ERINNERUNG: Ein Vermächtnis in Noten

Vor 25 Jahren verstarb der Komponist Fred Kaufmann an Herzversagen. Seine Werke sind unvergessen. Ein Grossteil des Repertoires des Jodlerclubs Alpeblueme Herisau stammt aus Kaufmanns Feder.

Astrid Zysset
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Der Jodlerclub Alpeblueme Herisau zu Zeiten Fred Kaufmanns. (Bild: PD)

Der Jodlerclub Alpeblueme Herisau zu Zeiten Fred Kaufmanns. (Bild: PD)

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Bescheiden sei Fred Kaufmann gewesen, erinnert sich René Wäspi. Er war 16 Jahre Präsident des Jodlerclubs Alpeblueme Herisau. Und zwar zu ­jener Zeit, als Kaufmann dort Dirigent war. «Eigentlich war er gar zu bescheiden. Obwohl er ein solch begnadeter Komponist war, hatte er nie damit angegeben», so Wäspi. Kaufmann sei liebenswürdig und gesellig gewesen, hatte für jedes Anliegen ein offenes Ohr. Ausser: Es fanden Gespräche während der Proben statt. «Das konnte er nicht ertragen. Er war ehrgeizig. Hatten wir die Proben nicht mit ausreichender Ernsthaftigkeit begangen, konnte er schon mal hässig werden.» Kaufmann verstarb am 19. März 1992. Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Und dies während einer Probe beim gemischten Chor Waldstatt.

Verletzliche und gesellige Seite

Heute, 25 Jahre später, sind seine Kompositionen unvergessen. Sein überliefertes Gesamtwerk umfasst rund hundert Kompositionen. Zu den bekanntesten seiner Jodellieder gehören «By üüs obe», «de Bärgwald» oder «Am Jodlertisch». Nicht zu vergessen auch die 1987 entstandene Jodlermesse, die er ursprünglich für den Frauen- und Männerchor Waldstatt schrieb und heute an verschiedenen Orten gesungen wird. «Ein Grossteil unseres Repertoires besteht nach wie vor aus Kaufmanns Kompositionen», so Silvan Schwendinger, heutiger Präsident des Jodlerclubs Alpeblueme. 19 Mitglieder zählt der Club aktuell, drei hatten bereits unter Kaufmann gesungen. 1946 wurde Kaufmann Dirigent der ­Alpeblueme. «Um die halbe Welt» sei der Jodlerclub damals gereist, so Wäspi weiter. So auch nach Japan. Eine vierwöchige Reise stand damals an, rund 40 Konzerte mussten gegeben werden. Darunter auch eines für den Kaiser. Eingeladen waren zu dieser Reise jedoch nur die Alphornbläser und Sänger. Kaufmann musste zu Hause bleiben. «Später hat er mir mal im Vertrauen gesagt, dass ihn das sehr getroffen habe», erinnert sich Wäspi. Seine verletzliche Seite zeigte Kaufmann allerdings selten. Auch die ausgelassene kam kaum je zum Vorschein. Aber es gab sie. «Ich erinnere mich an einen Raum in einem Hotel in New York. Kaufmann nahm seine Handorgel hervor und war eine unglaubliche Stimmungskanone. Alle Leute tanzten und sangen plötzlich mit.»

Vierzig Jahre stand Kaufmann dem Jodlerclub Alpeblueme vor. Viele Kompositionen basieren auf den Texten Wäspis. Denn: «Texte schreiben konnte er nicht so gut. Darum hat er mich gebeten, dies für ihn zu übernehmen.» Auch Jodeln konnte Kaufmann nicht. Aber er hatte ein Musikgehör, das ihm sagte, wann jemand zu hoch oder zu tief sang. Altershalber legte Kaufmann schliesslich sein Amt als Dirigent der Alpeblueme nieder. Sein Gehör habe langsam ein wenig nachgelassen, so Wäspi. Kaufmann nutzte die freie Zeit, um vermehrt wandern zu gehen. In der Natur habe man ihn öfters antreffen können. Dort seien ihm zeitlebens oftmals die Melodien für seine Kompositionen eingefallen.