Es locken Millionen

HERISAU. Das lokale Gewerbe wächst in Appenzell Ausserrhoden unterdurchschnittlich. In der 4. Wandelbar in Herisau präsentierte Roland Scherer von der Uni St. Gallen Lösungsansätze.

Patrik Kobler
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«Wir reden nicht von Peanuts»: Roland Scherer von der Uni St.Gallen. (Bild: pk)

«Wir reden nicht von Peanuts»: Roland Scherer von der Uni St.Gallen. (Bild: pk)

Das Lädelisterben ist auch in Appenzell Ausserrhoden ein Thema. Deshalb stellte die Stiftung Dorfbild am Samstag die 4. Wandelbar im Schützenhaus unter das Motto «Gopfried Stutz: Hiergeblieben». Roland Scherer von der Universität St. Gallen zeigte anhand von Zahlen, dass im Kanton für das lokale Gewerbe Potenzial brachliegt.

Grösster Anteil an Pendlern

Aktuell wohnen in Appenzell Ausserrhoden gut 55 000 Einwohner und es gibt rund 20 000 Arbeitsplätze. Roland Scherers Untersuchungen zeigen, dass rund 15 000 Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder ihren Arbeitsplatz nicht im Kanton haben. Das ist rund die Hälfte aller Erwerbstätigen. «Ausserrhoden hat damit in der gesamten Ostschweiz den grössten Anteil an Wegpendlern», so Scherer. Demgegenüber würden auch fast 10 000 Menschen in den Kanton pendeln. Sie wohnen also ausserhalb des Kantons, arbeiten aber hier. Fast 40 Prozent aller Arbeitsplätze belegen Menschen, die in anderen Kantonen wohnen, leben und Steuern bezahlen. Auch hier hat Ausserrhoden den höchsten Anteil aller Ostschweizer Kantone.

Gewerbe könnte profitieren

Die Wegpendler generieren jährlich fast eine Milliarde Franken an Einkommen. Der gesamte Nettolohntransfer durch das Pendeln liegt bei 350 bis 400 Millionen Franken. Das heisst: Soviel mehr Geld kommt durch die Zupendler in den Kanton, als durch die Wegpendler abfliesst. Scherer: «Wir reden hier nicht über Peanuts, sondern von wirklich ordentlichen Geldbeträgen von den Ausserrhoden und das lokale Gewerbe profitieren könnten.»

Im Vergleich mit anderen Regionen wie dem Rheintal, dem Oberthurgau oder der Region Werdenberg habe sich die lokale Wirtschaft in Appenzell Ausserrhoden in den vergangnen zehn Jahren deutlich schlechter entwickelt. Das hänge einerseits mit der unterdurchschnittlichen Bevölkerungsentwicklung zusammen, andererseits gelinge es aber auch nicht, von den Berufspendlern und deren Einkommen zu profitieren. «Sie tätigen ihre Einkäufe oft am Arbeitsort beziehungsweise auf der Fahrt nach Hause. Und auch die Nachfrage nach anderen Gütern und Dienstleitungen wird oftmals nicht am Wohnort getätigt», sagt Roland Scherer. Er präsentierte am Samstag folgende Lösungsansätze: Erstens mehr Einwohner – auch wenn diese nicht im Kanton arbeiten würden. Potenzial sieht er bei Leuten, die heute im Kanton arbeiten, aber nicht hier wohnen; bei wohlhabenden Pensionären, die in Appenzell Ausserrhoden wohnen möchten oder bei Heimwehappenzellern. Zweitens müssten die regionalen Konsumausgaben erhöht werden, beispielsweise durch die wohnortnahe Versorgung. Diese funktioniere aber nur bei entsprechender Qualität, Spezialisierung und Kundenorientierung.

Als Negativbeispiel nannte er hier, wenn er sonntags nach einer Wandertour auf der Heimfahrt erst nach langer Suche ein offenes Restaurant findet.

Scherers Fazit: «Die Nachfrage ist eigentlich vorhanden. Aber es müssen die entsprechenden Angebote geschaffen werden, man muss den Kunden wieder an sich binden und die regionalen Wurzeln ansprechen. Dann bleibt das Geld auch wieder da.»

Selbstkritische Töne

In der anschliessenden Diskussion pflichteten die drei hiesigen Gewerbler Roman Wäspi, Martin Rechsteiner und Jürg Mohler Roland Scherer in vielen Punkten bei. Sie machten aber auch deutlich, dass Lösungen nicht so einfach seien. Entscheidend sei, einen guten Job zu machen, sagte Rechsteiner.

Er erwähnte auch die stärkere Solidarität in Innerrhoden, wo die Geschäfte noch innerhalb des Kantons erledigt würden. Wäspi schlug selbstkritische Töne an. Er bedaure etwa das Fehlen von einheitlichen Öffnungszeiten, ausserdem biete Herisau kein attraktives Einkaufserlebnis. Mehr Attraktivität erhofft sich Mohler durch die neue Migros.