Extra-Training für die Oberarme

Brosmete

Christine König
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Ich brauchte neulich dringend ein Auto und konnte glücklicherweise eines auslehnen. Ein kleines herziges «Chischtli». Ich stieg ein, startete und legte den Rückwärtsgang ein, um aus dem Parkplatz zu fahren. Hui, war das streng. Ich musste ganz schön kurbeln, um scharf rechts einzulenken. Es schien so, als hätte das Auto keine Servolenkung. Das kann ja heiter werden, dachte ich mir. Bis zu meinem Ziel war es zwar nicht weit, aber ein paar Kurven lagen doch dazwischen. Ich musste unterwegs einige Male dem Reflex widerstehen, vor der Kurve abzubremsen, weil ich befürchtete, mit Tempo nicht schnell genug «ränkle» zu können – aber ein Auto ohne Servolenkung bewegt man bekanntlich leichter in Fahrt.

Mein erstes eigenes Auto war auch ein älteres Modell, wie das das ich jetzt unter dem Füdli hatte. Viereckig, nicht besonders hübsch anzusehen, aber zuverlässig und dank Sportausführung sogar ordentlich schnittig. Es hatte weder Servolenkung noch elektrische Fensterheber, und bis die Heizung den Innenraum wärmte, war ich meistens schon angekommen. Es war nicht das komfortabelste Auto auf der Welt, aber weil es mein erstes war, pflegte ich eine besondere Beziehung dazu. Das ist wie mit dem ersten Freund: Den vergisst man auch nicht mehr. Einmal fuhr sogar eine Regierungsrätin mit – das war mir aber etwas unangenehm, denn besonders sauber war mein Auto leider nie.

Aber zurück zum ausgeliehenen «Chischtli»: Am Ziel wählte ich extra einen Parkplatz, aus dem ich vorwärts geradeaus wieder herausfahren konnte. Denn meine Oberarme waren schon ein wenig müde geworden, man ist sich ja heutzutage so viel sportliche Betätigung beim Autofahren nicht mehr gewohnt. Aber als die erste Kurve kam, stellte ich überrascht fest, dass es gar nicht mehr so streng ging. Das Auto hatte also doch eine Servolenkung und – oh Wunder – sie funktionierte wieder. Und jetzt dürfen Sie dreimal raten, was für eine Marke das «Chischtli» hatte (es sei bei diesem Hersteller schinds gar nicht mal untypisch, das ab und an etwas nicht so läuft wie es soll).

Christine König