Interview

"Es scheint für mich der nächste logische Schritt zu sein": SVP-Nationalrat David Zuberbühler will höchster Schweizer werden

Morgen Dienstag wählt die SVP-Fraktion in geheimer Wahl ihren Kandidaten als zweiten Vizepräsidenten des Nationalrats. Dieser steigt ein Jahr später zum ersten Vizepräsidenten und danach zum Nationalratspräsidenten auf. Neben dem Bündner Heinz Brand, dem Berner Andreas Aebi und dem Freiburger Pierre-André Page ist auch der Herisauer Nationalrat David Zuberbühler im Rennen.

Claudio Weder
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David Zuberbühler (SVP) spricht an der Herbstsession der Eidgenössischen Räte, am Donnerstag, 13. September 2018, im Nationalrat in Bern. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

David Zuberbühler (SVP) spricht an der Herbstsession der Eidgenössischen Räte, am Donnerstag, 13. September 2018, im Nationalrat in Bern. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

David Zuberbühler, warum wollen Sie höchster Schweizer werden?

Nach der zwölfjährigen Mitgliedschaft im Einwohnerrat der Gemeinde Herisau, der fünfjährigen Amtszeit im Kantonsrat und der unterdessen dreijährigen Mitgliedschaft im Nationalrat scheint die Kandidatur für das Ratsvizepräsidium des Nationalrats ein nächster logischer Schritt zu sein.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Die Ostschweiz, das Appenzellerland und insbesondere Appenzell Ausserrhoden hätten es verdient, wenn einer aus der Region wieder einmal das Amt des höchsten Schweizers bekleiden könnte. Schliesslich stellte die Ostschweiz mit Hansjörg Walter letztmals im Jahr 2011/12 den Ratspräsidenten. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden stellte mit Arthur Eugster im Jahr 1915/16 den ersten und bisher einzigen Ratspräsidenten der grossen Kammer. Angesichts der Tatsache, dass das Ratsbüro aktuell von der lateinischen Schweiz dominiert wird, schätze ich meine Chancen als gar nicht mal so schlecht ein.

Sie bezeichnen sich selbst als Ur-Herisauer. Bliebe als Nationalratspräsident überhaupt noch Zeit, sich um die Anliegen Ihrer Heimat und Ihres Kantons zu kümmern?

Auf jeden Fall! Natürlich würde man mich häufiger im Bundeshaus antreffen, aber meine Heimat bliebe das Appenzellerland. Und nur diesem bin ich verpflichtet. Ich bin überzeugt, dass ich die Anliegen des Kantons Appenzell Ausserrhoden als möglicher Nationalratspräsident noch besser in Bern einbringen könnte. Für mich wäre es eine grosse Ehre, unseren Kanton als Ratspräsident repräsentieren zu dürfen. Mit dieser Kandidatur möchte ich mich aber auch bei der Ausserrhoder Bevölkerung dafür bedanken, dass ich unseren Kanton seit 2015 im Nationalrat vertreten darf.

Sie machen Politik, weil Sie etwas bewegen wollen. Könnten Sie in der Rolle des Nationalratspräsidenten Ihre politischen Visionen und Ziele eher verwirklichen?

Im völlig durchorchestrierten Parlamentsbetrieb ist es schwierig, Aufmerksamkeit für seine Anliegen zu erlangen. Als Nationalratspräsident gelänge das schon eher. Meine Vision ist es, als möglicher Ratspräsident mit gutem Beispiel voran zu gehen. Mir schwebt ein Präsidium im Sinne von typischen Appenzeller Eigenschaften vor: Mit Anstand, Bescheidenheit, Besonnenheit, Bodenständigkeit, Ausgeglichenheit sowie im Vertrauen auf unseren obersten, nicht irdischen Chef. Mein Ziel ist eine unaufgeregte Ratsführung ohne Selbstinszenierung.

Sie sagten einst, dass das Vertrauen in die Politik verloren gegangen ist. Sehen Sie Ihre Kandidatur als Nationalratsvizepräsident auch als Chance, das Vertrauen der Leute in die Politik(er) zurückzugewinnen?

Der Nationalratspräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist Vorsitzender des Nationalrates sowie der Vereinigten Bundesversammlung. Er leitet die parlamentarischen Sitzungen und hat zusätzliche repräsentative und administrative Aufgaben. Ich bin überzeugt, dass man als Ratspräsident mit einer volksverbundenen und aufrichtigen, geraden Art eine vertrauensbildende Politik betreiben könnte.