flachmoore seit 1991 geschützt, wie die Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz in ihrer Mitteilung schreibt. Mit den Bewirtschaftern bestehen Verträge zur Nutzung der Streuewiesen. In den Hochmooren führt der Kanton Regenerationsprojekte durch.

Die Hochmoore Schollenmoos, Trogen und Bruggerenwald, Alp Stöck und Chli Langboden in Urnäsch wurden bereits sorgfältig ausgeholzt und die alten Entwässerungsgräben zur Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes eingestaut.

Moore sind aber weit mehr als nur ein Lebensraum seltener Arten. Als gigantische Wasserspeicher leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Wasserrückhaltung, und als CO2-Speicher sind sie wohl unübertroffen; Nur gerade drei Prozent der Erdoberfläche

sind Moore, sie speichern aber 30 Prozent des gesamten CO2 und leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Klimastabilisierung der Erde. (kk)

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