Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Video

Ex-Astronaut Nicollier erwartet noch in diesem Jahrhundert den ersten bemannten Flug zum Mars

Für seinen Astronauten-Job lebte Claude Nicollier 25 Jahre lang in Amerika. Heute ist er ein gefragter Experte weltweit. Dieser Tage war er im Appenzellerland unterwegs. Die Leidenschaft für die Raumfahrt ist in seinen Ausführungen spürbar.
Roger Fuchs

«Grüess Gott, Freude herrscht, Monsieur Nicollier.» Dies die Worte von alt Bundesrat Adolf Ogi, als er am 7. August 1992 in einer Liveschaltung mit dem Astronauten Claude Nicollier telefonieren kann. Es ist Nicolliers erste von insgesamt vier Missionen ins All. Bis heute blieb er der einzige Schweizer Astronaut der Raumfahrtgeschichte.

Diese Woche weilte der inzwischen 74-Jährige anlässlich der Neujahrskonzerte der Appenzeller Kantonalbank im Appenzellerland. Im Rahmen eines multimedialen Konzerterlebnisses nahm er das Publikum mit auf eine virtuelle Weltraumreise. Dass er bei solch einem Projekt mitmacht, war für ihn von Beginn weg klar. «Ich liebe die Landschaft, die Leute und vor allem die Musik des Appenzellerlandes. Die Streichmusik aus Appenzell ist die beste Volksmusik der ganzen Schweiz», so Claude Nicollier. Dies erklärt denn auch, weshalb er auf seinen vier Weltraummissionen eine CD der Alderbuebe aus Urnäsch dabei hatte. Insgesamt sechs CD’s durfte jeder Astronaut mitnehmen.

Der zerbrechliche Planet Erde

Auch wenn Nicolliers Missionen zwischen 1992 und 1999 stattfanden und er bald zwanzig Jahre nicht mehr im Weltraum war – die Erinnerungen daran sind noch sehr wach. Claude Nicollier:

«Man sieht vom All wie klein, schön, zerbrechlich und auch einsam der Planet Erde ist. Dieser hat immer einen ganz schwarzen Hintergrund»

16 Mal pro irdischen Tag kreiste die Crew um die Erde. Auch wenn sie nie einem Ufo begegnet seien, Claude Nicollier schliesst nicht aus, dass es im Weltraum anderweitig ebenfalls Lebewesen gibt. «Das Universum ist reich an Galaxien und Sternen. Und viele Sterne sind begleitet durch Planetensysteme – so wie die Sonne.» Er habe zwar keine Beweise, doch es gebe sehr viele Orte, wo sich Leben hätte entwickeln können.

Nicolliers Leidenschaft für die Raumfahrt ist bis heute in seinen Ausführungen spürbar. In den 70er-Jahren wurden zum ersten Mal europäische Astronauten für bemannte Raumflüge ausgewählt. «Ich war dabei», erinnert er sich mit strahlendem Gesicht. 1977 schaffte er den Schritt in die erste Astronautengruppe der europäischen Weltraumorganisation (ESA). Dass die Schweiz bis heute erst einen Astronauten ins Weltall entsandte, könnte darauf hindeuten, dass dieses Land eher eine kleine Rolle spielt in der Weltraumfahrt. Claude Nicollier präzisiert: «Wir sind eine Weltraumnation, aber eine kleine. Dennoch wird unser Land als Mitglied der ESA sehr respektiert.» Die Schweiz habe einige Technologien, welche von Nutzen seien. Konkret nennt er die Mikrotechnologie und die Mikromechanik. Die Uhrenindustrie habe diese Technologien gefördert und diese seien sehr gewünscht von der ESA.

Kampf um die technologische Vormacht

Das technologische Wettrüsten zwischen den Nationen beurteilt Claude Nicollier als gesund. Wer diesen Wettkampf dereinst gewinnen wird, könne er nicht sagen. «Die Chinesen arbeiten viel, um nach oben zu gehen. Es gibt aber auch viel Erfahrung im Westen», so Claude Nicollier, der des Weiteren darauf hinweist, dass die Russen, Japaner, Amerikaner, Kanadier und Europäer gemeinsam die internationale Raumstation ISS betreiben würden. Noch in diesem Jahrhundert erwartet Nicollier den ersten bemannten Flug zum Mars. Er schätze, dass es in den 30er-, 40er-Jahren soweit sein dürfte.

Die Missionen von Claude Nicollier waren allesamt sehr kurz und dauerten jeweils zwischen zehn und zwölf Tagen. Klar vermisse man im Raumschiff die Familie, doch viel schwieriger sei für diese jeweils die Zeit seiner Vorbereitungen gewesen. Bei der Rückkehr auf die Erde war der Astronaut stets beeindruckt von der hier herrschenden Schwerkraft.

«Ich dachte jeweils, ich komme auf einen anderen Planeten als jenen, den ich vor wenigen Tagen verlassen hatte.»

Selbst ein Glas Champagner sei auf einmal sehr schwer gewesen, wenn man sich an die Schwerelosigkeit gewohnt habe.

Für seinen Astronauten-Job lebte Claude Nicollier 25 Jahre lang in Amerika, heute wohnt er im Waadtland. Um Kollegen zu treffen und Diskussionen zu führen reist er dennoch immer wieder in die Vereinigten Saaten. Und als gefragter Experte der Raumfahrt – bis heute haben erst um die 600 Menschen den Weltraum mit eigenen Augen gesehen – bringen ihn seine Vorträge ebenso rund um die Welt. Würde er denn auch wieder in ein Raumschiff einsteigen? «Ja, sofort.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.