«Es war höchste Zeit»

Nachgefragt

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Wendy Holdener holte am Freitag WM-Gold in der Kombination. Mit ihrer Leistung endete eine Durststrecke: Die letzte Schweizer WM-Goldmedaille der Frauen liegt 16 Jahre zurück. Jubeln durfte damals Sonja Nef. Die Mörschwilerin ist noch eng mit dem Skizirkus verbandelt und verfolgt die WM am TV.

Welche Erinnerungen hat der Sieg von Wendy Holdener bei Ihnen geweckt?

All die Emotionen, die ich damals nach meiner Einfahrt ins Ziel hatte. Das sind wunderbare Momente, die einem prägen und für immer im Gedächtnis bleiben.

Haben Sie mit einem solchen Exploit gerechnet?

Es war höchste Zeit, dass es wieder eine WM-Medaille für die Frauen gibt. Es freut mich sehr. Allerdings freuen mich diejenigen der Männer genauso. In Bezug auf Wendy habe ich mit einer Medaille gerechnet. Mit einem Doppelsieg allerdings nicht.

Verfolgen Sie alle Rennen?

Natürlich. Ich bin mit jeder Faser dabei, werde selber nervös und jeweils ganz aufgeregt. Vor allem, wenn ich weiss, dass für die Athleten eine Topplatzierung möglich ist. Dann leide und fiebere ich noch stärker mit. Alle arbeiten hart, um oben anzukommen, und oben angekommen, müssen sie noch härter arbeiten. Sie haben die Erfolge verdient.

Was hat sich seit Ihren Aktivjahren verändert?

Jeder Athlet muss im Social Media und im Internet präsent sein. Das ist ein grosser Mehraufwand. Ich bin froh, dass es das zu meiner Zeit noch nicht gegeben hat. Auch müssen die Kinder früh mit dem Sport beginnen. Was ich mit 16 Jahren gemacht habe, machen heute bereits die 12-Jährigen. Ich finde es manchmal übertrieben, was von den Kindern verlangt wird. Ich finde beide Entwicklungen nicht gut, sie gehören aber einfach zur heutigen Zeit.

Wo bewahren Sie Ihre Preise – nebst WM-Gold auch Olympia-Bronze – auf?

Bei mir in Mörschwil in einer Glasvitrine im Wohnzimmer. Meist wollen unsere Gäste die Kristallkugeln und Medaillen sehen, ich selber schenke ihnen kaum mehr Beachtung. (pag)