«Es werden auch Zürcher kommen»

Seit eineinhalb Jahrzehnten ist Andreas Breitenmoser Ratsschreiber in der Gemeinde Lütisburg. Er blickt auf eine abwechslungsreiche und spannende, ab und zu aber auch turbulente Zeit zurück. Mit der positiven Entwicklung der letzten Jahre ist der Ratsschreiber sehr zufrieden.

Martina Signer
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Herr Breitenmoser. Gab es irgendwelche speziellen Vorkommnisse auf dem heutigen Arbeitsweg?

Andreas Breitenmoser: Nein, warum?

Immerhin ist es seit 15 Jahren der gleiche Weg. Da wäre es doch interessant, wenn mal etwas Neues passieren würde.

Breitenmoser: (lacht) Nein, nein. Als ich die Stelle angetreten habe, wohnte ich noch in Kirchberg, dann einige Jahre in Rossrüti und nun seit rund fünf Jahren in Lütisburg.

Sie haben Ihre Lehre in Kirchberg absolviert. Sind Sie danach gleich nach Lütisburg gekommen?

Breitenmoser: Nach meiner Ausbildung in Kirchberg war ich kurze Zeit in Bütschwil tätig. Es war geplant, dass ich ein halbes Jahr lang ein Berufspraktikum mache, bevor ich die Rekrutenschule absolvieren musste. Nach zwei Monaten fand ich aber eine Stelle in Oberuzwil, wo ich zwei Jahre lang gearbeitet habe. Eigentlich war es aber schon während meiner Lehre mein Wunsch, Ratsschreiber zu werden, und in Lütisburg habe ich diese Chance dann mit 21 bekommen.

Ist man mit 21 dafür nicht zu jung?

Breitenmoser: Nein, das ist kein Einzelfall. Ich war bestimmt noch recht jung für diesen Job und habe es deshalb umso mehr geschätzt, diese Chance erhalten zu haben. In einer kleinen Gemeinde ist es aber durchaus möglich, in diesem Alter bereits Ratsschreiber zu werden. In grösseren Gemeinden wäre es sicher schwieriger.

Anfang Oktober hatten Sie Ihr 15-Jahr-Dienstjubiläum. Was hält einen so lange in Lütisburg?

Breitenmoser: Als ich hier zu arbeiten begonnen habe, hätte ich mir das auch noch nicht gedacht. Am Anfang war es eine sehr anstrengende und intensive Zeit für mich. Ich hatte ja auch noch andere Ämter wie die Leitung des Betreibungsamtes und der Finanzverwaltung. Das war für mich alles Neuland. Mit den Jahren kamen immer wieder andere Ämter dazu. Dies aufgrund von Personalwechseln, welche immer wieder zu Neuverteilungen der Ämter führten. Aufgrund dieser Ämterwechsel wurde es auch nie langweilig.

Sie sind nicht der Typ, der ständig die Arbeitsstelle wechselt?

Breitenmoser: Nein, gar nicht. Ausserdem liegen einem Gemeinde und Bevölkerung irgendwann auch am Herzen.

Gab es auch schwierige Zeiten?

Breitenmoser: Natürlich hat es auch Situationen gegeben, wo es einfacher gewesen wäre, Lütisburg zu verlassen. Es ist aber schon so, dass man seine Arbeitskolleginnen und -kollegen nicht gerne im Stich lässt. Hätte ich in einigen Momenten nur auf mich geschaut, hätte ich tatsächlich gehen müssen, um es mir einfacher zu machen. Aber das ist nicht meine Art. Ich laufe nicht gerne vor Problemen davon, sondern stelle mich ihnen.

Gibt es ein Beispiel für eine solche Situation?

Breitenmoser: Es war sicher nicht einfach, als es die Turbulenzen rund um den ehemaligen Gemeindepräsidenten gegeben hat, die dann schliesslich auch zu seinem Abgang geführt haben. Die Zeit danach war anstrengend mit dem ganzen Neuaufbau, wo uns teilweise Steine in den Weg gelegt wurden. Es kam lange keine Ruhe in den Gemeinderat. Es hat seine Zeit gedauert, aber mittlerweile hat sich die Situation beruhigt und ich gehe wirklich jeden Tag gerne zur Arbeit.

Wir haben jetzt über Schwierigkeiten gesprochen. Was gab es denn für Höhepunkte?

