«Es ist ein dankbarer Wettbewerb»

Der Nesslauer Reallehrer Lukas Heim hat bei neun Teilnahmen am Wettbewerb Traumlehre der Hans-Huber-Stiftung mit seinen Klassen sechsmal den ersten Preis gewonnen. Er betont, dass der Wettbewerb viel bringt im Hinblick auf die Berufswahl.

Martin Knoepfel
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Lukas Heim in seinem Schulzimmer mit der Projektarbeit aus einer früheren Klasse. Das Schiff wird von einer kleinen Dampfmaschine angetrieben. (Bild: Martin Knoepfel)

Lukas Heim in seinem Schulzimmer mit der Projektarbeit aus einer früheren Klasse. Das Schiff wird von einer kleinen Dampfmaschine angetrieben. (Bild: Martin Knoepfel)

Wie oft haben Sie sich mit Ihren Klassen am Traumlehre-Wettbewerb beteiligt?

Lukas Heim: Bisher neunmal. Sechsmal habe ich mit meinen Klassen den ersten Preis gewonnen und dreimal den zweiten oder den dritten Preis.

Weshalb beteiligen Sie sich mit Ihren Klassen immer wieder?

Heim: Es ist ein dankbarer Wettbewerb. Weil die Teilnahme einen grossen Aufwand erfordert, gibt es meist nicht mehr Teilnehmer als Preise. Der Wettbewerb ist wichtig, da es darin um die Berufswahl geht. Eines der Ziele der Realschule ist, dass die Schüler einen Beruf finden, der ihnen fünf bis zehn Jahre lang Befriedigung gibt.

Gibt es noch andere Gründe für eine Wettbewerbsteilnahme?

Heim: Ich unternehme gerne etwas mit den Schülern ausserhalb des Unterrichts. Zum Beispiel besorge ich mit meinen Klassen den Unterhalt des Vita-Parcours. Dabei lerne ich die Schüler von einer anderen Seite kennen. Vor der Teilnahme am Traumlehre-Wettbewerb bin ich schon mit meinen Schülern auf Baustellen gegangen. Wir haben fotografiert und die Fotos in Dias umgewandelt. Heute kommen die Filme und das Internet dazu.

Wie gross ist der Aufwand für die Teilnahme am Traumlehre-Wettbewerb für Sie und für die Schüler?

Heim: Diesmal hatten die Schüler relativ wenig Aufwand. Sie mussten auf die Baustelle gehen und dort filmen. Die Arbeiten, die während der Ferien ausgeführt wurden, habe ich gefilmt. Die Filme aufs Internet zu stellen, ist aufwendig. Früher habe ich nächtelang gearbeitet, bis das Resultat mich befriedigte.

Weshalb? Ist die Software der Schule veraltet?

Heim: Nein, aber mit der Software, das wir haben, können die Schüler das nicht machen. Ich habe einen einwöchigen Kurs besucht, um mit der Software umgehen zu können, wobei ein Profi natürlich viel mehr tun könnte. Es gibt zwar Programme, bei denen man ganz einfach Bilder einfügen kann, aber die sind gestalterisch sehr begrenzt. Es ist auch nicht Ziel das Wettbewerbs, dass die Schüler Homepages programmieren lernen.

Eine Ihrer Klassen hat für einen Film einen Überfall auf die Berufsberatung inszeniert. Jetzt wurde ein Film vom Bau eines Mehrfamilienhauses gedreht. Sind Sie Filmfan?

Heim: Das nicht, aber der Film ist ein attraktives Medium. Die Schüler haben beim Drehen den Plausch. Beim Dreh des Überfalls auf die Berufsberatung haben sogar Schüler der dritten Realklasse mitgespielt. Die Traktorfahrer waren Drittklässler. Die Jüngeren hätten das nicht tun dürfen. Dieser Film war meiner Ansicht nach der beste Beitrag, den wir je realisiert haben.

Sind die Jugendlichen jeweils Feuer und Flamme für den Wettbewerb, oder muss man sie dazu zwingen?

Heim: Ich führe in den beiden Parallelklassen zu Beginn des Schuljahres eine Abstimmung durch. Bisher war immer klar, dass wir am Wettbewerb teilnehmen. Natürlich gibt es Schüler, die begeistert sind, und andere, die das weniger gern tun. Nicht zu verachten sind die 1000 Franken Zustupf für die Klassenkasse. Damit können wir auf der zweitägigen Schulreise etwas unternehmen, das wir uns sonst nicht leisten könnten. Auf der nächsten Schulreise werden wir zum Beispiel eine geführte Schlauchbootfahrt auf der Aare machen.

