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Es ist schön, frei zu sein

Brosmete
Paul Gisi

Ich liebe flockenleichte Begegnungen, Begegnungen, die tanzen, die sich nicht auf fest umrissene Grenzen einengen lassen. Ich bevorzuge die graziöse Tarantella gegenüber dem doch eher festgefügten Walzer. Nicht organisierte, spontane Begegnungen bergen viel Freiheit in sich, man kann spazieren gehen, in einer Bar Wein trinken, stundenlang unter einer Lichtlaterne diskutieren, ohne dass man merkt, dass es regnet. Man kann sich das Leben erzählen und dann «tschau» sagen und wie schwebend davoneilen und den Sternen zuwinken.

Eine Begegnung abzumachen, dass man sich dann und dann dort und dort trifft, bereitet mir Unbehagen, denn es kann ja der Fall sein, dass ich dann lieber schweigsam eine Sinfonie von Mozart hören möchte, in Bernhard von Clairvaux’ Ansprachen über das «Hohelied» Salomons lesen oder mich mit den Mayas beschäftigen möchte. Ich habe das Glück, pensioniert zu sein und keine Termine mehr einhalten zu müssen. Ich gehe pro Jahr nicht mehr drei oder vier Terminen nach, ich lebe schwebend in meiner Freiheit, lasse mich vom Wind wiegen, von der Strömung meines unterirdischen Unbewusstseins treiben, übergebe mich gern den variablen Intensionen der Augenblicke. Träume werden Wirklichkeit, Wirklichkeiten werden Träume. Das ist ein faszinierendes Erlebnis. Damit geht auch einher, dass mir jede Vernunft fragwürdig wird. Vernunft ist nur innerhalb eines starren Systems haltbar – und ­solche Systeme kenne ich nicht mehr. Es ist wunderschön, frei zu sein. Letzthin spazierte ich am Ufer eines Sees und traf einen alten Bekannten, den ich seit vierzig Jahren nicht mehr getroffen habe. Wir redeten, rabaukelten, rabuzzinzelten, rikonozottelten und tschilpten wie die Spatzen, gingen in eine Bar und tranken Brandy, teilten uns mit und fragten uns nach allerlei Wichtigem und Unwichtigem, lachten und rauchten wie zwei Kapitäne, deren Schiffe längst untergegangen waren, es war eine wunderbare Begegnung, schwebend in den Gezeiten des Alterns.

Paul Gisi

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