«Erlebnis Garten» steht jedem offen

Einmal im Monat gibt Remo Vetter aus Teufen, der «Lazy Gardener», im Rahmen von «Das Gartenjahr» Tips für Hobbygärtnerinnen und -gärtner, sagt, welche Arbeiten nun anstehen und philosophiert über die Freuden (und manchmal Leiden) des Gärtnerdaseins.

Remo Vetter
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Väterchen Frost zaubert wunderbare Gemälde mitten in unsere Gärten. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Väterchen Frost zaubert wunderbare Gemälde mitten in unsere Gärten. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

TEUFEN. In unseren Gärten finden wir Ruhe und Inspiration, und wer die Gartenschere im Herbst nur für das Schneiden von Blumen verwendet, wird im Winter mit einem wahren Naturspektakel belohnt.

Es braucht Mut und Demut

Vorbei sind die Zeiten, in denen vor der Spiessigkeit der Schrebergärtner die Nase gerümpft wurde, wie ich das aus meiner Kindheit kenne. Viele Städter machen sich auf und immer stärker wächst die Sehnsucht nach der eigenen grünen Oase. Mir persönlich ist es ein Anliegen, den von uns gepflegten Garten in Teufen für viele Menschen als Quelle der Inspiration und der eigenen Zufriedenheit erlebbar zu machen. Der bei uns herkömmlichen Ansicht von «Gartenarbeit» stelle ich das lustvolle Gärtnern entgegen. Es braucht nur etwas Mut, Geduld und Demut, wenn etwas vielleicht nicht gelingt, sowie Zuversicht in die Kräfte der Natur und das eigene Handeln. So können wir im Garten Wunderbares entstehen lassen. Wenn ich einen fremden Garten besuche, verhalte ich mich fast wie eine Biene: Ich lasse mich von den Farben anziehen. Der optische Eindruck ist zuerst der wichtigste. Doch was macht einen Garten eigentlich besonders, warum fühlen wir uns darin wohl, was gefällt uns daran? Sind es die Proportionen, die Farben und Texturen, oder liegt es darin, wie die Pflanzen aufeinander abgestimmt sind?

Der Garten regt die Sinne an

Gärtnern ist für mich ein sinnliches Erlebnis. Dass der Garten die Sinne anregt, merken Kinder und ältere Menschen am besten. Wenn wir mit unseren Kindern an einem schattigen Plätzchen im Sommer ein Zelt aus Tüchern bauen, ist es ein inneres Erlebnis. Wie viel Zeit haben unsere drei Mädchen doch im Sommer in ihren spontan aufgestellten Zelten und Baumhütten verbracht, Geschichten erfunden – sie wollten abends gar nicht mehr nach Hause kommen, sondern im Garten schlafen. Der Garten ist voller Überraschungen und regt unsere Sinne an. Ein buntes Blumenbeet kann uns betören, Gräser bewegen sich im Wind, Vögel zwitschern morgens in einheimischem Gehölz, und spät abends beobachten wir Igel, Salamander und Fledermäuse auf der Suche nach Nahrung.

Gärten reagieren auf Wohlwollen

Den Garten gilt es jeden Tag neu zu entdecken. Manchmal kommt es vor, dass ich sogar mein Ziel aus den Augen verliere (nämlich zu arbeiten), weil mich eine Pflanze, eine Hummel oder ein Schmetterling so sehr in den Bann gezogen hat.

Mein Anliegen ist es, unseren Besuchern Lust auf Garten zu machen, damit sie ihren eigenen Garten entdecken und immer wieder Neues ausprobieren. Das Erlebnis Garten steht jedem frei, jeder kann es für sich entdecken. Der Garten schätzt unsere Bereitschaft, Liebe hinein zu geben, gleich wie in eine menschliche Beziehung. Geliebte Gärten geben immer etwas zurück, seien es üppige Pflanzen oder eine besondere Blütenpracht, seien es Glücksgefühle oder innere Zufriedenheit. Erlebte Gärten machen glücklich, weil etwas Wunderbares entsteht, das uns zu Herzen geht. Gärten sind etwas Lebendiges, sie reagieren genauso schnell und unbarmherzig auf Vernachlässigung und Liebesentzug wie auf Zuneigung.

Bild: REMO VETTER

Bild: REMO VETTER

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