«Es wäre so schön gewesen»

Hans Brunner aus Schönengrund ist Besitzer des Skilifts Hörnli – und er ist ein Idealist. Der Winter hat gut begonnen, der Wärmeeinbruch liess den Schnee und die Hoffnungen schmelzen. Die Freude für den Skiliftbetrieb aber bleibt.

Christiana Sutter
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SCHÖNENGRUND. «Es hat so gut begonnen. Ich habe haufenweise Schnee in die Spur des Skilifts gestossen, und alle Pisten waren perfekt präpariert», erzählt Hans Brunner mit einem wehmütigen, aber nicht vergrämten Blick. Ungefähr 50 Zentimeter Schnee hätten gelegen. Das zweite Wochenende im Dezember und der darauffolgende Mittwoch sind bis jetzt die einzigen Betriebstage des Skilifts gewesen, aber hoffentlich nicht die letzten. Eigentlich wollte Hans Brunner die Piste schonen. Denn mit dem Pistenfahrzeug hätte er nur die Grasnarbe aufgewühlt. Aber der Föhn und die Regenfälle haben den ganzen Schnee geschmolzen. «Es wäre so schön gewesen.»

Im neuen Jahr hat es über Nacht ein paar Zentimeter geschneit. Hans Brunner steht beim Skilifthäuschen im Tal, schaut hoch und sieht die leeren Bügel am Seil hängen. «Wie schön wäre es doch, wenn ich jetzt hier stehen und die kleinen und grossen Kinder, und natürlich auch die Erwachsenen, anbügeln könnte.»

Skilift aus Mode gebaut

Begonnen hat die Leidenschaft für den Skiliftbetrieb bereits als Knabe. Er sei mit diesem Lift aufgewachsen, sagt der Vater zweier erwachsener Töchter. Sein Vater Hans, seine zwei Onkel Albert und Willi sowie Emil Frei, ein weiterer Idealist, haben 1971 den Skilift am Hörnli erbaut. «Das waren noch Pioniere.»

Sein Vater und seine Mutter sind an diesem Hang aufgewachsen und haben gesehen, dass es da immer Schnee gibt. Heute seien die schneesicheren Winter nicht mehr so häufig, bemerkt er. Da die Eltern Schnee- und Skifans waren und es zu der damaligen Zeit Mode war, Skilifte zu bauen, wollten auch sie etwas für die Jugend aufbauen. 1973 hörte der Vater mit dem Bauernbetrieb auf und hat mit Tiefbauarbeiten begonnen. «Der Skilift war die ideale Ergänzung für den Winter», sagt Hans Brunner.

Beruf Tiefbau – Hobby Skilift

Auch Hans Brunner junior hat einen Beruf im Tiefbau erlernt, er wurde Strassenbauer. Der heute 56jährige Tiefbauunternehmer sagt, dass der Skilift ein Hobby von ihm sei. 1986 hat er ihn übernommen mit den gleichen Idealen wie seine Vorgänger. Obwohl der Aufwand unzählige Stunden in Anspruch nehme und es sich finanziell eigentlich nicht lohne. «Aber ich habe so viel Freude und Spass beim Einrichten und Betreiben des Skilifts.» Nur schon das Herrichten der Pisten mit seinem 35jährigen Käsbohrer-Pistenfahrzeug sei für ihn Spass. Hans Brunner liebt den Schnee. Das zeigt eine weitere Tätigkeit im Winter. Er ist für den Räumungsdienst in Schönengrund zuständig. Kommt ein Ausbau des Skilifts für ihn in Frage? Investitionen lohnen sich nicht, sagt Hans Brunner. Natürlich müsse er den Lift instand halten. Einen grossen Teil des Unterhalts macht er selber. Vor vier Jahren musste das Seil erneuert werden. «Ich habe die Gemeinden St. Peterzell, Hemberg und Schönengrund um Unterstützung angefragt.» Alle drei Gemeinden haben ihn mit einem gleich grossen Betrag unterstützt. Ansonsten bekomme er keine finanzielle Hilfe. Für ihn stehe das Finanzielle ohnedies nicht im Vordergrund, ein Defizit sei fast vorprogrammiert. «Und betteln gehe ich nicht.»

Im Winter wird er von vier Teilzeitangestellten unterstützt. Er erklärt, dass es immer drei Personen am Lift benötige. Eine an der Kasse, eine weitere Person zum Anbügeln im Tal und dann noch jemanden oben am Lift als Kontrolle, sollte jemand Probleme beim Abbügeln haben. Meistens seien auch noch zwei Personen im kleinen Beizli gleich neben der Talstation. «Meine Frau Edith hilft natürlich auch mit.»

Die Freude am Schnee

Es ist die Freude am Schnee und an den Kindern, die Hans Brunner immer wieder bewegt, diesen Aufwand zu betreiben. «Es gibt mir eine Zufriedenheit, wenn ich die strahlenden Kinderaugen sehe.» Auch die Schulen aus Bächli, Hemberg und Schönengrund kommen zum Skifahren. «An diesen kleinen Liften lernen die Kinder den Umgang mit Ski und Snowboard.» Zusammen mit der Männerriege Schönengrund organisiert Hans Brunner jeweils ein Kinderskirennen. Dieses Jahr wollen sie am 18. Januar ein Fackelskirennen durchführen. «Sofern es Schnee hat.» Auch der Skiclub Brunnadern komme ab und zu für Trainings zu ihm. «Meine Kundschaft kommt grösstenteils aus einem Umkreis von ungefähr 30 Minuten Fahrzeit.» Jetzt steht alles still. Es ist ruhig am Skilift Hörnli. Hans Brunner schaut hinauf. «Ich mache weiter, solange ich Freude habe und es noch Schnee gibt», sagt der Idealist.