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ERSTLING: Hommage an den Midnight-Snack

Mit dem Film «Late night, darling» haben Natasha Zünd und Johanna Scheurer den ersten Preis am 6. Ostschweizer Kurzfilmwettbewerb gewonnen. Das Filmdébut zeigt hungrige Menschen in der Nacht.
Mea Mc Ghee
Szene des Kurzfilms «Late night, darling».

Szene des Kurzfilms «Late night, darling».

Mea Mc Ghee

mea.mcghee@appenzellerzeitung.ch

Eine junge Frau liegt auf dem Bauch, sie klaubt ein Schokobonbon aus einer Schüssel, steckt es in den Mund. Musik setzt ein, die Frau liegt nun auf dem Rücken, sie scheint müde, taucht ihren Daumen in die Schlagrahmhaube einer Torte, schleckt ihn ab. Dann dreht sie sich auf den Bauch, legt den Kopf in die Arme, schlenkert mit den Beinen, lauscht der Musik.

Es ist die Anfangsszene des Films «Late night, darling», dem Erstlingswerk von Natasha Zünd aus Speicherschwendi und ihrer ehemaligen Studienkollegin Johanna Scheurer. «Der Film ist eine Hommage an den Mitternachts-Snack», sagt Zünd. Die beiden jungen Filmemacherinnen erzählen in intimen Bildern von Menschen, die nach einer Party auf dem Heimweg vom Ausgang oder in einer einsamen Nacht plötzlich vom Hunger übermannt werden. «Man schaut, was noch im Kühlschrank ist, isst komische Sachen, hängt den Gedanken nach», beschreibt Zünd die Situation, die wohl jeder schon erlebt hat. Mit ihrer Idee und der filmischen Umsetzung haben die beiden Frauen in der Kategorie «Über 20 Jahre» den ersten Preis am 6. Ostschweizer Filmwettbewerb gewonnen.

Ohne Erwartungen teilgenommen

Natasha Zünd ist in Speicherschwendi aufgewachsen. Nachdem sie die Kunstmatura in Kreuzlingen absolviert hatte, studierte sie an der Zürcher Kunsthochschule Style und Design. Im Sommer schloss die 25-Jährige ihr Studium ab. Nun arbeitet sie vorübergehend in einer Bar. «Vielleicht mache ich den Master oder gehe nächstes Jahr nach London», nennt sie mögliche Zukunftspläne. Johanna Scheurer war ihre Studienkollegin. Sie hätten einige Projekte zusammen realisiert, das erste grosse sei der Kurzfilm gewesen. Durch einen Flyer seien sie auf den Filmwettbewerb aufmerksam geworden. «Ohne Erwartungen haben wir den Film eingereicht. Zum Glück», sagt Natasha Zünd. Ein wenig stolz seien sie schon auf den Preis.

Eine fünfköpfige Jury wählte unter den 82 eingegangenen Beiträgen die besten Kurzfilme und Musicclips 2016. Die 31 nominierten Filme wurden Anfang Dezember im ehemaligen Kino Palace in St. Gallen präsentiert. «Ich war beeindruckt von der Bandbreite der Beiträge, gerade auch in der Kategorie «Unter 20 Jahren». Und es war ungewohnt, unseren Film plötzlich statt auf dem Laptop auf der Leinwand zu sehen», sagt Natasha Zünd. Spannend fand sie die Reaktionen des Publikums. So hätten sich einige gefragt, wie und ob die Szenen zusammenhängen. Es sei jedem offen, Verbindungen herzustellen, sich Geschichten auszudenken.

Die Akteure mussten viel essen

Und wie gingen Zünd und Scheurer an den Dreh ran? «Wir schrieben ein Storyboard, hatten Stimmungen im Kopf, die wir zeigen wollten», so die 25-Jährige. Beide hätten alles gemacht: gedreht, geschnitten, Musik gewählt. Anspruchsvoll sei die Beleuchtung gewesen, da die Stimmung der Nacht trotz Einsatz von Kunstlicht erhalten bleiben sollte.

Die Akteure stammen aus dem Umfeld der beiden Filmerinnen. «Sie mussten während des Drehs viel essen, da wir verschiedene Einstellungen ausprobierten», sagt Natasha Zünd und lacht. Etwa drei Döner nacheinander oder einen ganzen Topf Spaghetti. «Es herrschte jeweils eine gute Stimmung am Set.»

Eine Sequenz zeigt eine Frau im Bett, sie schaut auf dem Laptop einen Film, knabbert Cerealien aus einer Kartonpackung. Irgendwann gähnt sie, die Augen fallen ihr fast zu. «Das ist nicht gespielt», so Zünd. Der Dreh dauerte einige Wochen, meist nachts, einige Szenen wurden verworfen. «Wir probierten aus, was schön wirkt.» Wichtig und schwierig sei die Musikwahl gewesen. Da «Late night, darling» ohne Worte auskommt, hat die Musik eine grosse Bedeutung.

Der Erfolg am Filmwettbewerb weckte die Lust auf weitere Projekte. «Dank des Preisgeldes ist die Grundlage da, einen weiteren Film zu drehen», sagt Natasha Zünd. Ein Musicclip würde sie reizen.

Filmtip

Die ausgezeichneten Beiträge des Ostschweizer Kurzfilmwettbewerbes sind zu sehen unter: www.filmwettbewerb.ch

Johanna Scheurer und Natasha Zünd. (Bilder: PD)

Johanna Scheurer und Natasha Zünd. (Bilder: PD)

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