«Eurokurs macht uns zu schaffen»

Seit etwas mehr als einem Jahr bestimmt Evelyne Hennet die Geschicke der Schaukäserei in Stein. Im Interview erklärt sie die Folgen des starken Frankens und wohin sich der Betrieb unter ihrer Leitung entwickeln soll.

Jesko Calderara
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Evelyne Hennet will einzelne Bereiche der Schaukäserei modernisieren, um mehr Erlebnisse zu schaffen. (Bild: cal)

Evelyne Hennet will einzelne Bereiche der Schaukäserei modernisieren, um mehr Erlebnisse zu schaffen. (Bild: cal)

Frau Hennet, wir haben heisse Sommertage hinter uns. Ist ein solches Wetter Fluch oder Segen für die Schaukäserei?

Evelyne Hennet: Unsere Hauptsaison dauert von Mai bis Oktober. Bis jetzt liegen wir unter unseren Erwartungen. Der heisse Juli hat viel dazu beigetragen. Für die Appenzeller Schaukäserei (ASK) ist solches Sommerwetter gar nicht förderlich. Die Leute gehen lieber Schwimmen oder sich abkühlen, obschon beispielsweise ein feiner Käsesalat etwas sehr Erfrischendes ist.

Welchen Einfluss hat der starke Schweizer Franken auf den Geschäftsgang?

Hennet: Über 40 Prozent unserer Gäste kommen aus dem Ausland, wobei der grösste Teil davon Deutsche sind. Der aktuelle Eurokurs macht uns daher zu schaffen. Die Währungssituation beeinflusst Reiseveranstalter und Busunternehmen. So mussten wir bereits einige Stornierungen hinnehmen. Leider haben verschiedene Reiseanbieter die Schweiz für nächstes Jahr ganz aus dem Programm gestrichen, weil das Land zu teuer geworden ist.

Was kann die Schaukäserei

dagegen unternehmen?

Hennet: Ich halte es für falsch, mit Rabatten auf den erstarkten Franken zu reagieren. Das Lohnniveau ist bei uns nun einmal hoch. Wir müssen als Antwort darauf noch mehr auf unsere Stärken setzen. Dazu gehören die Qualität unseres Appenzeller Käses und die einmalige Landschaft des Appenzellerlands.

Sie haben vor etwas mehr als einem Jahr die Stelle als ASK-Geschäftsführerin angetreten. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Hennet: Die Schaukäserei habe ich als lebhaften Betrieb kennengelernt, wo ich mein Wissen einbringen und mich weiterentwickeln kann. Beeindruckend ist insbesondere, mit welchem Herzblut und Engagement unsere langjährigen Mitarbeiter arbeiten. Weitere positive Punkte sind zudem die modern eingerichtete Käsereiinfrastruktur und das rustikale Höckli.

Gibt es Parallelen zu Ihrer früheren Tätigkeit als Messeleiterin der Olma?

Hennet: Die beiden Funktionen sind völlig unterschiedlich. Als Geschäftsführerin der Appenzeller Schaukäserei nehme ich mit beratender Stimme an den Verwaltungsratssitzungen teil. Bei der Olma hingegen waren meine Aufgaben auf den operativen Bereich beschränkt. Die ASK ist aber Genossenschafterin der Olma. Dadurch bin ich mit meinem früheren Arbeitgeber noch immer verbunden.

Die Schaukäserei ist ein bekanntes Unternehmen mit hohen Besucherzahlen. Bietet dessen Leitung überhaupt noch genügend Möglichkeiten, eigene Ideen einzubringen?

Hennet: Auf jeden Fall. Wie in jedem Betrieb gibt es auch bei uns noch Verbesserungsmöglichkeiten. Dies hat die Analyse der internen Prozesse gezeigt, welche ich als erstes vorgenommen habe.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Hennet: Einige Bereiche der Schaukäserei sind in die Jahre gekommen. Hier wünsche ich mir eine Erneuerung, um mehr Erlebnisse zu schaffen. Zudem können wir das Angebot für Familien mit Kindern noch verbessern. Dazu braucht es aber auch immer die notwendigen finanziellen Mittel.

Welche Massnahmen und Projekte haben Sie in den ersten Monaten schon umgesetzt?

Hennet: Der Spielplatz wurde erweitert und kinderfreundlicher gestaltet. Bis im September entsteht in Zusammenarbeit mit der Dr.-Fredy-Styger-Stiftung und dem Appenzeller Volkskundemuseum ein neuer Vorplatz. Ausserdem haben wir mit «Schweizer Wein trifft Appenzeller Käse» ein neues Gruppenerlebnis geschaffen. Ferner verstärkte die Schaukäserei die Zusammenarbeit mit regionalen Tourismusorganisationen und modernisierte den Werbeauftritt.

Welche Gäste besuchen die Schaukäserei?

Hennet: Das ist sehr unterschiedlich. Eine Hauptzielgruppe sind Busreisende. Danebst kommen auch Vereine, Firmen und andere Organisationen wie Kirchgemeinden zu uns. Diese Vielfalt ist eine grosse Herausforderung, weil die Bedürfnisse sehr verschieden sind. Reisegruppen etwa haben meistens nur wenig Zeit und ein beschränktes Budget, während Individualtouristen wiederum den persönlichen Austausch mit unseren Mitarbeitern schätzen.

Wo sehen Sie noch Potenzial, um zusätzliches Publikum zu gewinnen?

Hennet: Wir wollen noch mehr Firmen ansprechen und Individualgäste aus der Region für uns gewinnen.

Wie sieht Ihre Vision für die Appenzeller Schaukäserei aus?

Hennet: Eigentlich ist sie ganz einfach. Mir schwebt eine Schaukäserei vor, die allen Altersgruppen Wissen vermittelt und Erlebnisse ermöglicht.