«Es hat schon zu viele Parkplätze»: Petition will den Bau eines Carports für Gemeindeangestellte in Speicher verhindern

In Speicher werden Unterschriften für eine Petition gesammelt. Die Gemeinde plant für die Erweiterung der Verwaltung zusätzliche Parkplätze unterhalb des Gemeindehauses. Das ist vielen Anwohnerinnen und Anwohnern ein Dorn im Auge.

Astrid Zysset
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Kämpfen für den Garten beim Gemeindehaus: Lukas Weibel, Mathilda Osterwalder und Brenda Osterwalder.

Kämpfen für den Garten beim Gemeindehaus: Lukas Weibel, Mathilda Osterwalder und Brenda Osterwalder.

Bild: Astrid Zysset

«Wir waren ziemlich irritiert, als wir von diesem Vorhaben hörten», sagt Brenda Osterwalder aus Speicher. Ihre Tochter Mathilda, die auch als Vertreterin der Klimagruppe Appenzell Ausserrhoden anwesend ist, ergänzt: «In Zeiten der Klimakrise und des rasanten Artenschwunds ist das ein unhaltbarer und unzeitgemässer Vorschlag.» Die Gemeinde Speicher plant im Rahmen der Abstimmungsvorlage zur räumlichen Entwicklung der Verwaltung unterhalb des Gemeindehauses die Erstellung eines Parkplatzes für die Mitarbeitenden. Dafür müsste allerdings ein rund 600 Quadratmeter grosser Gemüsegarten weichen.

Lukas Weibel wohnt gleich angrenzend an den Garten und ist empört: «Diese grüne Oase ist charakteristisch für unser Dorfbild. Sie entspricht einem Kulturgut.» Die Empörung einiger Bewohnerinnen und Bewohner bündelt sich in einer Petition, welche eine Gruppe lancierte, zu der auch Osterwalders und Weibel gehören. Die Bittschrift will nicht in erster Linie ein Nein an der Urne forcieren. Eine Abstimmungsempfehlung ist darum auf dem Petitionsbogen nicht zu finden. Aber:

«Wir sind der Meinung, dass durch eine zeitgemässe Parkplatzbewirtschaftung die bereits vorhandenen Parkplätze in unserer Gemeinde effizienter genutzt werden können. Öffentliche Parkplätze, auch jene für Gemeindeangestellte, sollten alle bewirtschaftet werden.»

Eine grosse Menge nicht bewirtschafteter Parkplätze würde ein falsches Zeichen setzen. «Das ist kurzfristig gedacht. Weder werden Einnahmen generiert, noch machen sie das Dorf lebenswert», so Weibel weiter. Er findet, dass die Gemeinde ein Zeichen setzen und der «Verschandelung» des Ortsbildes Einhalt gebieten soll. Hierfür soll sie gemäss Meinung des Petitionärs auch ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten bei den Gemeindeangestellten fördern.

Ein Symbol für eine bessere Parkplatzbewirtschaftung

Die Speicherer Gemeinde sei gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, ergänzt Brenda Osterwalder. Wer dennoch mit dem privaten Fahrzeug ins Gemeindehaus müsse, findet ausreichend freie Parkplätze am Bahnhof, bei den Schulen und im Zaun. Ein zusätzlicher Parkplatz unterhalb des Gemeindehauses sei daher nach der Meinung der Petitionäre nicht notwendig. «Möglichst viele Parkmöglichkeiten tragen nicht zur Attraktivität unseres Ortes bei», führt Brenda Osterwalder aus.

«Einen Beitrag hierzu würden eher Grünflächen oder Gärten leisten. Vor allem ein solch schöner wie dieser hier im Dorfzentrum.»

Der Garten unterhalb des Gemeindehauses soll deshalb zum Symbol für die in den Augen vieler Anwohner mangelhaften Parkplatzkultur in Speicher werden.

Gesammelt wird bis zum 5. September

Seit dem 4. August sammelt die Petitionsgruppe mittlerweile Unterschriften. Die ersten Echos aus der Bevölkerung seien ermutigend, so Lukas Weibel. Die erhoffte Anzahl liegt bei 500. Am Umwelt-Aktionstag vom 5. September beim Schulhaus Buchen wird die Unterschriftensammlung abgeschlossen; an diesem Tag wird unter anderem auch die Ausserrhoder Klimagruppe, welche die Petition unterstützt, mitwirken. Danach erfolgt die Übergabe an Speichers Gemeindepräsidenten, Paul König. Über das Projekt zur Erweiterung der Verwaltung wird am 27. September abgestimmt.