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Zeitungsjubiläum Serie: Erster Journalist im Appenzellerland

Vor 190 Jahren rief ein Arzt aus Wald die Appenzeller Zeitung ins Leben. Heute gilt das Wirken von Johannes Meyer als Pionierleistung. Mit seiner Plattform für radikale Liberale eckte der Appenzeller oftmals an.
Martin Schneider
Mit spitzer Feder kommentierte Johannes Meyer Ereignisse im In- und Ausland. (Bild: PD)

Mit spitzer Feder kommentierte Johannes Meyer Ereignisse im In- und Ausland. (Bild: PD)

Dem Appenzellerland eine eigene Stimme geben. Mit diesem Ziel entstand vor 190 Jahren die Appenzeller Zeitung. Am 5. Juli 1828 erschien zum ersten Mal dasjenige Blatt, welches mit seinen äusserst liberalen Positionen für Aufsehen sorgte und des öfteren auch aneckte. Kopf dieser Zeitung war Johannes Meyer, Gründer Appenzeller Zeitung, Redaktor der ersten Stunde und Arzt in Trogen.

1799 in Wald geboren, wuchs Johannes Meyer in ärmlichen Verhältnissen auf. Über seine frühen Lebensjahre ist wenig bekannt. Sein Bildungsweg begann an der Dorfschule von Wald und setzte sich mit Privatunterricht beim dortigen Pfarrer fort. Später folgte eine Ausbildung beim Arzt Johannes Georg Schläpfer in Trogen. Allmählich reifte während dieser Zeit auch sein Entschluss, eine Hochschule zu besuchen. Sein Interesse an der Medizin führte den mittlerweile 20-Jährigen schliesslich für sein Medizinstudium ins Ausland. Je ein Jahr verbrachte er in Tübingen und in Paris. Die ihm Zeit seines Lebens attestierte Fleissigkeit schien sich bereits während der Studienzeit deutlich gezeigt zu haben. In einer 1833 erschienen, von einem unbekannten Autor verfassten Biographie, steht über den Studenten Meyer:

«Er lebte äusserst zurückgezogen und arbeitete mit ungemeinem Fleisse. An den Freuden der Burschenwelt nahm er so gut als keinen Theil.»

«Er lebte äusserst zurückgezogen und arbeitete mit ungemeinem Fleisse. An den Freuden der Burschenwelt nahm er so gut als keinen Theil.» Die Studienzeit fiel mit lediglich zwei Jahren kurz aus, dürfte aber unter anderem dem Umstand geschuldet gewesen sein, dass er befürchtete, bei längerer Abwesenheit den Eltern zu viel Kummer und Entbehrungen zu bereiten. Zudem dürfte für den aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Meyer auch die finanzielle Belastung eines Studiums gross gewesen sein. Nach seiner Rückkehr führte Meyer zunächst eine Praxis in seinem Geburtsort und ab 1822 in Trogen.

Meyers erste publizistische Versuche

Schenkt man dem unbekannten Autor seiner Biographie von 1833 Glauben, dann war Johannes Meyer keineswegs schon immer politisch interessiert gewesen. «Doch fügen wir denselben die Bemerkung bei, dass er auch in Paris, wie in Tübingen, ganz seiner Wissenschaft angehörte und sich um Politik so wenig bekümmerte, dass er z.B. nie einer Sitzung der Kammer beiwohnte.» Dies muss sich nach der Studienzeit rasant geändert haben. 1824 wurde Meyer Ratsherr und Gemeindeschreiber in Trogen, von 1828 bis 1832 war er Gemeindehauptmann und Ausserrhoder Grossrat.

Bereits 1825 gab er seine Arztpraxis auf und wagte ab dann seine ersten publizistischen Versuche als Herausgeber des Appenzellischen Monatsblattes, das zu kantonalen politischen und landeskundlichen Problemen Stellung nahm. Kurz vor der erstmaligen Veröffentlichung der Appenzeller Zeitung am 5. Juli 1828, eröffnete Johannes Meyer zusammen mit seinem Schwager Johann Ulrich Zuberbühler eine Druckerei in Trogen mit angeschlossenem Verlag. Von nun an nutze er die zuerst als Wochenblatt erscheinende Appenzeller Zeitung, um seine Ansichten und Positionen sowie diejenigen von anderen radikalen Liberalen kund zu tun. Dabei legte er auch seine «ungemeine Schüchternheit» ab, von der in seiner Kindheit noch die Rede gewesen war. Beim Schreiben zeigte er eine spitze Feder und schockierte durch seine teilweisen kecken Angriffe manchen konservativen Politiker. Bereits im August 1828 diskutierte die Tagsatzung über ein Verbot der Appenzeller Zeitung. Soweit sollte es aber abgesehen vom Kanton Bern nicht kommen.

Kurzes Leben und Pionierleistung

Die Hauptmotivation, eine eigene Zeitung herauszugeben, begründete Meyer in der ersten Ausgabe wie folgt: «Es ist uns Appenzellern fast zur zweiten Natur geworden, nur Andere über uns, unser Land und Verfassung schreiben und urtheilen zu lassen, ohne dagegen etwas zu erwiedern oder auf gleichem Wege ihnen auch unser Urtheil über die Einrichtungen Sitten und Gebräuche der Staaten, denen sie angehören, abzugeben.» Die Appenzeller Zeitung des 19. Jahrhunderts wird im Rückblick als eines der radikalsten deutschsprachigen Blätter beschrieben, welches radikalen Liberalen aus der ganzen Schweiz eine Plattform bot. Dies war vor allem dem Umstand geschuldet, dass in Appenzell Ausserrhoden die Pressefreiheit zur damaligen Zeit weiter fortgeschritten war als in anderen Kantonen.

Johannes Meyer selbst konnte an «seiner» Zeitung nur noch wenige Jahre mitwirken. Bereits 1833 starb er an Auszehrung. In Erinnerung bleibt ein Mann, der gemäss dem Historiker Walter Schläpfer «in einem kurzen Leben auf dem Gebiet der Presse wahre Pionierdienste geleistet» habe und für den Meyer nichts weniger «als der erste Journalist im Appenzellerland» war.

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