Erneut weniger Fische im Necker

Heuer kann der Fischereiverein Neckertal auf 100 Jahre aktive Freizeitfischerei zurückschauen. Am Samstag beging er seine Jubiläums-HV im Zeichen schwindender Fischbestände in seinen Pachtgewässern.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Statt der Toi-Toi-Kabine soll ein Anbau die Fischerhütte bei der Aachsäge erweitern.

Statt der Toi-Toi-Kabine soll ein Anbau die Fischerhütte bei der Aachsäge erweitern.

BÄCHLI. Zum 100. Geburtstag gab's erst mal ein Lied: «I weiss no guet, woni am Necker bi gsässä, . . . ganz egal ob en Fisch a dä Angle, vo dä Aachsägi bis zom Ofeloch.» Die Melodie («Span/Lauenesee») kannte jeder im Saal, doch der Text war eine Uraufführung. Gedichtet hatte ihn Alex Porta aus Waldstatt, der Vizepräsident des jubilierenden Fischereivereins. Damit machte sich der Verein das erste Geschenk gleich selbst. Hernach gab's noch weitere Memorabilien zuhanden des bemerkenswerten Jubiläums: vom Fischereiverein Thur eine Wanduhr aus Neckertaler Holz, vom Kantonalverband eine auf Leinwand gebannte Forelle, von den Obertoggenburger Fischerkollegen zwei Zweitages-Gäste-Fischpässe. Und für alle Vereinsmitglieder gab's schliesslich noch eine gesponsorte Kappe mit Vereinsemblem.

Prekäres Jahr

Freude also allenthalben. Doch beim eigentlichen Thema der Fischer, bei den Fischen beziehungsweise Fischbeständen, gab's nicht viel zu lachen. In seinem Jahresbericht hielt Präsident Reto Brüllmann fest, dass das vergangene Jahr wieder ähnlich prekär ausgefallen sei wie 2013. Dies nachdem 2014 einigermassen ausgeglichen gewesen sei. Die Fangstatistik weist mit 365 Forellen und neun Barben die tiefsten Zahlen der letzten zehn Jahre aus. «Es gab sehr wenig Wasser, das sich dann entsprechend stark erwärmte. Die Brut der Barben – und so vermutlich auch der Forellen – entwickelte sich auffallend gut. Dafür mussten sich die grösseren Fische auf engem Raum in den wenigen verbliebenen tiefen Gumpen dicht zusammendrängen.»

Beobachten und Bestand pflegen

Kein Fischer kam auf die erlaubte Fangzahl von 40 Tieren pro Jahr, sagte Brüllmann (siehe auch Interview). Mittlerweile habe sich die Hobbyfischerei längst auf Beobachtung und Bestandespflege reduziert. Brüllmann weiter: «Bei der Wasserführung sind wir meines Erachtens an der untersten Schmerzgrenze angekommen. Sollte sich die Wassermenge im nächsten warmen Sommer noch weiter reduzieren, kann ein sichtbares Fischsterben durch Überhitzung und Sauerstoffmangel möglich werden.» Auf die globale Lufttemperatur haben die Neckerfischer keinen direkten Einfluss, auf die Wassermenge jedoch schon: «Denn das Wasser ist im Necker und im Talboden vorhanden. Aber es ist zu einem Konsumgut geworden, das verkauft, gekauft und verbraucht wird.»

Und dennoch interessieren sich immer noch – vor allem männliche – Nachwuchsfischer für die Hobbyfischerei. Sechs neue Mitglieder nahm der Verein auf und plafoniert damit seine Mitgliederzahl bei 72, die zudem den erklecklichen Jahresbeitrag von 450 Franken leisten. Interessant ist auch, dass die meisten Hobbyfischer nicht im Neckertal sesshaft sind, sondern weite Anfahrtstrecken in Kauf nehmen. Warum Neumitglied Simon Künzler aus Andelfingen den Neckertaler Verein gewählt habe, erklärt er so: «Weil es im Neckertal einfach genial schön ist zu fischen.»

Obwohl es an Sitter und Steinach auch Fische gibt, hat sich auch die erste Fischerin im Verein, Nora Markwalder aus St. Gallen, vor einigen Jahren für das Neckertal entschieden. Heute sitzt sie als Aktuarin im Vorstand. Das «dienstälteste» Mitglied ist jedoch ein Einheimischer: 38 Jahre ist Walter Fischbacher schon dabei. Ein Gemeindepräsident, der nicht nur Hembergs Land und Leute, sondern auch seine Fische kennt.

Erweiterung der Vereinshütte

Die ordentlichen Traktanden der HV wurden zügig abgehandelt. Auch der Punkt «Erweiterung der Vereinshütte», der kurzfristig in die Traktandenliste aufgenommen wurde, gab nur zu kurzer Diskussion Anlass. Die Fischerhütte bei der Aachsäge soll insofern vergrössert werden, dass Raum für Geräte und eine Toilette mit chemischer Entsorgung entstehen kann. Der Verein setzt dafür 4000 Franken ein. Am 12. März beginnt die Fischereisaison, verkündete Präsident Brüllmann. Im Sommer werde man dann das Jubiläum gebührend feiern. Aufgrund von begrenzten Ressourcen, u. a. der Finanzen, sei im Vorstand beschlossen worden, den Akt nicht mit grandiosem Brimborium begehen. Stattdessen sei am 27. August ein offener Fischerhöck angesagt, offen, weil auch die Öffentlichkeit eingeladen sei. Der Anlass findet ganztägig bei der Vereinshütte am Necker bei der Aachsäge statt.

Vizepräsident Alex Porta singt die neue Vereinshymne «I weiss no guet» gleich selbst. (Bilder: Michael Hug)

Vizepräsident Alex Porta singt die neue Vereinshymne «I weiss no guet» gleich selbst. (Bilder: Michael Hug)