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«Es gibt kein Ost und kein West»

TEUFEN .In der katholischen Kirche Teufen war gestern jemand zu Gast, der ganz nah an einem Thema dran ist, das die Menschen weltweit bewegt: Roberto Simona ist Nahostkorrespondent und Mitarbeiter von «Kirche in Not».
Chris Gilb
Diakon Stefan Staub im Gespräch mit dem langjährigen Nahostkorrespondenten Roberto Simona zur Lage der Christen im Kriegsgebiet. (Bild: cg)

Diakon Stefan Staub im Gespräch mit dem langjährigen Nahostkorrespondenten Roberto Simona zur Lage der Christen im Kriegsgebiet. (Bild: cg)

Nächsten März soll von Teufen aus ein Konvoi mit Hilfsgütern nach Dohuk in die autonome Republik Kurdistan aufbrechen. Organisiert wird er von der katholische Pfarrei. Da passte es zum Thema, dass der Gast des gestrigen Predigt-Gesprächs der Tessiner Roberto Simona war. Er ist schon seit Jahrzehnten als Korrespondent verschiedener Medien in die Kriegsgebiete dieser Welt gereist. Auch engagiert er sich für das Hilfswerk «Kirche in Not». Simona begann sein Referat damit, laut über einen Satz nachzudenken: «Liebe bedeutet Engagement», habe ihm jemand gesagt. Dann erzählte er von Menschen, die aus Liebe zur Familie, zum Staat, zur Heimat oder ihrer Religion als Engagement schreckliche Taten vollbrachten, und von einem Interview mit einem Gefängnisdirektor, der Kriegsgefangene foltern liess. Es sei sein erster Besuch an einem solchen Ort gewesen, und er habe den Direktor sofort mit dem Hinweis, dass Folter nach internationalen Konventionen illegal sei, konfrontiert. Der Direktor habe ihm vorgehalten, wie naiv er sei, hätten doch die Gefangenen Informationen, die das Leben von Familien und Kindern retten können. «Gutes» durch Böses tun, war der zweite Gedanke, den er für das Publikum formulierte. Dann ging er auf ein Interview mit einer Afrikanerin ein, die während eines Krieges schreckliche Greueltaten verübt hatte. Der Satz, dem sie ihm im Interview gesagt habe, hätte ihn nicht losgelassen: «Auch du hättest dies getan.»

Christentum keine Identität

Und dann sprach er von einer verfolgten Christin, die alles verlor und jetzt in einem Flüchtlingslager lebt und sagte, die beste Antwort auf all den Schrecken sei, Gott und das Evangelium noch intensiver zu leben. Das Christentum sei nicht gebunden an eine Identität, wie einen Weihnachtsbaum oder andere Objekte, schliesslich gäbe es in christlichen Ländern unterschiedliche Bräuche, sondern sei eine Botschaft, sagte Simona. Und die Lösung sei nicht, sich abzukapseln. Auch er sei nicht naiv und habe Verständnis für christliche Dörfer im Nahen Osten, die aus Angst keine Moslems mehr dulden. Doch wie könne die christliche Botschaft verbreitet werden, wenn man andere nicht zu sich lasse? In Syrien etwa, so Simona, würde jedes Land, auch die westlichen Länder, seine eigenen Interessen mit Hilfe der kämpfenden Parteien vom IS bis zum Assad-Regime durchsetzen wollen und dazwischen die einfachen leidenden Menschen vergessen.

Taten der USA auch schrecklich

Für ihn gäbe es auch kein Ost und West, antworte er Diakon Staub auf die Frage, was zwischen Ost und West passiert ist, dass es der Welt so geht. «In Harvard oder Oxford studieren Reiche aus Ost und West, sie lesen die gleiche Literatur und gehören alle zur gleichen globalisierten Oberschicht, die im Widerspruch zur Realität der meisten Menschen steht.» Man dürfe auch nicht glauben, dass dies, was die USA in Irak getan hätten, weniger schrecklich sei, als das, was der IS jetzt mache. Vielleicht weniger primitiv, aber dies hätte auch mit dem Bildungsunterschied zu tun.

Erst der Respekt, dann die Liebe

Simona sagte, das Wichtigste, was Menschen aus anderen Kulturen, die nach Europa kommen, anerkennen müssten, sei die Religionsfreiheit. Ihm sei es egal, ob jemand ein Kopftuch trage, aber auch wenn es ihm nicht gefalle, sollte sein Sohn Moslem werden können und ein Moslem Christ sein dürfen. Es gäbe universelle Werte, deren Akzeptanz er von jedem Menschen verlange. «Erst, wer einen Menschen respektiert, kann er ihn irgendwann auch liebenlernen», sagte Simona.

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