«Expo zu organisieren lohnt sich»

Ständeratspräsident Raphaël Comte besuchte zusammen mit Ständerat Andrea Caroni den Alten Silvester. Wir haben den Neuenburger und den Ausserrhoder über das Verhältnis zwischen Ost- und Westschweiz sowie die Expo befragt.

Patrik Kobler
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Dem Schnee getrotzt: Ständeratspräsident Raphaël Comte (rechts) mit Ständerat Andrea Caroni am Alten Silvester in Urnäsch. (Bild: pk)

Dem Schnee getrotzt: Ständeratspräsident Raphaël Comte (rechts) mit Ständerat Andrea Caroni am Alten Silvester in Urnäsch. (Bild: pk)

Herr Comte, Sie planen auf Ihrer «Tour de Suisse», alle Kantone zu besuchen. Ist Ausserrhoden Ihre erste Station?

Raphaël Comte: Nein, es ist meine dritte. Ich war bereits in Genf und in Obwalden.

Wie kam Ihr Besuch am Alten Silvester in Urnäsch zustande?

Comte: Andrea Caroni hat mich eingeladen und alles organisiert. Wir dürfen bei Familie Nef zu Gast sein und diese Tradition miterleben und Leute aus der Gegend kennenlernen. Das ist sehr schön.

Herr Caroni, für Sie gehört der Besuch des Alten Silvesters wohl zum Pflichtprogramm.

Andrea Caroni: Wenn schon zum Lustprogramm. Ich komme gerne, kann aber leider nicht jedes Jahr dabei sein.

Herr Comte, wie nah oder fern ist ist Ihnen als Westschweizer die Ostschweiz?

Comte: Natürlich ist die Ostschweiz weit weg von meinem Heimatkanton Neuenburg. Aber es ist immer noch dasselbe Land, ich fühle mich hier immer noch zu Hause. Ich komme gerne in die Ostschweiz und werde in diesem Jahr auch nochmals nach Appenzell Ausserrhoden kommen, um die Kulturlandsgemeinde zu besuchen.

Wie ist Ihr Bezug zur Westschweiz, Herr Caroni?

Caroni: Ich war schon oft in der Westschweiz und habe ein Semester in Genf studiert. Ausserdem habe ich ganz bewusst den grössten Teil meines Militärdienstes in der Westschweiz absolviert.

Wie sehr nehmen sich Westschweizer und Ostschweizer in Bern wahr? Gibt es einen Röstigraben?

Caroni: Gewisse Gruppierungen stellt man schon fest; in der FDP-Fraktion gibt es beispielsweise die «Groupe Latin.» Und gemeinsam zum Bier nach den Sitzungen gehen auch häufiger Politiker derselben Sprachgruppe.

Comte: Wir Westschweizer hören fast den ganzen Tag lang nur Deutsch. Das ist anstrengend, deshalb tut es gut, am Abend mit gleichsprachigen Leuten unterwegs zu sein. Einen grossen Unterschied gibt es bei den Medien. Westschweizer lesen kaum Deutschschweizer Zeitungen – und umgekehrt. Manchmal werde ich kritisch auf Artikel in Deutschschweizer Zeitungen angesprochen, in denen ich zitiert werde. Dann muss ich jeweils nachfragen, von was sie sprechen. Von Sachen, die in der Deutschschweiz gross zu reden geben, bekommt man in der Westschweiz oft gar nichts mit.

Ein verbindendes Element kann die Landesausstellung sein. Die Ostschweiz möchte die Expo 2027 durchführen. Wie stehen Sie zu diesem Vorhaben?

Caroni: Ich unterstütze die Expo 2027 sehr aktiv. Wir müssen diese Chance nutzen und das Projekt aufarbeiten. Schlimmstenfalls können wir jederzeit aussteigen. Im Idealfall haben wir die Expo 2027. Die Signale beim Bund sind positiv und in den Kantonen bislang auch. Der Ausserrhoder Kantonsrat hat grandios Ja gesagt. Jetzt warten wir auf die Zustimmung in St. Gallen und im Thurgau.

Ist die Expo in Bern schon ein Thema?

