«Es ist Zeit geworden für jüngere Kräfte»: Kirchenratspräsident Koni Bruderer tritt per Ende 2021 zurück

An der Herbstsynode der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell kündigt Kirchenratspräsident Koni Bruderer seinen Rücktritt an.

Karin Steffen
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 Kirchenratspräsident Koni Bruderer (links) mit Bischof Markus Büchel.

Kirchenratspräsident Koni Bruderer (links) mit Bischof Markus Büchel.

Lukas Pfiffner (pf)

Synodalpräsidentin Sibylle Blumer begrüsste zur Herbstsynode der evangelisch-reformierten Landeskirche am vergangenen Montagmorgen 44 Synodale. Sieben Synodale haben sich entschuldigt. Blumer zeigte sich erfreut, dass die Synode unter Einhaltung der Schutzbestimmungen im Mehrzweckgebäude in Rehetobel physisch stattfinden konnte.

Im Namen des Kirchenrates informierte Kirchenratspräsident Koni Bruderer über den Stand der Dinge in Sachen Totalrevision der Kirchenverfassung. Demnach musste der Zeitplan den coronabedingt veränderten Umständen angepasst werden. Bruderer rechnet mit einer Volksabstimmung im Mai 2022 und dem Inkrafttreten der neuen Verfassung per 1. Januar 2023. Nach der zweiten Lesung im Kirchenrat soll der Entwurf von Februar bis April 2021 in die Vernehmlassung geschickt werden.

Weg für Fusionen ebnen

Unter den wichtigsten Anpassungen nannte Bruderer die nicht mehr explizit erwähnten Namen der Kirchgemeinden. Diese Änderung soll allfällige Kirchgemeindefusionen ermöglichen, ohne dass die Verfassung per Volksabstimmung geändert werden müsste. Ebenfalls soll in der neuen Verfassung der Grundsatz verankert sein, dass es einen Finanzausgleich geben wird. Wie dieser ausgestaltet sein wird, soll jedoch in den Reglementen festgehalten werden.

Die Herbstsynode der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell tagte coronakonform im Gemeindezentrum in Rehetobel.

Die Herbstsynode der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell tagte coronakonform im Gemeindezentrum in Rehetobel.

Bild: Karin Steffen

Die Synode wählte in die vorberatende Kommission Kirchenverfassung Martin Breitenmoser, Appenzell, Ann-Kathrin Dufeu-Liebing, Trogen, Verena Hubmann, Teufen, Hans Ulrich Sturzenegger, Herisau, Martina Tapernoux-Tanner, Heiden und als deren Präsident Marcel Steiner, Schwellbrunn.

Auf Stufe Kirchenrat nicht optimal aufgestellt

Kirchenratspräsident Koni Bruderer kündigte an, nicht mehr bis Ende der Legislatur im August 2022 im Amt bleiben zu wollen. Er wird auf Ende 2021 als Kirchenratspräsident zurücktreten. Er habe gemerkt, dass er mit seinen 68 Jahren nicht mehr die richtige Person sei, um die Landeskirche auf ihrem Weg in die Zukunft zu begleiten. Bruderer erklärte:

«Es ist Zeit geworden für jüngere Kräfte.»

Er stellt dabei fest, dass die Landeskirche auf der Stufe Kirchenrat nicht optimal aufgestellt sei. Von den Kirchenräten werde mit einem Pensum von 20 Prozent nebst der strategischen Führung auch operative Arbeit erwartet. Persönlichkeiten zu finden, die diese Anforderung erbringen können, werde zunehmend schwieriger.

Zum selben Schluss kommt auch die Geschäftsprüfungskommission. Sie beauftragte den Kirchenrat, mögliche Modelle zur Aufgabenteilung zwischen Rat und Geschäftsstelle zu erarbeiten und diese Erkenntnisse in die Verfassungsreform einfliessen zu lassen. Die Synode stimmt diesem Antrag zu.

Digitalisierung fordert Landeskirche

Eine Interpellation des Pfarrkonvents wünschte vom Kirchenrat Auskunft darüber, ob die Kirchgemeinden in den Bereichen Entwicklung und Förderung digitaler Medien unterstützt werden könnten. Kirchenrätin Regula Ammann wies darauf hin, dass Gottesdienste unbestritten das Kerngeschäft der Kirchgemeinden seien. Beim Thema Digitalisierung sei die Landeskirche jedoch gefordert. Ammann hält es für möglich, dass gemeinsam mit der Landeskirche St. Gallen eine Untergruppe Digitalisierung gegründet werde.

Magnet gibt zu reden

Intensiven Diskussionsbedarf sahen die Synodalen beim Antrag der Redaktionskommission des Kirchenblatts Magnet, um Anpassung des Reglements. Relativ knapp lehnte es die Synode ab, das Globalbudget von 150000 Franken um 10000 Franken zu erhöhen, um an den jährlich zwei Grossversande an alle reformierten Haushalte festzuhalten. Der Magnet wird zehnmal jährlich im Gratisabonnement an interessierte Mitglieder geliefert und zukünftig nur noch einmal jährlich an alle Haushalte.

Budget 2021 enthält einmalige Aufwendung über 95 000 Franken

Die Jahresrechnung 2019 schliesst mit einem Einnahmenüberschuss von 75000 Franken um rund 11000 Franken besser ab als budgetiert. Und das, trotz Mindereinnahmen von 40000 Franken bei den Landeskirchensteuern. Gemäss Kirchenrat Thomas Gugger führte die positive Kursentwicklung der Wertschriften im Betrag von 24000 Franken und verschiedene weitere Kosteneinsparungen zu diesem positiven Ergebnis. Das Budget 2021 schliesst mit einem Ausgabenüberschuss von 53000 Franken. Darin enthalten sind einmalige Aufwendungen über rund 95000 Franken. Dabei schlägt die Verfassungsrevision mit fast 50000 Franken und eine neue Website mit rund 25000 Franken einmalig zu buche.