Ergänzungswahlen
Grub: Wilde Kandidaten mischen den Wahlkampf auf

In der Vorderländer Gemeinde verpassten die offiziellen Kandidaten für das Gemeindepräsidium und den Gemeinderat im ersten Wahlgang das absolute Mehr. Dies hat auch mit zwei Bewerbern zu tun, die aus Unzufriedenheit mit der Auswahl spät ins Rennen stiegen.

Jesko Calderara
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Am 2. Mai entscheidet sich, wer in Grub die Nachfolge von Gemeindepräsidentin Katharina Zwicker und von Gemeinderat Udo Szabo antreten wird.

Am 2. Mai entscheidet sich, wer in Grub die Nachfolge von Gemeindepräsidentin Katharina Zwicker und von Gemeinderat Udo Szabo antreten wird.

Bild: APZ
Andreas Pargätzi verpasste im ersten Wahlgang den Sprung an die Spitze der Gemeinde Grub.

Andreas Pargätzi verpasste im ersten Wahlgang den Sprung an die Spitze der Gemeinde Grub.

Bild: PD

Nebst dem knappen Wahlausgang in Herisau war es die Überraschung des Abstimmungswochenendes: Gemeinderat Andreas Pargätzi verpasste in Grub bei den Wahlen um das Gemeindepräsidium als einziger offizieller Kandidat das absolute Mehr um vier Stimmen. Er holte 161 Stimmen, Christian Zürcher 93 und Vereinzelte 74.

Mit seinem Abschneiden zeigt sich Pargätzi dennoch zufrieden. «Dieses Ergebnis hat mich gefreut und bestärkt, für den zweiten Wahlgang abermals zu kandidieren.» Obschon er mit seiner Familie erst seit zwei Jahren in der Vorderländer Gemeinde lebt, habe er offenbar mit seiner gemeinderätlichen Arbeit und seinen Qualifikationen überzeugen können, betont Pargätzi.

Möglicher Einfluss der umstrittenen Zentrumsüberbauung

Christian Zürcher kandidiert in Grub als Gemeindepräsident.

Christian Zürcher kandidiert in Grub als Gemeindepräsident.

Bild: Hanspeter Schiess

Dass es mit der Wahl nicht im ersten Anlauf klappte, führt er unter anderem auf die im September 2020 an der Urne abgelehnte Zentrumsüberbauung zurück. Als Gemeinderat habe er die Vorlage mit Überzeugung vertreten und möglicherweise den Groll der Gegner geweckt, mutmasst der Inhaber einer Firma für Generalunternehmung, Sanitärservice und Installationen. Am 2. Mai kommt es somit zu einem Duell um das Gruber Gemeindepräsidium. Denn nebst dem Unternehmer steigt Christian Zürcher erneut ins Rennen – wie schon im ersten Wahlgang als «wilder» Bewerber. Sein Resultat bezeichnet er als «Teilerfolg». Gemäss Zürcher hat Grub Entfaltungsmöglichkeiten, die viele Jahre nicht belebt wurden. «Als Gemeindepräsidenten würde versuchen, wieder ein Miteinander herzustellen.» Auch sonst gäbe es in der Gemeinde noch viel aufzuräumen.

Yves Schläpfer will Gemeinderat werden.

Yves Schläpfer will Gemeinderat werden.

Bild: PD

Eine Auswahl werden die Stimmberechtigten auch beim frei werdenden Gemeinderatssitz haben. Im ersten Wahlgang bekam Raouf Selmi 151 Stimmen, Yves Schläpfer deren 108 und Christian Zürcher 39. Das Absolute Mehr betrug 164 Stimmen. Wie Zürcher ist auch Schläpfer ein «wilder» Kandidat. Nach der Wahlversammlung im März waren nur die Bewerbungen von Pargätzi sowie Selmi öffentlich bekannt geworden. Zürcher und Schläpfer meldeten ihr Interesse an den Ämtern nach eigenen Angaben zwar frühzeitig der Findungskommission, an der Wahlversammlung waren sie dann aber nicht anwesend. Stattdessen teilten sie in einem Flyer, der in alle Gruber Haushalte verteilt wurde, ihre Kandidaturen mit. «Weil uns die offiziellen Bewerber nicht überzeugen, wollen wir eine Alternative bieten», sagt Schläpfer. Der 45-Jährige ist gelernter Radio-TV-Elektroniker und heute als Leiter Applikationsengineering bei der Varioprint in Heiden tätig.

Zürcher engagiert sich in den Kirchenvorsteherschaft

Der 45-jährige Christian Zürcher wiederum arbeitet als Zimmermann für ein Holzbauunternehmen. Er gehört der Kirchenvorsteherschaft der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Grub-Eggersriet an und engagierte sich als OK-Mitglied für den Gruber Sportplausch. Zürcher kandidierte 2020 vergebens als Gemeinderat. Damals wurde Pargätzi gewählt. Raouf Selmi war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.