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Es gibt sie noch!

Brosmete

Ich warf einen kurzen Kon­trollblick ins Portemonnaie und erschrak. Meine Halbtaxkarte fehlte. Sie lag normalerweise im gleichen Fächlein wie die Karte der Rega und die Identitätskarte, gegenüber denen von Coop und Migros. Diesmal nicht. Wann hatte ich sie zum letzten Mal gebraucht? Bei einer Wanderung? Steckte sie noch in der Tasche irgendeiner Jacke oder in einem Rucksack? In einer kurzen Suchaktion durchwühlte ich erfolglos Säcke und Schubladen, warf alles durcheinander. Die Zeit war knapp, bald ging mein Zug. Fünfzehn Minuten später stand ich vor dem Billettautomaten. Winterthur retour! Sollte ich jetzt ein halbes Billett lösen oder musste ich wohl oder übel ein ganzes nehmen. Ehrlich gesagt, das Geld für ein ganzes reute mich. Aber schon sah ich mich als Schwarzfahrerin, schuldbewusst mit glühenden Wangen, neben mir ein Kondukteur mit strengem Gesicht. Das war mir nur einmal passiert in meinem Leben, und da war ich noch nicht zwanzig. Wie ich mich damals geschämt hatte! Wofür sollte ich mich entscheiden? Lange hatte ich nicht zu überlegen. Fragen konnte ich niemanden. Der Zug hielt bereits an. Ich stieg ein und atmete tief durch. Mein Gewissen war rein. Ich hatte ein ganzes Billett gelöst. Die Kontrolle durfte ruhig kommen. In Gossau wechselte ich von der Appenzellerbahn in die SBB. Schon erschien eine Kondukteurin. Ich streckte ihr mein Billett entgegen und fragte sie, wie ich in einem solchen Moment hätte handeln sollen. Ich dürfe ruhig mit einem halben Billett fahren. Ich müsse nur fünf Franken Aufpreis bezahlen, weil ich den Ausweis nicht bei mir habe. Sie setzte sich zu mir, kontrollierte via iPhone meine Daten, gab das Geld zurück, das ich zu viel bezahlt hatte, und schenkte mir ein Lächeln. Es gibt sie immer noch, trotz moderner Technik, die freundlichen, hilfsbereiten Bahnangestellten.

Esther Ferrari

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