Caroni: Bei den Ostschweizern sicher; für die anderen ist sie noch weit weg. Die Expo2027 ist aber das Hauptprojekt der parlamentarischen Gruppe Ostschweiz. Wir wollen das Thema sobald als möglich ins Parlament tragen.

Was halten Sie von einer Expo in der Ostschweiz, Herr Comte?

Comte: Ich habe die letzte Expo in Neuenburg miterlebt und wäre froh, wenn die Ostschweizer die nächste Landesausstellung organisieren könnten. Ich habe gute Erinnerungen an die Expo im Dreiseenland. Es war eine schöne Gelegenheit, Leute aus allen Landesteilen zu treffen. Es wird sicher Kritik geben, aber die gab es bei uns auch. Heute ist diese Kritik längstens vergessen. In Erinnerung bleiben die schönen Momente. Es lohnt sich, die Expo zu organisieren.

Ein grosses Thema ist in der Ostschweiz die Nachhaltigkeit der Expo. Diese hat beim letzten Mal gefehlt.

Comte: Eine nachhaltige Expo war auch nicht das Ziel. Aus Respekt vor der schönen Landschaft im Dreiseenland wurden bloss provisorische Bauten erstellt und später der Ursprungszustand wiederhergestellt. Geblieben sind die schönen Erinnerungen.

Caroni: Diesmal will man etwas Nachhaltiges schaffen. Die Bauten müssen sich in die Landschaft eingliedern.

Sie sind beide jung, haben Sie nichts Besseres zu tun, als im Ständerat mit reiferen Herren Gesetze zu machen?

Caroni: Für einen politisch Interessierten gibt es fast nichts Schöneres, als dabei zu sein, wenn die Gesetze entstehen. Ausserdem: Ohne uns wäre der Altersdurchschnitt noch höher.

Comte: Es ist ein sehr schönes Mandat. Wir haben viele interessante Geschäfte, und die Stimmung im Ständerat ist sehr gut. Aber ich finde es schön, dass mit Andrea Caroni oder dem Luzerner Damian Müller junge Politiker hinzugekommen sind. Für mich persönlich war das Alter nie ein Thema. Mir bereitet es viel Vergnügen, im Ständerat zu politisieren.

Wird man als Junger in Bern gleich respektiert wie ein älterer Politiker?

Comte: Unabhängig vom Alter wird man von den Kollegen in den ersten sechs Monaten beobachtet, wie man seine Arbeit macht. Aber wir alle sind vom Volk gewählt. Alle respektieren die Kollegen so, wie sie sind.

Caroni: Im Nationalrat habe ich gestaunt, wie Amts- und Lebensalter eigentlich keine Rolle spielen. Die grösste Bedeutung hat das, was man sagt. Ich denke, dass das im Ständerat noch ausgeprägter ist. Ganz grundsätzlich wäre es schön, wenn ein Gremium verschiedene Arten von Leuten vereinigt. Von daher würde der Ständerat die eine oder andere Frau und den einen oder anderen U55 schon noch vertragen. Der Nationalrat ist bunter gemischt.

Herr Caroni, Sie gelten als ehrgeizig. Sind Sie neidisch, dass Herr Comte mit 36 Jahren bereits Ständeratspräsident ist?

Caroni: Nein, nein... ich freue mich enorm, dass er Ständeratspräsident ist. Ich habe ihn nun eine Session lang miterlebt und bin begeistert, wie er das macht. Er hat eine feine, humorvolle und effiziente Art.

Und wie erleben Sie Herrn Caroni?

Comte: Bis jetzt sehr gut – denn die neuen Kollegen sprechen an der ersten Session nicht (lacht)! Er ist ruhig geblieben und hat diese Tradition respektiert. Wir werden jetzt schon bald zusammen Kommissionssitzungen haben, darauf freue ich mich.

Walter und Barbara Nef hatten Raphaël Comte, Andrea Caroni und Kantonsratspräsidentin Ursula Rütsche (Mitte) zu Besuch. (Bild: pk)

Walter und Barbara Nef hatten Raphaël Comte, Andrea Caroni und Kantonsratspräsidentin Ursula Rütsche (Mitte) zu Besuch. (Bild: pk)

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