Was sagen die Eltern zur Wettbewerbsteilnahme?

Heim: Ich denke, auch die Eltern schätzen die Wettbewerbsteilnahme. Sie sehen, dass wir etwas Vernünftiges tun. Von der Schulbehörde erhielt ich bisher ebenfalls positive Rückmeldungen. Den Schülern gefällt die Preisverleihung. Sie ist mit einem Ausflug der ganzen Klasse nach St. Gallen und einem guten Nachtessen verbunden.

Bestimmen Sie, mit welcher Idee Ihre Klasse sich am Traumlehre-Wettbewerb beteiligt, oder können die Jugendlichen da mitreden?

Heim: Die Themen kommen von mir, die Verpackung kommt oft von den Schülern. Eine Idee gibt jeweils die andere. Ich versuche, die Schüler so fest wie möglich einzubeziehen. Die Ideen müssen natürlich realisierbar sein.

Haben Sie schon eine Idee für den nächsten Wettbewerb?

Heim: Ja, das Thema, das mir vorschwebt, lautet: Was erwartet der Lehrmeister von mir, wenn ich in einem Betrieb schnuppern gehe? Die Schülerinnen und Schüler könnten als Reporterteams ausschwärmen und Interviews machen. Es braucht natürlich viel Unterstützung durch die Lehrkräfte. Man darf nicht erwarten, dass die Jugendlichen schon alles können.

Was bringt eine Auszeichnung beim Traumlehre-Wettbewerb den Jugendlichen, abgesehen davon, dass sie wohl den Plausch haben, wenn sie einen Film drehen?

Heim: Die Teilnahme am Wettbewerb Traumlehre ist auch Plausch, aber nicht nur. Das Thema Berufswahl ist im Lehrplan enthalten. Die Schüler müssen für den Wettbewerb in Berufe hinein schauen, mit denen sie sich sonst nicht beschäftigen würden. Sie müssen recherchieren, welches die Anforderungen und Inhalte eines Berufes sind, und darüber einen Text verfassen. Sonst müssten sie einfach einen Text zu einem anderen Thema schreiben.

Wie viel Zeit haben die Schüler für den Wettbewerb aufgewendet?

Heim: Bis die Texte fertig waren, die im neuesten Film gesprochen wurden, sechs bis acht Stunden pro Schüler. Beim Wettbewerb erstellt man eine Homepage. Den Hintergrund der Homepage bildet die Zeichnung einer Schülerin. Das Mädchen hat in der Schule drei Stunden daran gearbeitet und mindestens nochmals so viel Zeit zu Hause investiert. Das Ergebnis lässt sich denn auch sehen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, am Wettbewerb Traumlehre teilzunehmen?

Heim: Durch einen Kollegen, Rainer Lipp, der heute in Diepoldsau unterrichtet. Lange Zeit war es ein Wettbewerb zwischen uns, wer besser abschnitt.

Nesslau ist die einzige Schule im Toggenburg, die regelmässig am Wettbewerb teilnimmt. Weshalb?

Heim: Im Obertoggenburg ist Nesslau wirklich die einzige Schule. Sonst nehmen immer wieder Klassen aus Widnau und Diepoldsau, gelegentlich auch aus Appenzell, aus dem Thurgau, aus dem Fürstentum Liechtenstein und aus Rheineck teil. Das Linthgebiet fehlte bis jetzt. Man muss für die Wettbewerbsteilnahme einen gewissen Aufwand am Computer betreiben. Vielleicht ist das ein Hindernis.

Wollten Sie nie Sekundarschullehrer werden, obwohl diese früher mehr verdienten als die Reallehrer?

Heim: Nein. Ich habe mich zum Primarlehrer ausgebildet. Auf der Unterstufe gefiel es mir am besten, aber ich wollte auf eine Stufe wechseln, auf der ich fachlich stärker gefordert werde. Darum habe ich anschliessend die Ausbildung zum Reallehrer absolviert. Mir ist es ein Anliegen, mit schwächeren Schülern etwas zu erreichen. Wichtig ist mir auch, dass ich eine persönliche Beziehung zu den Schülern aufbauen kann. Ich sehe die Schüler wahrscheinlich mehr Stunden am Tag, als ihre Eltern sie sehen. Mit der Zeit ist man wie eine Familie. Ich habe es nie bereut, dass ich Realschüler unterrichte.

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