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Zeitungsjubiläum Serie: Erste Ausgabe der Appenzeller Zeitung gibt den Tarif durch

Zwischen der ersten «Appenzeller Zeitung» von 1828 und den heutigen Ausgaben liegen Welten. Eine Zeitung wie im Stile von damals wäre heute wohl undenkbar. Ein Blick zurück zum 5. Juli vor 190 Jahren.
Roger Fuchs
Gewaltige Veränderung: Ein Vergleich zwischen der ersten Appenzeller Zeitung vom 5. Juli 1828 und der Jubiläumsausgabe vom 5. Juli 2018. (Bild: Roger Fuchs)

Gewaltige Veränderung: Ein Vergleich zwischen der ersten Appenzeller Zeitung vom 5. Juli 1828 und der Jubiläumsausgabe vom 5. Juli 2018. (Bild: Roger Fuchs)

Bilder sucht man in der ersten Ausgabe der «Appenzeller Zeitung» aus dem Jahre 1828 vergebens. Auch das Format war damals ein anderes. Wer die erste «Appenzeller Zeitung» in den Händen hält, sieht sich einer reinen Bleiwüste gegenüber. Auffallend ist jedoch, dass schon in den Anfängen nicht nur über die Region berichtet wurde, sondern die Zeitung politische Situationsberichte aus allerlei Ländern brachte. Und schaut man sich den Einführungsartikel der ersten Nummer genauer an, so schien der Blick über den Tellerrand exakt eines der Ziele der «Appenzeller Zeitung» zu sein.

«Sie wird auch erzählen, wie es im Auslande zugeht»,

schrieb Johannes Meyer, der Gründer der «Appenzeller Zeitung» in seinem Eröffnungsartikel. Gleichzeitig gab er den Tarif durch und machte klar, dass man sich von Kritikern nicht einschüchtern lassen wird. Durch den Aufschrei, den die Berichte und Kommentare in dem der Zeitung vorangehenden Monatsblatt auslösten, würde man sich nicht irremachen lassen. Im Gegenteil: Die angetretene Bahn werde festen und sicheren Trittes fortgesetzt, hielt Meyer damals fest. Oscar Alder, Autor der Jubiläumsschrift zum 100. Geburtstag bezeichnete darin den Gründer als «Ritter ohne Furcht und Tadel».

Berichte in Abschnitten serviert

Dass man in der «Appenzeller Zeitung» tatsächlich kein Blatt vor den Mund nahm, kann heute trotz vergilbter Seiten immer noch gut nachgelesen werden. Die Berichte wurden in Abschnitten serviert, jeder widmete sich einem anderen Land. So ist beispielsweise unter dem Titel Frankreich von einer theatralischen Regierungsform die Rede, die manches Schauspiel gewähre. Grossbritannien hat es dem Autor zu Folge vor 190 Jahren seiner

«ausgezeichneten Verfassung zu verdanken, dass ein schlechtes Ministerium auf das Wohl des Landes seinen so verderblichen Einfluss ausüben kann als anderwärts.»

Einen Zeitungsbogen stark kam die «Appenzeller Zeitung» ab 5. Juli 1828 einmal in der Woche heraus, und zwar jeden Samstag. Mit der zweiten Hälfte des Jahres 1829 wurde es dann um einen weiteren halben Bogen erweitert. 1831 kam es zur nächsten Erhöhung des Umfangs und die Zeitung erschien nun sogar wöchentlich viermal. Die Zahl der Abonnenten stieg von 620 im Jahre 1828 auf 1010 im ersten Halbjahr 1829 und erreichte in der Anfangsphase den höchsten Stand mit 1120 im ersten Halbjahr 1831.

"Nicht für zarte Nerven geeignet"

In Ausserrhoden fanden sich ganz zu Beginn nur in elf der zwanzig Gemeinden Abonnenten. Die weitaus grössere Anzahl an Leserinnen und Leser war ausserhalb des Kantons zu finden. Alle diese Informationen sind in der Denkschrift vom bereits genannten Oscar Alder zu finden. Und wie kam die erste «Appenzeller Zeitung» im Volk an? Eine erste öffentliche Reaktion findet sich bereits in der dritten Ausgabe. Im «Schreiben eines Ungenannten» ist zu lesen: «Der Inhalt ist umfassend, die Form originell, doch nicht für zarte Nerven geeignet.» Aber er liebe die Sprache des Appenzellers und wisse, dass er es besser meine als er sich ausdrücke, so der Ungenannte.

Vom Wochenrhythmus zum ständigen Update

Die erste Ausgabe der «Appenzeller Zeitung» ist mehr als nur eine alte Zeitung. Sie steht sinnbildlich für eine ganz andere Gesellschaft. Wer kann sich heute vorstellen, nur einmal in der Woche mit Nachrichten bedient zu werden? Selbst einmal im Tag ist heute für die meisten zu wenig. Wir wollen stattdessen ständig auf dem neusten Stand sein. Mit anderen Worten: Wir leben heute in der 5-min-Update Gesellschaft. Der Blick in die Vergangenheit könnte die Chance sein, das heutige News-Junkie-Verhalten zu hinterfragen. Macht es das Leben wirklich lebenswerter, permanent nur am Scrollen zu sein? Dieser Tage haben die Sommerferien begonnen. Auch wenn wir uns nicht in der Fastenzeit befinden, es wäre die Übung wert, wenigstens tageweise die elektronischen Geräte zur Seite zu legen. Wetten, dass die Vorfreude auf die Zeitung beim Morgenessen steigt. (rf)

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