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Es trifft nur Wildhaus-Alt St. Johann

TOGGENBURG. Am Donnerstag hat der Bundesrat mit der Ausführungsverordnung mehrere Ausnahmen zur Umsetzung der Zweitwohnungs-Initiative beschlossen. Ausser der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann haben diese Ausnahmen kaum Auswirkungen auf die Toggenburger Gemeinden.
Matthias Giger

In der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann und in weiteren Gemeinden im Toggenburg (siehe Kasten), deren Anteil an Zweitwohnungen schon heute mehr als 20 Prozent beträgt, können ab dem 1. Januar 2013 keine Ferienhäuser oder Mehrfamilienhäuser für Ferienwohnungen mehr gebaut werden. Ab dann dürfen in diesen Gemeinden aber auch keine Häuser und Wohnungen, die als fester Wohnsitz dienen, in Zweitwohnsitze umgewandelt werden. Dies legt die Zweitwohnungs-Initiative fest, die ab nächstem Jahr umgesetzt wird. Behörden von touristisch geprägten Gemeinden fürchten, dass mit der Umsetzung der Initiative die Entwicklung ihrer Gemeinde stark beschnitten wird. So liegt der Ferienhaus- und Ferienwohnungsanteil in Wildhaus beispielsweise weit über 50 Prozent und auch ein grosser Teil der Neubauten im Ortsteil Wildhaus werden als Feriendomizile genutzt.

Praktikable Ausnahmen?

Vergangene Woche hat der Bundesrat eine Ausführungsverordnung beschlossen, die mehrere Ausnahmen beinhaltet. So dürfen Hotels, die mindestens 25 Jahre alt sind, in Zweitwohnungen umgenutzt werden, wenn die Besitzer belegen können, dass ihr Hotelbetrieb nicht rentiert.

Doch wie praktikabel ist diese Ausnahme für das Toggenburg? Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, war gestern nicht zu erreichen, auch seine Stellvertreterin war abwesend. Vor der Abstimmung äusserte sich Rolf Züllig besorgt, da ein Viertel der Steuereinnahmen der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann von Leuten mit Zweitwohnsitz stammt. Mit der Umsetzung der Initiative werden diese Steuereinnahmen nicht wachsen. Tourismusdirektorin Christine Bolt sagt, dass die Umnutzung von Hotels zu Zweitwohnungen theoretisch praktikabel ist, im Einzelfall wisse sie aber nicht, für welche Hotels dies in Frage kommt. «Grundsätzlich wäre so eine Umnutzung als Betriebskonzept denkbar. Die Nachfrage nach Ferienwohnungen wird gemäss Tourismusexperten in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. Der Bedarf wäre also da, auch für bewirtschaftete Ferienwohnungen.» Wochenweise an Touristen vermietete Ferienwohnungen und Ferienhäuser werden ohnehin nicht von der Initiative tangiert, dürfen also weiterhin gebaut werden.

Talabwärts kaum von Belang

Auch alle Erstwohnungen, die vor dem 11. März bereits bestanden haben oder bewilligt waren, können in Zweitwohnungen umgewandelt werden.

Dies ist mit ein Grund, weshalb Toggenburger Gemeinden mit einer geringeren touristischen Ausrichtung als Wildhaus-Alt St. Johann kaum von der Umsetzung der Initiative und den am Donnerstag beschlossenen Ausnahmen betroffen sind und sich daher auch noch nicht grundlegend damit befasst haben. So sagt die Neckertaler Gemeindepräsidentin Vreni Wild: «Die Gemeinde Neckertal ist von der Umsetzung der Zweitwohnungs-Initiative nicht geplagt, da bei uns kaum ein Bedarf nach Neubauten für Zweitwohnungen besteht.» Dass die Gemeinde Neckertal einen höheren Anteil an Zweitwohnungen hat, könnte gemäss Vreni Wild am Strukturwandel in der Landwirtschaft liegen: «Ehemalige Bauernhäuser werden nicht selten als Ferienhaus genutzt. Hier hoffe ich auf die Verordnung der Raumplanung bezüglich Bauen ausserhalb der Bauzone», sagt Vreni Wild. Warum die Gemeinde Neckertal auf einen Anteil von über 20 Prozent an Zweitwohnungen kommt, kann sich die Gemeindepräsidentin nicht erklären. «Wir werden diese Zahl sicher noch überprüfen, aber da der Bedarf kaum besteht, drängt die Zeit nicht», sagt sie.

Auch Walter Fischbacher, Gemeindepräsident von Hemberg, sieht der Umsetzung der Initiative gelassen entgegen: «In Hemberg ist seit Jahren kein Ferienhaus mehr gebaut worden. Der Bestand an Ferienhäusern ist sogar rückgängig, weil viele von ihnen mittlerweile fest bewohnt sind.» Von den Landbesitzern in Hemberg habe kaum jemand ein Interesse sein Land für ein Häuschen zu verkaufen, dessen Rollläden die meiste Zeit des Jahres heruntergelassen sind, meint Walter Fischbacher. Und mit jedem Neubau, der als Hauptwohnsitz genutzt wird, würde die Quote sinken. «Früher lag der Anteil an Zweitwohnungen bei 30 Prozent, heute sind es noch 22 Prozent, Tendenz sinkend», so Walter Fischbacher.

In der Gemeinde Nesslau-Krummenau sinkt gemäss Grundbuchverwalter Josef Helbling die Zweitwohnungs-Quote ebenfalls. «Etliche Ferienhausbesitzer machen nach der Pensionierung ihr Ferienheim zu ihrem festen Wohnsitz», sagt er. Und auch in Sachen Baugesuche für Zweitwohnungen tue sich wenig in Nesslau-Krummenau. Dies gilt gemäss Bauverwalter Martin Gmür auch für die Gemeinde Ebnat-Kappel.

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