Experiment: Höchste Spielklasse

Wenn diesen Freitag der UHC Nesslau Sharks auf den Swiss Mobiliar League (SML)-Verein Chur Unihockey trifft, begegnet auch ein Spieler der Bündner seinen ehemaligen Toggenburger Vereinskollegen. Um sein Hobby zu intensivieren, ist Florian Fauser nämlich eigens nach Chur umgezogen.

Olivia Hug
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Ebnat-Kappel. Für seine Vereinskollegen wird es ein gewöhnlicher Match – den sie voraussichtlich gewinnen werden –, für Florian Fauser ist es eine spezielle Begegnung. Zum erstenmal trifft der Ebnat-Kappler auf seine ehemaligen Kollegen des UHC Nesslau Sharks, seit er vor zwei Jahren zum Swiss Mobiliar League-Club Chur Unihockey gewechselt hat. «Ich habe schon nach der Auslosung gehofft, dass Nesslau weiterkommt, um dann gegen uns zu spielen», erzählt Florian Fauser, dem noch immer viel am Toggenburger Club liegt. Hier hat er vor 13 Jahren mit Unihockey begonnen, Junioren trainiert, Auf- und Abstieg erlebt. Schon lange haben ihm seine Teamkollegen gesagt, er habe Talent, er müsse etwas daraus machen. Und letztlich hat ihn der Ehrgeiz dann doch gepackt: «Für mich ist's ein Experiment. Ich wollte wissen, kann ich's? Bin ich gut genug für die Besten?», schildert Florian Fauser.

Bescheidener Toggenburger

Und so wechselte der 22-Jährige zu den U21-Junioren von Chur Unihockey. Ein Jahr lang hat er für die Trainings zwischen Ebnat-Kappel und Chur gependelt. «Bevor ich umziehe, wollte ich wissen, ob es wirklich das Richtige ist», sagt Florian Fauser. Das war es denn auch und so wohnt der Stürmer seit einem Jahr in einer WG im Bündnerland. Er habe zwar noch Verbesserungspotenzial, findet der Toggenburger. «Natürlich ist der Verein, in dem ich spiele, gut. Selbst gehöre ich aber nicht zu den besten Spielern», meint Florian Fauser bescheiden. Was er in der Zwischenzeit im Höchstklasseverein gelernt hat, will er diesen Freitag zeigen, wenn Chur Unihockey im Sechzehntelfinal des Swiss Mobiliar Cup auf den UHC Nesslau Sharks trifft. «Ich bin deswegen schon recht nervös. Und noch dazu kenne ich alle: Die Spieler, die Zuschauer, und so weiter», so der 22-Jährige. Trotz aller hohen Erwartungen an sich selbst, freut sich der Toggenburger auch auf die Begegnung. Er weiss, dass das Spiel für seine ehemaligen Kollegen ebenfalls speziell sein wird: «Als Zweitligist ist es etwas Besonderes, gegen einen Club der höchsten Spielklasse zu spielen, ganz egal, ob man gewinnt oder verliert.»

Wohlüberlegt in nächste Saison

Irgendwann möchte Florian Fauser wieder zu den «Sharks» heimkehren und den Toggenburgern das zurückgeben können, was er in der SML gelernt hat. «Vorher aber muss mein Experiment fertig sein», betont der Sportler. «Ich überlege von Saison zu Saison, ob ich noch mag oder ob ich glaube, noch mehr erreichen zu können.» Er habe sich auch schon Gedanken darüber gemacht, beispielsweise nach Schweden zu gehen, wo der Sport auf professioneller Basis gespielt wird. «Aber ich denke, dieser Aufwand wäre dann doch zu gross dafür, was Unihockey einem gibt», schliesst Florian Fauser. Und nicht zuletzt liege ihm viel am Toggenburg. «Wann immer möglich, komme ich hierher. Die Familie ist mir schon sehr wichtig.» Dies sei schon jetzt, mit täglichem Training oder jeden zweiten Tag, ziemlich schwierig. Der Ebnat-Kappler hat sein Arbeitspensum in einem Treuhandbüro deswegen auch auf 80 Prozent an fünf Tagen angesetzt: «So habe ich früher Feierabend, damit mir vor dem Training auch etwas Zeit für mich oder zum Erholen bleibt.»

Das Tempo begeistert

Gerade die letzten Wochen waren anstrengend, da man sich auf den Saisonbeginn Mitte September vorbereitet. Für Chur Unihockey ist das Spiel gegen den UHC Nesslau Sharks das erste im Cup. Die Sportart geniesse im Bündnerland einen recht grossen Stellenwert, sei aber zu Zeiten vom mehrfachen Schweizer Meister Rot-Weiss Chur grösser gewesen, meint Florian Fauser. «Wir sind drum auch bestrebt, wieder dorthin zu kommen», erzählt der Toggenburger. Die Zuversicht sei gerade jetzt, mit dem neuen Trainer, gross.

Doch was ist es, was Florian Fauser so am Sport begeistert und weshalb er sich ganz klar nie für eine Alternative, etwa Fussball, interessiert hat? «Es ist die Geschwindigkeit, die Dynamik beim Unihockey», schwärmt der Stürmer, «ständig passiert was, selten ist das Spiel aufs Mittelfeld konzentriert.» Entsprechend sei man nach einer, zwei Minuten Spielzeit auch schnell erschöpft und wechsle, wie im Eishockey, häufig aus. In einem Punkt unterscheide sich das Spiel auf trockenem Boden aber von jenem auf Eis: «Unihockey ist niemals so rauh wie Eishockey. Bei uns haben alle ihre Zähne noch», erzählt Florian Fauser schmunzelnd.

Der Sechzehntelfinal im Swiss Mobiliar Cup zwischen dem UHC Nesslau Sharks und Chur Unihockey findet statt am Freitag, 2. September, um 20 Uhr in der Sporthalle Büelen, Nesslau.