Ernst Gähler, Herisau

Tief betroffen nahm vergangene Woche eine grosse Trauergemeinde Abschied von Ernst Gähler. Er kam 1952 in Schwellbrunn als ältester Sohn des Gärtnermeister-Ehepaares Ernst und Marie Gähler zur Welt. Er erlebte in diesem Dorf, dem er zeitlebens verbunden blieb, eine glückliche Kindheit.

Katrin Alder, Annette Joos
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Ernst Gähler (1952–2015) (Bild: apz)

Ernst Gähler (1952–2015) (Bild: apz)

Tief betroffen nahm vergangene Woche eine grosse Trauergemeinde Abschied von Ernst Gähler. Er kam 1952 in Schwellbrunn als ältester Sohn des Gärtnermeister-Ehepaares Ernst und Marie Gähler zur Welt. Er erlebte in diesem Dorf, dem er zeitlebens verbunden blieb, eine glückliche Kindheit. Ernst war ein begabter Schüler und passionierter Skifahrer. Sein Fleiss, seine Fähigkeiten und seine beispiellose Einsatzbereitschaft halfen ihm schon früh, seine hochgesteckten Ziele zu erreichen.

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Ernst Gähler absolvierte die obligatorische Schulzeit in Schwellbrunn und Herisau, das Gymnasium mit Matura in St. Gallen. Im Jahr 1978 schloss er das Medizinstudium an der Universität Zürich mit dem Staatsexamen ab. Es folgte die Zeit als Assistenzarzt in verschiedenen Spitälern der Schweiz mit dem Abschluss im damaligen Regionalspital Herisau. Nach dem Erlangen des FMH-Titels für Allgemeinmedizin eröffnete Ernst Gähler 1984 eine Arztpraxis in seiner Heimat, in Herisau.

Während über 30 Jahren widmete sich Ernst Gähler mit ausserordentlichem Engagement, grossem Wissen und viel Fingerspitzengefühl seinen Patientinnen und Patienten. Seine Fähigkeiten und seine Feinfühligkeit, gepaart mit Achtung vor seinem Gegenüber und der Nähe zur einheimischen Bevölkerung, liessen ihn in Kürze zu einem hochgeschätzten Hausarzt werden. Ob alt oder jung, arm oder reich: Das Wohl und die Würde der Patienten standen für Ernst immer im Vordergrund. Er verstand die Menschen, vom traditionellen Appenzeller bis zur neuzugezogenen Immigrantin. Uneigennützig gab er stets sein Bestes – und sein Bestes war von hoher Qualität.

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In der spärlichen Freizeit widmete sich Ernst Gähler mit Fürsorge seiner geliebten Familie, seiner Ehefrau, den Söhnen und dem Grosskind. Jahrzehntelang war Ernst Gähler aktives Mitglied in der Musikgesellschaft Schwellbrunn und wirkte als äusserst umsichtiger Clubarzt des SC Herisau. Mit dem Facharzttitel für Sportmedizin vereinte er seine Passion mit seiner Berufung.

Ernst Gähler war mit Herzblut Appenzeller und stark verwurzelt in seiner Heimat. Seine Weitsicht, sein Blick aufs Ganze und seine Offenheit ergänzten seine Heimatverbundenheit optimal. Dreimal wählte ihn das Herisauer Stimmvolk mit Glanzresultaten in den Kantonsrat, wo er in seiner 12jährigen Amtszeit unter anderem massgeblich an der Erarbeitung des neuen Gesundheitsgesetzes beteiligt war.

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Ernst Gähler hat seine grossen Fähigkeiten uneigennützig auf vielfältige Art und Weise zugunsten der Allgemeinheit eingesetzt. Als Major in der Schweizer Armee verbrachte er unzählige Diensttage im Militär. Als langjähriger Präsident der Appenzellischen Ärztegesellschaft und als Mitglied im Zentralvorstand beziehungsweise Vizepräsident der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH wirkte er aktiv und vertrat engagiert die Interessen der Hausärzte. In diesen Gremien konnte er sein grosses Verhandlungsgeschick und seine Fähigkeiten als guter Zuhörer und Brückenbauer mit Erfolg einsetzen.

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Das vielseitige und nachhaltige Wirken von Ernst Gähler ist für die Öffentlichkeit von unschätzbarem Wert.

Mit Ernst Gähler haben wir einen optimistischen, geerdeten, mit Augenmass und Beharrlichkeit versehenen, bescheidenen Menschen verloren. Ein ruhiger, fleissiger Schaffer, ein humorvoller, gradliniger Mensch ist nicht mehr unter uns. Wir hätten ihm und seiner Familie den bald anstehenden, verdienten Ruhestand von ganzem Herzen gegönnt. Bestimmt hätte er mit gewohnter Begeisterung und grossem Interesse neue Ziele angesteuert. Das Schicksal wollte es anders und riss ihn völlig unerwartet aus seinem aktiven Leben. Viele Menschen werden Ernst Gähler als Freund, Arzt, Politiker, Sportler, Musikant, Militärkamerad und Familienmensch dankbar ein ehrendes Andenken bewahren.

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