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«Extrem sichere» Übergänge

Als Leiter des Elektrodienstes bei den Appenzeller Bahnen hat Thomas Graf mit seinem Team überall dort zu tun, wo Strom fliesst. Der Arbeitsbereich ist entsprechend umfangreich. Wichtiger, weil der Sicherheit dienender Teil davon sind die Barrieren- und Blinklichtanlagen.
Monika Egli

Der Albtraum des Autofahrers: Man quert mit seinem Wagen einen Bahnübergang, bleibt mit abgestorbenem Motor mitten auf den Schienen stehen – und schon hört man den Zug kommen. Der Albtraum des Lokomotivführers: Mitten auf den Schienen steht ein Mensch, dessen Haltung klar ausdrückt, dass er hier und jetzt sterben will – überfahren vom Zug.

Nur Alpträume! Noch nie hatten die Appenzeller Bahnen mit jemandem zu tun, der sich vor den Zug werfen und auf diese Art aus dem Leben scheiden wollte. «Zum Glück sind wir zu langsam», sagt Alexander Liniger, Medienverantwortlicher, am Telefon zu diesem Thema. Auch Thomas Graf, Teamleiter des Elektrodienstes, sagt spontan: «Beim Gedanken daran stehen mir die Haare zu Berge, unvorstellbar. Ich bin froh, dass dies noch nie passiert ist.»

Und dass der Albtraum des auf den Schienen stehengebliebenen Autofahrers nicht Wirklichkeit wird, exakt dafür sorgt Thomas Graf mit seinem Team vom Elektrodienst, der im Bahnhof Appenzell stationiert ist.

Wo Strom, da Elektrodienst

Zur Abteilung Elektrodienst der Appenzeller Bahnen gehören fünf Personen. Ihr Aufgabengebiet ist umfangreich, denn sie sind – unter anderem – zuständig für das Funktionieren der Stellwerke, der Bahnübergänge, des Funks, der Telefonie, also des gesamten Kommunikationsnetzes, für das Funktionieren der Billett-Automaten und jeder einzelnen Lampe, kurz «einfach überall dort, wo Strom im Spiel ist», wie es Thomas Graf ausdrückt. Und das nicht nur bei den Appenzeller Bahnen, sondern auch bei der Frauenfeld-Wil-Bahn, deren Geschäfte die Appenzeller Bahnen im Rahmen eines Managementauftrags führen.

Blinkt es? Blinkt es nicht?

Thomas Graf erklärt und demonstriert vor Ort, dass mit Barrieren gesicherte Bahnübergänge «extrem sicher» sind. Wenn sich der Zug nähert, löst er in einer genau bemessenen Entfernung zum Übergang einen Schienenkontakt aus, welcher der Schaltanlage quasi übermittelt: «Ich komme jetzt.» Gleichzeitig beginnt beim Übergang während zehn Sekunden ein Licht zu blinken und signalisiert allen, welche den Übergang passieren wollen, dass dieser nun zu räumen sei. Die Barrieren beginnen sich zu senken. Jede Lampe, sagt Thomas Graf, sei überwacht, die Barrieren natürlich sowieso. Die geringste Unstimmigkeit (zum Beispiel eine defekte Birne) hiesse für die Überwachungsanlage, dass die Anlage nicht in Ordnung ist. Kurz nach dem Schienenkontakt und dem «Anfunken» der Schaltanlage erhält der Lokführer – wieder in genau bemessenem Abstand – ein Kontrollsignal; er hat jetzt sechs Sekunden Zeit, dieses zu beobachten: Blinkt es? Dann ist alles in Ordnung. Blinkt es nicht? In diesem Fall muss er sofort eine Bremsung bis zu Schrittgeschwindigkeit einleiten und ein Pfeifsignal geben. Er muss sich vergewissern, dass beim Übergang keine Gefahr droht; erst nach dem Übergang kann er wieder Gas geben. In neuen Anlagen ist eine Zugsicherung eingebaut. Würde der Lokführer nicht bremsen, obwohl er gemäss Signallampe müsste, bremst der Zug automatisch – er wird just vor dem Übergang zum Stillstand kommen. Und selbstverständlich muss der Lokführer jede Störung sofort dem Elektrodienst melden. Immerhin, sagt Thomas Graf, seien es pro Tag bis zu zwei Störmeldungen, die eingehen und denen sein Team sofort nachgehen muss.

Fahrzeuge erkennen

Ebenfalls der Sicherheit dienen die im Boden eingebauten Induktionsschleifen bei Übergängen ohne Barrieren. Sie können Fahrzeuge auf dem Fahrweg erkennen. Als Autofahrer kennt man diese Induktionsschleifen vor Ampeln, die bei wenig Verkehr auf Grün schalten, sobald sich ein Auto nähert. Bleibt also ein Auto zum Beispiel mit einem Motorschaden mitten auf den Schienen stehen, und ist dieser Übergang mit einer Induktionsschleife gesichert, erfährt das der sich nähernde Lokführer. Wie Thomas Graf zu Beginn sagte: «Extrem sicher.» Allerdings, fügt er an, entfalle die Sicherheit, wenn – wie er schon selber mehr als einmal gesehen habe – Autofahrer bei sich schliessenden Barrieren die Gleise noch schnell überqueren oder – man sieht, dass es Thomas Graf förmlich graust – Velofahrer bei geschlossenen Schranken noch durchfahren!

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