Expo-Architekten beraten Herisau

Das Büro Hosoya Schaefer Architects ist nicht nur verantwortlich für das Expo-Siegerprojekt «Expedition 27». Die Architekten aus Zürich haben auch das Vorprojekt für das neue Bahnhofareal in Herisau entwickelt.

Michael Genova
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Ein neues Zentrum in St. Gallen Winkeln und Tanzböden im Appenzellerland: Das sind erste konzeptionelle Ansätze des Expo-Siegerprojekts «Expedition 27». (Bild: Visualisierung: Hosoya Schaefer Architects)

Ein neues Zentrum in St. Gallen Winkeln und Tanzböden im Appenzellerland: Das sind erste konzeptionelle Ansätze des Expo-Siegerprojekts «Expedition 27». (Bild: Visualisierung: Hosoya Schaefer Architects)

HERISAU/ZÜRICH. Das Architekturbüro hinter dem kürzlich vorgestellten Expo-Siegerprojekt ist mit dem Appenzellerland bereits bestens vertraut. Hosoya Schaefer Architects hat das Vorprojekt für den Bahnhof Herisau entworfen. Unter dem Schlagwort «ein Bahnhofsdach für Herisau» stellte das Büro in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern Ideen vor, wie die Gemeinde das Bahnhofareal umgestalten könnte. Im März bewilligte der Einwohnerrat Herisau einen ersten Projektierungskredit über 420 000 Franken.

Erinnerungen an Urnäsch

Geführt wird das Architekturbüro von Hiromi Hosoya und Markus Schaefer. Letzterer verbindet viele persönliche Erinnerungen mit dem Appenzellerland. «Ich habe einen grossen Teil meiner Kindheit in Urnäsch verbracht, wo meine Grosseltern eine Ferienhaus hatten.» Sein Grossvater, Walter Schaefer, engagierte sich in der Gemeinde im Brauchtumsmuseum und als Friedensrichter.

Markus Schaefers Ferienerlebnisse aus seiner Kindheit sind auch ins Expo-Projekt geflossen. «Das Appenzellerland ist ein Kraftort mit einer Landschaft, die einen packt.» Schaefer spricht von der Anmut der Streusiedlungen mit ihren verteilten Bauernhöfen. In gewisser Weise lebe das Appenzellerland von seiner Zersiedelung, so Schaefer. Gleichzeitig wirken Rituale und Bräuche der Vereinzelung entgegen. «Als Silvesterklaus gehe ich von Haus zu Haus – so bilden sich Gemeinschaften», sagt Schaefer. Er spricht von Ritualen, welche die Landschaft zeitlich verdichten und so Gemeinschaft und kollektive Erlebnisse schaffen. Dieses Thema wollen die Expo-Macher als Formate aufnehmen.

Appenzeller Tanzböden

Im Expo-Konzept ist das Appenzellerland Teil der Berglandschaft. Für dieses Gebiet hat das Projektteam das Konzept sogenannter Tanzböden entwickelt. Es sind dezentrale Bühnen, die zum Beispiel in Heiden, Teufen oder Urnäsch stehen könnten. Lokale Vereine, Museen oder das Gewerbe könnten sie als Plattformen nutzen. Auch die Wege zwischen den verschiedenen Tanzböden wollen die Planer für Erlebnisse nutzen. Zum Beispiel für Höhenfeuer, Schwingete, Gratwanderungen, Stosswallfahrten oder Flashmobs. Und hier kommt das Brauchtum wieder ins Spiel: Die Expo-Macher vergleichen die Wege mit dem «Strech» der Silvesterkläuse.

Projekte in der Ostschweiz

Neben dem Expo-Projekt und der Arealentwicklung in Herisau arbeitet Hosoya Schaefer Architects an weiteren Projekten in der Ostschweiz. Im Rahmen des Entwicklungsschwerpunkts Wil West hat das Büro 2011 einen Studienauftrag gewonnen, der nun in einem Masterplan umgesetzt wird. Für Frauenfeld entwickelten die Zürcher erste Skizzen für den «Agro Food Innovation Park». Zusammen mit dem Kanton will sich die Stadt als Innovationszentrum in der Agrar- und Ernährungswirtschaft etablieren. Und in Heerbrugg arbeitet das Büro an Ideen für die Nutzung des Leica-Areals.

Markus Schaefer Architekt Hosoya Schaefer Architects (Bild: Michel Canonica)

Markus Schaefer Architekt Hosoya Schaefer Architects (Bild: Michel Canonica)