Ernst Rohner, 1933 – 2013

Ernst Rohner wurde am 3. Mai 1933 im zürcherischen Wald als Sohn des Konrad und der Lydia Rohner geboren. Die Eltern hatten ihren Wohnort und ihre Arbeitsstellen in der Tuchweberei erst kurz zuvor vom Appenzeller Vorderland ins Zürcher Oberland verlegt.

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Ernst Rohner wurde am 3. Mai 1933 im zürcherischen Wald als Sohn des Konrad und der Lydia Rohner geboren. Die Eltern hatten ihren Wohnort und ihre Arbeitsstellen in der Tuchweberei erst kurz zuvor vom Appenzeller Vorderland ins Zürcher Oberland verlegt.

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Ernst Rohner war ein aufgeweckter Junge und besuchte in Wald und später in Stäfa die Volksschule. Aus finanziellen Gründen kam ein Gymnasium nicht in Frage. So absolvierte er mit Erfolg die Lehre auf der Gemeindekanzlei Stäfa, war dann in der Gemeindeverwaltung Kloten tätig und absolvierte er die Unteroffiziers- und Offiziersschule. 1957 erhielt Ernst Rohner das Angebot, sich in Wien für ungarische Flüchtlinge zu engagieren. Die Weiterempfehlung des Österreichischen Roten Kreuzes löste eine Vielzahl weiterer Engagements in Asien und Nordafrika aus. Bereits als 25jähriger Berufsmann reiste Ernst Rohner als Delegierter nach Nordafrika. In Algerien war er für die Betreuung einer Vielzahl von Flüchtlingen zuständig für Trinkwasser, Nahrung und Kleidung. Als 30-Jähriger wurde er in der Schweiz wieder sesshaft, wurde Personalchef bei einer Tochterfirma von Ciba-Geigy im Kanton Zürich und übernahm nur noch kurze Mandate in Ruanda, Burundi und Tansania sowie in Indien und Sri Lanka.

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Ernst Rohner wurde 1969 zum Verwalter des Bezirksspitals Herisau gewählt. Er galt als kompetenter Fachmann mit hoher Sozialkompetenz, wie sich auch die frühere Oberschwester Elisabeth Anderegg zu erinnern vermag. Ob Putzfrau oder Chefarzt, beide durften gleich viel Zeit von ihm in Anspruch nehmen, wie er immer wieder betonte. Mit viel Herzblut engagierte er sich zusammen mit Rolf Lanz und den Herisauern Persönlichkeiten Joachim Auer, Hans Meng und Max Gairing für den Neubau des Spitals, der 1972 eingeweiht werden konnte. Oft nahm er spätabends nach Baukommissionssitzungen seine Unterlagen mit in sein gemietetes Eigenheim in Schwellbrunn, und bereits am folgenden Tag standen die Protokolle zur Verfügung.

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Nach vierjähriger Tätigkeit in Herisau wurde er zum Verwaltungsdirektor des Spitals und der Psychiatrie von Münsterlingen berufen. Spitalpräsident Auer attestierte ihm, dass er mit Ernst Rohner nicht nur einen äusserst tüchtigen Mitarbeiter, sondern auch einen Freund ziehen lassen müsse. Als Verwaltungsdirektor von Spital und Psychiatrie in Münsterlingen war Ernst Rohner wiederum stets gefordert. Er war verantwortlich für das kantonale Spital, die Psychiatrische Klinik und die Zentralwäscherei. 1995 liess sich Ernst Rohner pensionieren. Der damalige Regierungsrat Philipp Stähelin würdigte die 22jährige Tätigkeit in der Tagespresse mit einem grossen Dank: «Er hat Münsterlingen in den Zeiten des grössten Umbruchs seit der Gründung (…) seine volle Arbeitskraft gegeben. Ernst Rohner hat viel dazu beigetragen, dass Münsterlingen als Zentrum unseres kantonalen Gesundheitswesens ausstrahlt und Anerkennung findet.»

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Mandate im Ausland waren in der Münsterlinger Zeit kaum möglich, und dennoch engagierte er sich in Auslandprojekten für Bootsflüchtlinge aus Vietnam, für Bürgerkriegsopfer in Angola und für Kurden in ihren Stammgebieten. Als internationaler Wahlbeobachter reiste er im Auftrag der OSZE nach Albanien und Rumänien, im Auftrag der UNO nach Namibia, Kambodscha und Südafrika.

Seine Frau Heidi war ihm eine herzensgute Gemahlin. Viel Freude erlebte er auch im Kreise seiner Familie mit den drei Kindern Christoph, Andreas und Regula sowie den vier Grosskindern. Leider verstarb die Ehefrau bereits 1999, kurz nach Ernst Rohners Pensionierung. Mehr als zwölf Jahre lebte Ernst Rohner als Witwer selbständig in seinem Haus in Romanshorn. Im Januar 2013 verschlechterte sich sein gesundheitlicher Zustand derart, dass der Übertritt ins Alters- und Pflegezentrum in Amriswil unumgänglich wurde. Dort durfte er am 6.Juni 2013 von seinen Leiden erlöst werden.

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Am 14.Juni fand in der fast voll besetzten evangelischen Kirche in Romanshorn eine würdevolle Abdankung zusammen mit Familie, Freunden und Bekannten statt. Pfarrerin Meret Engel fasste das Wirken von Ernst Rohner wie folgt zusammen: «Mit viel Schaffenskraft, Lebensmut und Verantwortungsbewusstsein hat er sein Leben beruflich und privat gestaltet und ausgefüllt. Er hatte ein ausgeprägtes Freiheits- und Autonomiebedürfnis, kam weit in der Welt herum und arbeitete sich als Kind aus einfachem Elternhaus hoch bis zum Direktor des Spitals Münsterlingen. Und doch hat er seine Wurzeln nie verloren.»

Die Trauerfeier wurde musikalisch stimmungsvoll umrahmt, auch mit dem Appenzeller Landsgemeindelied, das die Verbundenheit Ernst Rohners zum Appenzellerland unterstrich. Wir werden Ernst Rohner in bester Erinnerung behalten.

Kurt Nüssli,

ehemaliger Buchhalter

des Bezirksspitals Herisau