Erleichterung und Enttäuschung am Tag danach in Teufen

TEUFEN. Mit einer deutlichen Mehrheit von 1565 zu 1058 Stimmen spricht sich das Teufner Stimmvolk gegen eine Tunnellösung und für die Ortsdurchfahrt der Appenzeller Bahn aus. Die Verantwortlichen zeigen sich erleichtert über den Entscheid.

Karin Erni
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Die Bahn bleibt im Dorf: Gemeindepräsident Walter Grob und der Direktor der Appenzeller Bahnen, Thomas Baumgartner, freuen sich über den Entscheid. (Bild: ker)

Die Bahn bleibt im Dorf: Gemeindepräsident Walter Grob und der Direktor der Appenzeller Bahnen, Thomas Baumgartner, freuen sich über den Entscheid. (Bild: ker)

Rundum zufrieden zeigte sich Gemeindepräsident Walter Grob mit dem Ausgang der gestrigen Abstimmung: «Ich bin erleichtert, dass diese Frage nach 60 Jahren endlich geklärt werden konnte.» Das Resultat sei mit über 500 Stimmen Unterschied ziemlich eindeutig. Grob hätte sich zwar noch eine etwas höhere Stimmbeteiligung gewünscht. «Aber 58 Prozent sind kein schlechter Wert.» Nun gehe es darum, dass sich alle Parteien wieder finden, um gemeinsam zu einem guten Ergebnis zu kommen. Die Arbeiten würden umgehend an die Hand genommen. «Wir krempeln jetzt die Ärmel hoch.»

Freude bei Appenzeller Bahn

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen, zeigt sich überzeugt, dass mit der Doppelspur die Sicherheit im Dorf Teufen wesentlich erhöht werden kann. «Ausserdem wird dadurch unsere betriebliche Flexibilität erhöht, da künftig auf diesem Abschnitt die Züge der Appenzeller Bahnen kreuzen können, sofern dies der Fahrplan oder die aktuelle Betriebssituation erfordern.» Die Appenzeller Bahnen würden nun mit der detaillierten Ausarbeitung der Planunterlagen beginnen.

Eher zwiespältig fällt die Meinung der IG Dorf aus. «Wir werten das Nein zum Tunnel nicht als Erfolg», sagt deren Sprecher Urs Alder. Viele Mitglieder, aber auch viele der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger seien in der Abstimmungsfrage hin und her gerissen gewesen. Am Schluss habe wohl die Kosten-Nutzen-Frage das Zünglein an der Waage gespielt, vermutet Alder. Die Skepsis gegenüber der Doppelspur sei nach wie vor bei vielen vorhanden. Sie könne nun aber basierend auf einem demokratischen Volksentscheid umgesetzt werden, so Alder. «Es bleibt die grosse Herausforderung, der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, der Dorfgestaltung sowie den Bedürfnissen unseres Gewerbes und der Dorfbewohner oberste Priorität beizumessen. Dafür werden wir uns weiterhin einsetzen.»

Enttäuschte Befürworter

Enttäuscht vom Volksentscheid zeigt sich der ehemalige Gemeinderat Werner Hugelshofer. Er hatte gemeinsam mit einer Gruppe Tunnelbefürworter relativ spät in den Abstimmungskampf eingegriffen. «Die Teufner haben es nach der Konsultativabstimmung in den 90er-Jahren zum zweitenmal verpasst, sich für eine zukunftsgerichtete Lösung zu entscheiden», so Hugelshofer. «Ich habe Angst, dass Teufen dereinst ein leeres Dorf mit viel Pflästerung wird.»