«Es muss alles stimmen»

Ab nächstem Donnerstag stehen die jungen Damen von Voltige Lütisburg an der Weltmeisterschaft im französischen Le Mans im Einsatz und wollen ihre Chancen auf einen Medaillengewinn wahrnehmen.

Urs Nobel
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VOLTIGE. Der Gewinn der Silbermedaille von Voltige Lütisburg an der letztjährigen Europameisterschaft bringt die Toggenburgerinnen automatisch in den Kreis der Medaillenanwärterinnen an der diesjährigen Weltmeisterschaft. Monika Winkler, die Trainerin und Longenführerin, bestätigt dies: «Wie schon vor zwei Jahren in Kentucky sind es auch dieses Jahr wieder fünf Teams, die sich Hoffnungen auf eine Medaille machen können: Deutschland, Amerika, Österreich, Frankreich und die Schweiz. Hinzu könnte noch die Slowakei kommen. Doch von diesem Team weiss man überhaupt nichts. Es hat sich im 2012 noch in keinem internationalen Wettkampf, ausser einem im eigenen Land, der Gegnerschaft gestellt.»

Höchstleistung abrufen

Monika Winkler wünscht sich natürlich eine Medaille, will aber eigentlich gar nicht darüber sprechen. «Wichtig wird sein, dass alle – Pferd, Voltis, ich – an den drei Tagen, in denen wir im Einsatz stehen, unsere Höchstleistung abrufen können. Schon im vergangenen Jahr benötigten wir an der EM eine überdurchschnittliche Leistung für den Gewinn der Silbermedaille», warnt sie vor einer zu hohen Erwartungshaltung.

Erholungszeit war wichtig

Voltige Lütisburg hat seine gesamte Saison auf den Höhepunkt am nächsten Wochenende ausgerichtet. Diese hat schon früh mit einer internationalen Turnierserie in Deutschland begonnen und immer wieder durch Trainingslager oder Trainings-Weekends unterbrochen. An nationalen Turnieren beteiligte sich die Mannschaft nur gerade, bis die Qualifikation zur Schweizer Meisterschaft feststand. «Es galt diese Vorbereitungszeit gezielt anzugehen und immer wieder darauf zu achten, dass die Pferde, aber auch meine Voltis genügend Erholungszeit hatten», erklärte Monika Winkler die Beweggründe zum Vorgehen. Vergangene Woche ging es deshalb ein letztes Mal etwas locker – «nur» vier Trainings in der Woche – zu und her. Eine Woche zuvor hätten die Lütisburgerinnen ebenso gut auch den Schlafsack mit in den Reitstall nehmen können. Es wurde nämlich täglich zweimal trainiert und an den letzten Details gefeilt.

Konkurrenz trainiert mit

Wahrscheinlich gibt es das nur beim Voltigieren. Während der Intensivwoche vor der Weltmeisterschaft trainierten eine Italienerin und eine Amerikanerin mit den Lütisburgerinnen. Beide sind Gegnerinnen von Melanie Guillebeau, die nebst der Gruppe auch in der Einzelkonkurrenz antritt. Die beiden Gast-Voltigiererinnen wussten um die gute Pflichtschule (Spannungselemente), welche Monika Winkler ihren Schützlingen weitergibt, und fragten an, ob sie eine Woche am Training der Schweizerinnen teilnehmen dürfen. Keine Frage, die Zusage kam prompt und uneigennützig. Voltige Lütisburg ist aber nicht nur grosszügig. Auch die Toggenburgerinnen weilten zweimal in Frankreich an einem Trainings-Weekend, das vor allem zum Ziel hatte, vom grossen Pferdewissen der Franzosen etwas mitzubekommen. Solches Vorgehen schafft Freunde und Freunde sein ist in der nichtolympischen Sportart Voltigieren noch möglich. «E Guets git immer wieder e Guets», pflegt Monika Winkler, die auch schon Lehrgänge in Österreich und Deutschland gab, zu sagen.

Dasselbe Team

Voltige Lütisburg wird in derselben Formation wie im vergangenen Jahr zur Weltmeisterschaft starten. Dies ist sicherlich ein Vorteil. Nachteilig für das Schweizer Team aus dem Toggenburg dürfte die Situation sein, dass der Truppe die «leichten Mädchen» fehlen. Gemeint sind die kleinen Voltis, die sich während des Galopps von den Unterfrauen heben und drehen lassen. «Selbstverständlich haben wir unsere Übungen dieser Situation angepasst», sagt die Trainerin. Wohl bewusst aber, dass aus diesem Umstand der Auftritt nicht so spektakulär ausfallen wird. «Deshalb dürfen wir uns in der Ausführung nicht den geringsten Fehler erlauben und müssen auch vermehrt noch darauf achten, dass die Ausstrahlung stimmt.

Zu einem Doppeleinsatz an der Weltmeisterschaft kommt Melanie Guillebeau. Nebst dem Team startet sie auch im Einzel. Ihre Vorgabe ist, in den Finaldurchgang der ersten 15 zu kommen. Ein realistisches Ziel.