«Es ist jedes Mal ein Abenteuer»

OL-Läufer Patrick Zbinden aus Teufen hofft, dass sich der medizinische Vorbehalt im Hinblick auf die Teilnahme an der Junioren-WM in Norwegen auflöst. Er wird bis im Herbst im Norden bleiben, denkt schon ans nächste Jahr.

Lukas Pfiffner
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Patrick Zbinden: Derzeit noch in Teufen, bald in Norwegen und Schweden. (Bild: pf)

Patrick Zbinden: Derzeit noch in Teufen, bald in Norwegen und Schweden. (Bild: pf)

ORIENTIERUNGSLAUF. «Es ist unterwegs jedes Mal ein Abenteuer.» Die Kombination aus Ausdauer und Kartenlesen fasziniere ihn, sagt Patrick Zbinden. Er komme als OL-Läufer an Orte, die er sonst nicht kennen lernen würde. Wie in Regionen ganz hinten im Jura, weit unten im Tessin, hoch oben im Bündnerland. Oder man kommt nach Rauland (Norwegen): Der 19jährige Maturand aus Teufen, der seit vier Jahren der Sportschule Appenzellerland angehört, wird dort an der Junioren-WM teilnehmen. Fünf Rennen sind zwischen dem 5. und 10. Juli zu absolvieren. «Patrick Zbinden, Teufen, mit medizinischem Vorbehalt»: Der Vermerk auf der Medienmitteilung des Schweizer Verbandes bezieht sich auf eine Sehnenentzündung im Knie. Bei den letzten Selektionsanlässen litt er unter Schmerzen, erreichte in der Langdistanz nur den 9. Platz und musste den Berglauf auslassen. Aufgrund der vorherigen Resultate nahm ihn das Selektionsgremium trotzdem ins WM-Kader auf. «Ich bin zuversichtlich, dass ich bis zur WM fit werde.»

Zeitgleich mit Hellmüller

Patrick Zbinden ist erst mit 14 Jahren durch den älteren Bruder zum OL gekommen; die Familie wohnte noch in Engelburg. Er hatte sportlich als Läufer angefangen, ist auch heute noch Mitglied bei den Brühler Leichtathleten. Nach einem halben Jahr gehörte er bereits dem OL-Regionalkader an. «Das Laufen ist meine Hauptstärke; auf dem WM-Niveau hast du aber nur eine Chance, wenn du in jedem Bereich sehr gut bist. Ich habe mit der Karte in den vergangenen Monaten Fortschritte gemacht.» Geschieht das immer im Freien? «Ja. Das Umsetzen ist oft knifflig. Am Küchentisch weisst du stets, wo du durchlaufen müsstest . . .» Einer der jüngsten Höhepunkte war die SchweizerMeisterschaft im Sprint-OL. Zeitgleich mit Sven Hellmüller aus Speicher gewann er den Bewerb in Dornbirn. Hellmüller ist ehemaliger Absolvent der Sportschule und ebenfalls für die Junioren-WM selektioniert.

Der mentale Aspekt

Zwei weitere Angehörige der Sportschule Appenzellerland haben internationale OL-Einsätze vor sich: Eliane Deininger und Deborah Stadler sind für die Jugend-EM von Ende Juni in Rumänien selektioniert. 2014 gehörte Zbinden an der Junioren-WM in Bulgarien zu den Jüngsten. Es ging darum, Erfahrungen zu sammeln. Nun setzt er sich mit einem Top-15-Platz in einem der Einzelwettkämpfe ein ambitioniertes Ziel. «Die Skandinavier sind zu Hause schwierig zu besiegen.» Der mentale Aspekt gewinne an Grossanlässen an Bedeutung. Es gelte, sich von der Nervosität und von Äusserem nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. «Das können Läufer sein, das Wetter, der Speaker.»

Zwischenjahr und «Vollgas»

Patrick Zbinden schliesst in diesen Tagen die Kantonsschule Trogen (Schwerpunktfach Biologie/Chemie) mit der Matura ab. Bevor er ein Studium aufnimmt, hat er ein Zwischenjahr eingeplant, in dem er auf den Sport setzt. Nach der WM bleibt er im Norden, wird auf Vermittlung eines schwedischen OL-Vereins in Leksand bei einer Familie wohnen, trainieren und Wettkämpfe bestreiten. Auf Anfang Oktober ist die Rückkehr vorgesehen. Er hat vor, dann in einer Teilzeitanstellung zu arbeiten und sich intensiv auf die Junioren-WM 2016 in der Schweiz vorzubereiten: Zbinden ist dann letztmals beim Nachwuchs startberechtigt. «Da möchte ich Vollgas geben.» Auf durchschnittlich etwa zehn Stunden pro Woche beläuft sich sein Trainingsaufwand in der Sportschule, im Kader, im Club. Sein persönlicher Trainer Lukas Ebneter koordiniert die verschiedenen «Bausteine». OL ist auch logistisch anspruchsvoll. «Wir können nicht immer im gleichen Wald trainieren, das würde mit der Zeit nicht mehr viel bringen.» Je nachdem, wie der Untergrund und das Gelände der nächsten Wettkämpfe beschaffen sind, fahren die Läufer für ein Training zum Beispiel nach Schaffhausen. «Bei uns in der Ostschweiz kommt man halt wegen der vielen Dornen oft zerkratzt aus dem Wald heraus.» Er lacht darüber, bevor er für das Foto die Jacke des Nationalteams hervorholt.