Es ist Zeit zum Öberefahre

WILDHAUS. Wie so viele Bauern im Obertoggenburg wechselt Bauer Köbi Giger aus Wildhaus heute von der Hochalp auf die Voralp. Der Sommer 2015 war für die Bauern optimal. Dank eines Gewitters Ende Juli gab es keinen Wassermangel.

Christiana Sutter
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Köbi Giger verstaut das «Gschell» im Kofferraum seines Autos. Die Schellen werden den Kühen nur bei trockenem Wetter um den Hals gelegt. (Bilder: Christiana Sutter)

Köbi Giger verstaut das «Gschell» im Kofferraum seines Autos. Die Schellen werden den Kühen nur bei trockenem Wetter um den Hals gelegt. (Bilder: Christiana Sutter)

Auf dem Hof von Köbi Giger im Schönenboden werden die letzten Vorbereitungen für das «Öberefahre» getroffen. Das «Gschell» wird von seinem Holzbalken im oberen Geschoss des Hauses hinunter genommen und ins Auto verladen.

Der Weg muss sicher sein

Die Schellen werden den Kühen beim «Öberefahre» aber nur bei schönem Wetter um den Hals gelegt. Die Leitkühe sind stolz, diese Schellen zu tragen. Auf der Hochalp Chreialp wurden die Tiere bereits auf 1800 Meter zusammengetrieben, damit man sie nicht mehr überall suchen muss. Die Chreialp mit 2200 Metern ist eine der höchsten Alpen im Toggenburg. Wichtig ist für das «Öberefahre» auch, dass der Zickzack-Weg von der Chreialp hinunter zum Tesel gesichert ist. Damit die Tiere nicht vom Weg abkommen, werden sämtliche Holzzäune kontrolliert und wenn nötig ausgebessert. «Eine Kuh habe ich diese Woche bereits separat hinunter genommen», sagt Köbi Giger. Sie hat ein grosses Euter, weil sie bald chälblet, und könnte sich in der Herde nicht mehr wohl fühlen, wenn die anderen Tiere unruhig würden.

«Bremen» und Fliegen

Das Vieh auf der Hochalp hat während den ganzen sieben Wochen genügend Gras vorgefunden. Heu gefüttert wird nur, wenn es schneit. «Der Fuss brauchte auch wenig Futter», sagte Giger. Damit meint der Bauer, dass die Tiere kein Gras in den Boden stampfen. Köbi Giger senior schaut während der ganzen Alpzeit für Ordnung auf der Chreialp. Er schaut zum Vieh, kontrolliert die Zäune, und es werden auch auf den Alpen Steine eingesammelt, Blodder zusammengetragen und Blacken geschnitten. Während des ganzen Sommers bestand kein flächendeckender Wassermangel. «Auf der Alp Sellamatt musste einmal Wasser gepumpt werden. Aber grundsätzlich hatten wir auf den Alpen genügend Wasser, dies auch Dank dem Gewitter vom 24. Juli, sonst wäre es eventuell prekär geworden», sagt der Wildhauser Bauer Christian Schmid. Auch die grosse Hitze hat den Tieren nicht geschadet. Auch «Bremen» sollte es über 1800 Meter nicht mehr haben, sagt der Volksmund. «Wobei es in den vergangenen Tagen auf 2000 Metern noch viele Fliegen hatte», sagt Köbi Giger.

Während die Kühe den Sommer auf den Alpen verbringen, geht die Arbeit für den Bauer auf dem Hof weiter. Man muss die Kühe melken, die auf dem Hof sind, heuen, düngen und kann Arbeiten im und um den Hof verrichten.

Mit oder ohne Schellen?

Die Planung war diesen Sommer einfacher als im vergangenen Jahr, erzählt Köbi Giger. «Letzten Sommer musste man an den Schönwettertagen jeweils schnell reagieren und heuen. Dieser Sommer war optimal. Man konnte mähen und musste nie Angst haben, dass das Heu nass wird.»

Am letzten Tag vor dem «Öberefahre» sollten auf der Voralp alle Vorbereitungen beendet sein. Die Zäune sind gestellt und die Weide ist in mehrere Abschnitte unterteilt damit die Kühe immer wieder frisches Gras vorfinden.

Am Vortag stellt sich auch die Frage, ob sennisch «öberegfahre» wird oder nicht. Dieser Entscheid hängt stark vom Wetter ab. «Die Schellen wurden vorsorglich schon verladen», sagt Köbi Giger mit Blick zum Himmel, wo sich die Wolkenberge türmen.

Holzzäune wie dieser befinden sich entlang des Zickzackwegs.

Holzzäune wie dieser befinden sich entlang des Zickzackwegs.

Die Alphütte der Gigers auf der Chreialp liegt auf 1800 Metern.

Die Alphütte der Gigers auf der Chreialp liegt auf 1800 Metern.