«Ich bin zutiefst berührt»: Friedensglocke in Heiden erklingt in Erinnerung an den Atombombenabwurf auf Nagasaki vor 75 Jahren

100 Personen fanden am Sonntag den Weg zum Henry-Dunant-Museum in Heiden, wo sie kurz nach 11 Uhr bei der Friedensglocke der schrecklichen Ereignisse in der japanischen Stadt Nagasaki und der vielen Opfer gedachten.

Alessia Pagani
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Marzhan Nurzhan, stellvertretende Direktorin des Basel Peace Office (Internationales Friedensbüro), und Othmar Kehl von den International Physicians for the Prevention of Nuclear War lassen die Friedensglocke erklingen.

Marzhan Nurzhan, stellvertretende Direktorin des Basel Peace Office (Internationales Friedensbüro), und Othmar Kehl von den International Physicians for the Prevention of Nuclear War lassen die Friedensglocke erklingen.

Bild: Alessia Pagani

Kurz nach 11 Uhr erklang am Sonntag beim Henry-Dunant-Museum in Heiden langes Glockengeläut. Zum 75. Mal jährte sich der Atombombenabwurf auf Nagasaki, bei dem innerhalb von wenigen Sekunden die japanische Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner buchstäblich ausgelöscht wurden. 100 Personen, darunter Gemeindepräsident Gallus Pfister, der Ausserrhoder Ratsschreiber Roger Nobs sowie Marlis Hörler Böhi, Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes beider Appenzell, versammelten sich in Gedenken an diese schrecklichen Geschehnisse bei der Friedensglocke im Museumsgarten. In seiner Ansprache erinnerte Andreas Ennulat an die Bombenabwürfe. Der Vize-Präsident des Henry-Dunant-Museums wandte sich an die Anwesenden mit den Worten:

«Das Glockengeläut soll ein Gedenken sein, aber auch eine Mahnung – ein Gedenken an die Atombombenopfer und eine Mahnung, dass es nie mehr zu einem Atomkrieg kommen soll.»

Ennulat war kurzfristig für Präsident Norbert Näf eingesprungen, der am Anlass unfallbedingt nicht teilnehmen konnte.

Sensibilisierung durch Erinnerungen

Eine der Anwesenden an der diesjährigen Gedenkfeier war Toshiko Blum-Ito. Blum-Ito stammt ursprünglich aus Nagasaki und ist in der Nähe des Abwurfortes aufgewachsen. Seit mehreren Jahren wohnt sie nun in der Schweiz. Sichtlich gerührt sprach sie von ihrer Arbeit als Delegierte der Peace Messenger aus Hiroshima und Nagasaki, einer Gruppe von Highschoolschülerinnen und -schülern, die sich für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen einsetzt. Blum-Ito:

Toshiko Blum-Ito, Peace Messenger

Toshiko Blum-Ito, Peace Messenger

«Vor der Friedensglocke zu stehen und sie hier in Heiden, weit weg von Nagasaki, ertönen zu lassen, berührt mich zutiefst und bedeutet mir sehr viel.»

Seit 2000 sammeln die Peace Messenger Unterschriften gegen Atomwaffen und bringen diese jeden August zur UNO in Genf. Bei der Einweihung der Friedensglocke 2010 waren sie erstmals in Heiden, seit 2016 jedes Jahr – nur in diesem Jahr machte die Coronapandemie ihnen einen Strich durch die Rechnung. Ito-Blum dankte den Verantwortlichen für ihr Engagement:

«Ich anerkenne und schätze das Dunant-Museum und das Schweizerische Rote Kreuz beider Appenzell für ihre Leistung und ihren Beitrag zum Frieden.»

Herausforderungg mit kommenden Generationen angehen

Anschliessend ergriff Marzhan Nurzhan, stellvertretende Direktorin des Basel Peace Office (Internationales Friedensbüro), das Wort und wandte sich mit einem Appell an die Anwesenden:

«Unser heutiges Wissen und die Erfahrungen können uns helfen, aus diesem Ereignis zu lernen.»

Nurzhan ist direkt vom Einsatz von Atomwaffen betroffen. In Kasachstan, ihrem Heimatland, wurden zwischen 1949 und 1989 auf einem sowjetischen Testgelände 496 nukleare Bombentests durchgeführt.

Nurzhan sprach auch die Rolle der Kinder im Kampf gegen Atomwaffen an. «Heute stehen wir vor zwei grossen globalen Herausforderungen: dem Klimawandel und den Atomwaffen. Diese Herausforderungen werden an die nächsten Generationen vererbt. Es ist wichtig, sie gemeinsam anzugehen.»