«Es war Zeit für einen neuen Schritt»

Der Kirchberger Schulleiter Donat Ledergerber wechselt auf Mitte des Jahres als Generalsekretär ins Gesundheitsdepartement. Dennoch schliesst der 48jährige Toggenburger eine Rückkehr in die Parteipolitik nicht aus – genauso wenig wie einen Wegzug aus der Gemeinde Kirchberg.

Christof Lampart
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Noch sitzt Donat Ledergerber im Kirchberger Schulbüro. Ab Juni wird er als Generalsekretär des Gesundheitsdepartements oft in St. Gallen arbeiten. (Bild: Christof Lampart)

Noch sitzt Donat Ledergerber im Kirchberger Schulbüro. Ab Juni wird er als Generalsekretär des Gesundheitsdepartements oft in St. Gallen arbeiten. (Bild: Christof Lampart)

Herr Ledergerber, Sie waren an der Kirchberger Oberstufe Lerchenfeld 23 Jahre lang als Sekundarlehrer tätig, die letzten sieben Jahre amteten Sie zudem als Schulleiter. Hat das Ihnen nun auf einmal keinen Spass mehr gemacht?

Donat Ledergerber: Nein, so kann und möchte ich meinen Wechsel nicht verstanden wissen. Ich habe hier gerne gearbeitet und werde dies bis zu meinem Abschied auch weiterhin tun. Aber 23 Jahre ist eine lange Zeit und ich hatte seit einigen Jahren das Gefühl, dass es Zeit für einen neuen Schritt wäre. Diesen vollziehe ich jetzt, und ich freue mich ausserordentlich auf den Wechsel.

Einigen Kirchbergern stiess es sauer auf, dass Sie zum einen als Schulratspräsident kandidierten und sich zugleich anderswo bewarben. Verstehen Sie diesen Vorwurf?

Ledergerber: Subjektiv betrachtet ja. Denn das Schulratspräsidium wird durch eine Volkswahl vergeben und ist eine emotionale Sache. Objektiv betrachtet ist aber völlig normal, wenn man sich auf der Suche nach beruflicher Veränderung mehrere Optionen offen hält und Bewerbungen parallel laufen lässt. Das tun doch alle.

Trauern Sie der verpassten Schulratspräsidentenwahl noch nach?

Ledergerber: Nein. Ich hätte es gerne gemacht, das ist klar. Aber wenn man sich zur Wahl stellt, muss man damit rechnen, dass der andere gewinnt. Es war eine der Optionen für eine berufliche Veränderung. Nun erfüllt sich eine andere.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für die Stelle als Generalsekretär im Gesundheitsdepartement bewarben? Schliesslich wurde ja praktisch zeitgleich dieselbe Stelle im Bildungsdepartement frei.

Ledergerber: Das stimmt. Aber ich wollte etwas Neues anpacken, was bei der «Gesundheit» der Fall ist. Diese Neuausrichtung motiviert mich sehr. Ausserdem kann ich es menschlich mit Regierungsrätin Heidi Hanselmann sehr gut, was bei der engen Zusammenarbeit zwischen Departementschefin und Generalsekretär ein Pluspunkt sein dürfte.

Frau Hanselmann und Sie gehören der SP an. Hat Ihnen das Parteibuch bei der Bewerbung geholfen?

Ledergerber: Nicht im Sinne von «Wir sind Parteifreunde, also kriegst du den Job». Was aber hilfreich war, ist die Tatsache, dass wir uns schon gegenseitig lange kennen und wissen, wie der andere denkt und arbeitet.

Ab dem 1. Juni 2015 werden Sie als Generalsekretär im ganzen Kanton unterwegs sein und viel Zeit in der Hauptstadt verbringen. Werden Sie umziehen?

Ledergerber: Es steht ein Stellenwechsel an, zudem werde ich in diesem Zusammenhang meine politischen Ämter abgeben. Es wird einiges wechseln, da muss nicht auch noch ein Umzug dazukommen. Aber klar ist es ein Punkt, über den mein Lebenspartner und ich in der nächsten Zeit nachdenken werden.

Sie waren 2013/14 Präsident des Kantonsrates. An was erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Ledergerber: Als Politiker habe ich mitgeholfen, viele bildungspolitische Anliegen zu fördern oder zu Fall zu bringen – wie zum Beispiel die Chaosinitiative «Freie Schulwahl auf der Oberstufe». Daneben war ich auch bei den vielen Gemeindevereinigungen, die in den vergangenen Jahren im Kanton durchgeführt wurden, in den Kommissionen aktiv, welche die Finanzierung regelten.

Ein Generalsekretär betreibt Sachpolitik, die über den Parteiinteressen steht. Wie schwer fällt Ihnen dieser Rollenwechsel?

Ledergerber: Als Präsident des Kantonsrates konnte ich schon einmal «üben». Ich glaube, der Rollenwechsel wird mir leicht fallen.

Wie bereiten Sie sich auf das Generalsekretariat vor?

Ledergerber: Ich habe vor dem 1. Juni gut dreieinhalb Monate Zeit, um mich ein wenig einzuarbeiten. Ich werde Generalsekretär Roman Wüest schon dann zu einigen wichtigen Terminen begleiten und mich bei diversen Leuten als seinen Nachfolger vorstellen dürfen. Meine Agenda füllt sich jetzt schon mit Terminen. Ich habe danach die obligaten 100 Tage Zeit, die man ja neuen Amtsträgern zugesteht.

Es wäre nicht das erste Mal, dass irgendwann ein Generalsekretär wieder in die Tagespolitik zurückkehren würde, sei es als National-, Stände- oder Regierungsrat. Hegen Sie da gewisse Ambitionen?

Ledergerber: Ich schliesse aus, 2015 an den Wahlen teilzunehmen. Wer weiss aber schon, was die weitere Zukunft bringt?

Hand aufs Herz: Bundesbern reizt Sie nicht?

Ledergerber: Nein, nicht wirklich. Mit Paul Rechsteiner hat die SP St. Gallen einen herausragenden Kopf, der in der Lage sein wird, den Ständeratssitz für die SP zu halten. Und was den Nationalrat betrifft, so haben wir mit Barbara Gysi und Claudia Friedl zwei frische Kräfte in Bern, die ebenfalls hervorragende Arbeit leisten. Ohne diese berufliche Veränderung hätte ich aber sicherlich kandidiert, um im Toggenburg für meine Partei Stimmen zu sammeln.