Breitenmoser: Schöne Momente gibt es ganz viele. Sogar fast täglich, wenn man zufriedene Bürger bei sich im Büro hat. Das ganze Verwaltungspersonal versucht, einen möglichst hohen Dienstleistungsstandard zu bieten, und das schätzen die Lütisburger natürlich. Auch die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den Arbeitskollegen ist sehr gut. Wir hatten in den ganzen 15 Jahren immer ein tolles Arbeitsklima unter den Angestellten.

Inwiefern hat sich die Arbeit auf der Ratskanzlei Lütisburg in den letzten 15 Jahren verändert?

Breitenmoser: Auf der einen Seite natürlich durch den technischen Fortschritt. Als ich hier angefangen habe, hat man gerade angefangen, via E-Mail zu kommunizieren. Die grössten Veränderungen für mich gab es mit dem Wechsel im Gemeindepräsidium. Hans-Peter Eisenring hat 100 Prozent gearbeitet, Imelda Stadler arbeitet 50 Prozent. So hat sich mein Aufgabenbereich enorm vergrössert und ist mit mehr Verantwortung verbunden. Mein Job wurde wieder herausfordernder und noch interessanter, da ich als Ratsschreiber die rechte Hand der Gemeindepräsidentin bin.

Und die Gemeinde? Wie hat die sich verändert? Was ist geblieben?

Breitenmoser: Lütisburg ist nach wie vor eine ländliche Gemeinde mit aktiver Bevölkerung, was auch das rege Vereinsleben zeigt. Wir sind eine der wenigen Gemeinden im Toggenburg, die ein stetes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen haben. Vor allem in den letzten paar Jahren. Die Nachfrage nach Einfamilienhausparzellen ist gross und 44 Wohnungen befinden sich derzeit noch im Bau.

Auch finanziell zeichnet sich eine positive Entwicklung ab, was natürlich mit dem Verkauf der Elektra und der Dorfwiese zu tun hat. Das sollte der Gemeinde eigentlich einen rechten Schub geben.

Jetzt gilt es, nicht über das Ziel hinauszuschiessen und die Neuzuzüger auch entsprechend zu integrieren. Allein im Dorf Lütisburg könnte es zu 150 neuen Einwohnern kommen.

Was ist in diesem Zusammenhang Ihre Aufgabe als Ratsschreiber?

Breitenmoser: Die Verwaltung versucht immer, eine freundschaftliche Basis aufzubauen, wenn sich die Leute bei uns anmelden. Wir sind uns bewusst, dass Leute aus dem Raum Zürich kommen werden. Die wundern sich teilweise sogar darüber, wie viel wir ihnen auf der Gemeinde bieten. Bei uns muss man keine Nümmerchen ziehen, um am Einwohneramt an den Schalter zu gelangen.

Es wird eine spannende Zeit und ich bin mir sicher, dass sich mit den Neuzuzügern auch der Horizont der Gemeinde erweitern wird. Ich bin sicher, dass uns eine positive Entwicklung bevorsteht.

Und was stehen sonst noch für Projekte an? Abgesehen von 150 neuen Einwohnern?

Breitenmoser: Das momentan grösste Projekt ist sicher die «Zukunft Lütisburg» mit der Bevölkerungsumfrage. Daraus ist ja unter anderem hervorgegangen, dass die Bevölkerung einer Fusion mit einer anderen Gemeinde, namentlich mit Bütschwil-Ganterschwil, nicht abgeneigt wäre. Nun gilt es dieses Thema zu verfolgen und die Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Das ist aber ein sehr politisches Thema, bei dem ich nur eine begleitende Funktion einnehme.

Was halten Sie selbst von einer Fusion? Wären Sie dann nicht ihren Job los?

Breitenmoser: Ob ich meinen Job los wäre oder nicht, bleibe mal dahingestellt. Aber es ist natürlich klar, dass es nach einer Fusion nicht zwei Ratsschreiber braucht. Angst zu haben, ist aus meiner Sicht jedoch falsch. Es gibt immer wieder Möglichkeiten und Lösungen. Ich bin offen für eine Fusion, denn nur um meinen Job zu erhalten, stelle ich mich bestimmt nicht gegen eine Fusion. Es gibt bestimmt auch in einer fusionierten Gemeinde wieder interessante Aufgaben.

Vor diesem Gespräch hatten Sie betont, dass Sie nicht gerne im Rampenlicht stehen. Eine Karriere als Gemeindepräsident kommt also nicht in Frage?

Breitenmoser: Momentan sicher nicht, ich fühle mich sehr wohl in der Funktion als Ratsschreiber. Aber sag niemals nie. Man weiss nie, was das Leben bringt.