«Erweiterung bei Werkstätten»

Nachgefragt

Merken
Drucken
Teilen

Seit zehn Jahren besteht der Neubau des Massnahmenzentrums Bitzi in Mosnang. Der Direktor des Zentrums, Claudio Vannini, erläutert im Gespräch die Veränderungen, die sich in dieser Zeit im Massnahmenvollzug ergeben haben. Der Kanton plant im Bitzi eine Erweiterung der Werkstätten. In der Ostschweiz gibt es laut Claudio Vannini im Moment genug Plätze im Massnahmenvollzug. Vergangene Woche wurde das 10-jährige Bestehen des Neubaus mit einer gutbesuchten Fachtagung zum Thema «Dark-net» begangen (Bericht im ­«Toggenburger Tagblatt» vom 25.AABB22März).

Hat sich der Neubau von 2006 im Rückblick bewährt?

Ja, auf der Ebene des Betriebs hat sich der Neubau absolut bewährt. Die Fachtagung vom letzten Donnerstag fand ja in einem Teil des Neubaus statt.

Sind für die nächsten Jahre Erweiterungen oder andere bauliche Massnahmen im Massnahmenzentrum Bitzi (MZB) geplant?

Ja, wir planen eine Erweiterung, aber nicht im Wohnbereich , sondern bei den Werkstätten im geschlossenen Bereich. Wir brauchen mehr Raum. Das Projekt ist am Laufen.

Wann werden Sie das Projekt realisieren?

Ich gehe von einem Baubeginn im Jahr 2018 und von der Inbetriebnahme 2019 aus.

Warum sollen die Werkstätten erweitert werden? Werden Sie neue Ausbildungs­wege im MZB anbieten?

Nein, die möglichen Berufslehren im MZB ändern sich nicht. Wir wollen aber die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und der Insassen sowie das Materialmanagement verbessern. Dieses ist sehr ungünstig. Ursprünglich waren die Insassen drei bis sechs Monate in der geschlossenen Abteilung. Jetzt sind es rund zwölf Monate. Da braucht es anders konzipierte Arbeitsplätze als früher. Ursprünglich waren die Arbeitsplätze eher als Beschäftigungsplätze konzipiert.

Ist deswegen eine Auf­stockung oder eine Reduktion der Zahl der Mitarbeiter zu erwarten?

Weder noch. Der Ausbau der Werkstätten erfolgt personalneutral. Das MZB ist schon heute das Massnahmenzentrum mit dem tiefsten Personalschlüssel.

Wie hat sich der Massnahmenvollzug in den letzten zehn Jahren verändert und wie wird er sich in den nächsten zehn Jahren verändern?

Vor zehn Jahren ging man davon aus, dass die Schritte in Richtung Öffnung rascher erfolgen könnten. Heute ist das Bedürfnis der Gesellschaft nach Sicherheit gewachsen. Deshalb ist der Bedarf an geschlossenen Plätzen gestiegen. Wie die Verhältnisse in zehn Jahren sind, kann ich nicht sagen. Ich kann aber sagen, dass die Ostschweiz im Moment mit Plätzen im Massnahmenvollzug gut versorgt ist. Gesamtschweizerisch braucht es dagegen mehr Massnahmenplätze in psychiatrischen Kliniken.

Was ist einfacher zu leiten, ein Massnahmezentrum oder eine Haftanstalt?

Wenn Sie den Direktor einer Haftanstalt fragen, würde er wohl sagen: «Eine Haftanstalt.» Wenn Sie den Direktor eines Massnahmenzentrums fragen, würde er das Gleiche über das Massnahmenzentrum sagen. Beide Kategorien von Anstalten haben spezifische Tücken und Anforderungen. Wenn beide Regimes unter einem Dach vorhanden wären, was das Strafgesetzbuch jedoch ausschliesst, würden die Führungsprobleme wohl zunehmen.

Wie hoch ist der Anteil der entlassenen Insassen des MZB, die rückfällig werden, und wie steht das MZB im Vergleich mit anderen Massnahmenzentren da?

Da kann ich keine Auskunft geben. Wir sind ein Massnahmenzentrum und haben keine Möglichkeit, wissenschaftliche und statistische Erhebungen durchzuführen. Die Antwort auf diese Fragen würde uns brennend inter­essieren.

Wie verhindern Sie, dass die Insassen des MZB im Darknet surfen?

Man kann sich mit dem Browser Tor auch im legalen Bereich bewegen. Die Insassen des MZB haben keinen Zugang zum Internet. Wenn die Insassen der offenen Abteilung Urlaub haben, erhalten Sie ein Handy. Wenn sie aus dem Urlaub zurückkehren, müssen sie es wieder abgeben. Wir kontrollieren natürlich stichprobenweise die Post und Pakete der Insassen sowie diese selber.

Welche Herausforderungen stellen sich durch die Einwanderung aus Kriegsgebieten?

Keine besonderen. Im Massnahmenvollzug sind 80 Prozent der Insassen Schweizer. Das Verhältnis Schweizer–Ausländer ist gerade umgekehrt gegenüber dem Strafvollzug.

Wie gross ist die Bedeutung des MZB als Arbeitgeber und als Einkäufer von Waren und Dienstleistungen?

Das MZB umfasst 61 Vollzeitstellen. Wir sind also ein bedeutender Arbeitgeber in Mosnang. Wir sind regional stark verankert und haben gute Kontakte zum Gewerbe. Wir schauen darauf, Aufträge regional zu vergeben, soweit die Submissionsvorschriften das zulassen. (mkn)