Erzählungen, die ermutigen

NECKER. Das Sommerfest in der Neckermühle baut auf seinem bewährten Ablauf auf, mit Musik, Essen aus verschiedenen Kulturen und vielseitigen Begegnungen. Asylsuchende aus Eritrea, Sri Lanka, Afrika oder Libanon zeigten den Besuchern ihre Kultur auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Kathrin Burri
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Musiker aus der Gruppe Kobo Kobo begeisterten das Publikum mit den für Schweizer Ohren sehr orientalischen Klängen. (Bild: Kathrin Burri)

Musiker aus der Gruppe Kobo Kobo begeisterten das Publikum mit den für Schweizer Ohren sehr orientalischen Klängen. (Bild: Kathrin Burri)

Der Kaffee, den die Frau aus Eritrea für die Gäste im orientalischen Zelt anbietet, ist so stark und so süss, dass den ganzen Abend über bestimmt keine Mattigkeit mehr aufkommen kann. Aus einem kleinen irdenen Krüglein lässt sie ihn von hoch oben einfliessen. Auf einem Kohle-Öfchen wurde er gekocht. Zucker ist zuvor schon reichlich ins Tässchen geschöpft worden – köstlich und heiss ist das Getränk.

Fröhliches, ermutigendes Fest

Auf dem grossen Gartengrundstück der Neckermühle tummeln sich die Kinder mit Gekreische, mit Wasserspritzen, Seifenblasen, Rutschbahn und Klettergerüsten. Daneben sitzen Erwachsene auf Stühlen und in Gruppen. Manche der Frauen haben sich herausgeputzt, tragen bunte Tücher und Kleider. Es sind aktuell Bewohnende der Neckermühle, Gäste aus der Umgebung und solche, die einst hier wohnten.

Zum Beispiel die junge Frau aus Sri Lanka, die stolz von ihrer eigenen Wohnung erzählt, der bestandenen Fahrprüfung und der Festanstellung. Oder der junge Mann aus Afrika, der unterdessen die Prüfung zum Pflegefachmann erfolgreich abgeschlossen hat und im Spital arbeitet. Sie haben das Aufnahmeverfahren geschafft und den Schritt in die Eigenständigkeit. Es sind Erzählungen, die ermutigen und hoffen lassen auf Normalität und Alltag aus belasteter Situation. Sie sprechen aber auch von Engagement aller Beteiligten wie auch auf Seiten der Arbeitgeber.

Gutes Hausklima

Bernhard Hummel, Leiter des Zentrums, weiss: «Das Fest soll ein schöner Tag für unsere Leute und für die Ehemaligen sein.» Er berichtet, dass die Neckermühle gut in der Umgebung etabliert sei und dass es kaum zu Beanstandungen aus dem umliegenden Dorf komme.

In der Neckermühle legen die Verantwortlichen Wert darauf, die Flüchtlinge in die Gepflogenheiten der Schweiz einzuführen, so Hummel, und ihnen dadurch die Akzeptanz der Bevölkerung leichter zu machen. Die jetzige Zusammensetzung von Asylsuchenden, vor allem der Menschen aus Eritrea, würde diesen Anweisungen folgen.

Rundgänge durch das Haus gaben Einblick in die Wohnsituation. Beat Menzi, der für die Hausführungen zuständig ist, erzählt über die gute Stimmung und das problemlose Zusammenleben, das im Haus herrsche. Die Bewohnenden sind alle selber für ihr Essen zuständig und kochen individuell in der Gemeinschaftsküche. Ein bestimmter Geldbetrag pro Woche wird ausbezahlt, Zusatzgeld kann man sich durch vorgegebene Zusatzarbeiten erwerben. Bussen, wenn man zum Beispiel erst nach Schliessung der Haustüre heimkommt, geben Ab-zug.

Bewährter Ablauf

Das Essen ist immer mit ein Grund, das Sommerfest zu geniessen.

Dieses Jahr zum Beispiel wegen des erfrischenden Salats aus Libanon oder der bewährten Pizza, die selbst belegt werden kann, gebacken im neuerbauten Pizzaofen. Auch wegen der Musik sind viele gekommen. Die Gruppe Kobo Kobo aus Afrika oder Simon Bäbler mit seinem Alphorn, Christian Berger mit der Oud, einer arabischen Laute, machen froh, lassen tanzen, lassen nachsinnen über die Herkunft der Klänge und die Gemeinschaft, die das Fest stiftet. Spätestens sicher nach 22 Uhr abends, als Heiner Bolt die Disco wieder in Betrieb nimmt und all die Frauen und Männer, die Gäste, ausgelassen tanzen und in die Hände klatschen.

Heiss und sehr süss ist der Kaffee, zubereitet nach Art der Eritreer.

Heiss und sehr süss ist der Kaffee, zubereitet nach Art der Eritreer.

Die Besucher liessen sich Bilder mit Henna auf die Haut malen.

Die Besucher liessen sich Bilder mit Henna auf die Haut malen.