EXPANSION: Anschlusswünsche aus dem Hinterland

An der Hauptversammlung des Entlastungs- und Hospizdienstes Speicher-Trogen-Wald ist die Frage einer Ausweitung ins Hinterland intensiv diskutiert worden.

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«Es gibt Anfragen aus dem Hinterland, ob man sich in unserem Verein eine Erweiterung unseres Einzugsgebietes dorthin vorstellen könnte», eröffnete Präsidentin Sigrun Holz den Anwesenden an der im evangelischen Kirchgemeindehaus Speicher durchgeführten Hauptversammlung. Der Vorstand habe die Anfrage einstweilen positiv aufgenommen und die Gespräche mit den Anfragenden vertieft.

Die überraschende Ankündigung der Präsidentin setzte eine lebhafte Diskussion in Gang. So gab man etwa zu bedenken, die Nähe zu den schwerkranken und sterbenden Menschen, an denen die Freiwilligen ihren Dienst ­erbringen, könnte geschmälert werden, weil der als wichtig erachtete lokale Bezug nicht mehr in gleicher Weise unter den jetzt gegebenen Voraussetzungen gewährleistet wäre. Auch sei eine grössere Organisation per se schwerfälliger. Sollte es zur Erweiterung kommen, müsste auch die Zahl der Freiwilligen erhöht werden. Andererseits habe der Entlastungs- und Hospizdienst Speicher-Drogen-Wald eine Infrastruktur aufgebaut, die durchaus auch in einem grösseren Rahmen funktionstüchtig sei.

Auch Spital Herisau zeigt Interesse

Interesse an einer Ausweitung hat auch das Spital Herisau, das in den Dienst eingebunden würde, signalisiert. Eine Konsultativabstimmung erbrachte bei zwei Enthaltungen und einem Nein eine klare Mehrheit für eine Erweiterung in Richtung Hinterland. Eine ausserordentliche Hauptversammlung im Herbst soll, nach weiteren Abklärungen mit Hinterländer Kirchgemeinden und Politischen Gemeinden, den definitiven Entscheid fällen.

Sigrun Holz erwähnte in ihrem Jahresbericht die markant gestiegene Inanspruchnahme des Dienstes, namentlich auch für die Begleitung von Demenzkranken. Registrierte man im Vorjahr noch 188 Einsatzstunden, so waren es 2016 deren 318. Es konnten neue Freiwillige gefunden werden.

Die von Peter Baer präsentierte Jahresrechnung fiel dank einer namhaften Spende von Privaten um einiges günstiger aus als budgetiert. Der ausschliesslich aus Spenden alimentierte Ertrag belief sich auf rund 17760 Franken, der Aufwand auf 8590 Franken, was einen Gewinn von 9170 Franken ergab. Aus dem Vorstand wurde die zurücktretende Rosmarie Wiesli mit herzlichem Dank verabschiedet. Ihr Sitz bleibt vorderhand unbesetzt.

Aus der Tätigkeit eines Bestatters

Im Anschluss an den statutarischen Teil der Hauptversammlung gab Marcel Reimann vom gleichnamigen, seit mehr als ­ 100 Jahren bestehenden St. Galler Bestattungsinstitut Einblick in seine Tätigkeit. Der aus dem Bankfach ins Familienunternehmen Eingestiegene vermittelte nebst vielen sachlichen Informationen rund um die jährlich 1800 Bestattungen auch nachdenklich Stimmendes. Etwa wenn er von der Erfahrung berichtete, dass für viele Menschen der Umgang mit dem Tod immer fremder und das Sterben nicht mehr als Teil des Lebens empfunden werde. Ein Indiz dafür sei unter anderem die kaum noch gewünschte Aufbahrung eines Toten zu Hause. Er und seine Mitarbeiter würden auch immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass Hinterbliebene keinerlei Vorstellungen hätten, wie eine Bestattung zu gestalten wäre – gerade auch, wenn keine religiöse Bindung mehr vorhanden sei. «Rechtzeitig darüber reden», riet Marcel Reimann. Am meisten schockiere ihn die zunehmende Vereinsamung der Menschen, ein Faktum, mit dem er als Bestatter stets wieder in Berührung komme. Trotz aller mitunter schwierigen Situationen, denen er sich gegenübersehe, überwiege in seinen Beruf aber das Positive – im Wissen darum, dass er den Menschen zu einem würdigen Aus-dieser-Welt-Gehen verhelfen könne.

Martin Hüsler

redaktion@appenzellerzeitung.ch

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